Leah und Jan Philipp Zymny im Podcast-Studio

Folge 23

Ich habe von dir gelernt, für mich selber einzustehen

Autismus-Talk mit Jan Philipp Zymny, Comedian im AuDHS-Spektrum, und seiner Schwester Leah Zymny, Eventmanagerin.

Vorweg ein paar Hinweise: In unserem Podcast reden wir über Dinge, die vielleicht bei euch etwas anstoßen. Bitte beachtet:

Unsere Gespräche geben persönliche Erfahrungen wieder und erfüllen keinen wissenschaftlichen Anspruch. Das Hören oder Lesen unseres Podcasts ersetzt keinen Besuch in einer Praxis oder Beratungsstelle. Fühlt euch ermutigt, offen auf Menschen in eurem Umfeld zuzugehen. Oder sprecht Fachleute in eurer Nähe an.

Rückmeldungen könnt ihr über hallo@spektrakulaer.de an uns richten. Oder ihr kontaktiert uns auf unserem Instagram-Kanal @spektrakulaer_podcast. Gerne versuchen wir auf Themen einzugehen, die Euch interessieren. Persönliche Fragen zu Diagnostik oder Therapie können wir leider nicht beantworten.

Im folgenden Abschnitt haben wir für euch unsere Sprachaufnahme transkribiert, also verschriftlicht. Das Manuskript entspricht nicht einem journalistisch überarbeiteten Interview.

Dieser Podcast ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt.

Wenn ihr uns oder unsere Gäste irgendwo zitieren wollt, bleibt fair: Achtet auf den Gesamtzusammenhang und denkt bitte immer an die Quellenangabe.

Im Zweifel gilt die schöne alte Regel: Lieber einmal mehr nachfragen.

Vielen Dank für eure Neugier und euer Verständnis.

Mirjam & Marco

Hinweis der Autorin zur Transkription: Als Text aufgeschrieben ist gesprochene Sprache nicht immer ganz korrekt und eindeutig verständlich. Ich habe den Text behutsam redaktionell überarbeitet. Ziel ist es, das spontane Gespräch möglichst natürlich wiederzugeben. Deshalb dürfen sprachliche Ungenauigkeiten bleiben.

Damit sich der Text leichter lesen lässt, ist die Zeichensetzung angepasst. Sie berücksichtigt Sinneinheiten und Pausen, wie sie fürs Mündliche typisch sind. Das heißt: Statt langer Bandwurmsätze gibt es öfter mal einen Punkt. Oder auch drei. Wenn jemand kurz nachdenkt. Oder nach den richtigen Worten sucht. Dann kann ein angefangener Satz auch mal einfach ab…

Und nun, viel Freude beim Lesen!

Mirjam

Transkript

„„Ich habe von dir gelernt, für mich selber einzustehen“

Autorin: Mirjam Rosentreter

0:00:00

Warmup/Ankommen

Mirjam Rosentreter: Wir kommen jetzt schon zu einem offiziellen Teil des Podcasts. Bevor er angefangen hat.

Marco Tiede: Wie geht das?

Mirjam Rosentreter: Ja, wir haben ja da eine Tafel hinter dir.

Marco Tiede: Stimmt.

Mirjam Rosentreter: Da steht Spektrakulär- Eltern erkunden Autismus. Heute mit Punkt Punkt Punkt.

Jan Philipp Zymny: Ja.

Mirjam Rosentreter: Da tragen sich unsere Gäste immer ein. Ich vertraue auf eure eigenen Ideen. Dass ihr da beide sagt, wer ihr seid. Und eine Selbstbezeichnung. Idealerweise kommt da irgendwie Autismus mit drin vor, in welcher Form auch immer.

Jan Philipp Zymny: Äh, Autismus? Ja, dann weiß ich was. Soll ich? Ich mach mal.

Leah Zymny: Mach mal, ja, fang mal an.

Jan Philipp Zymny: Ich bin schon gespannt, was du schreibst. (schmunzelt)

0:00:35

Intro

Musik: Joss Peach: Cherry On The Cake, lizensiert durch sonoton.music

Sprecher: Spektrakulär. Eltern erkunden Autismus.

Mirjam Rosentreter: Hallo, mein Name ist Mirjam Rosentreter. Ich bin Journalistin, Mutter eines Sohnes im Autismus-Spektrum. Und ich mache das hier nicht alleine. Bei mir ist Marco Tiede.

Marco Tiede: Moin. Ich bin auch Vater eines Jungen im Spektrum. Und ich arbeite als Therapeut und auch als Berater.

Mirjam Rosentreter: Es gibt zu dieser langen Version unseres Podcasts auch eine kurze, den Kurz-Pod. Ein Manuskript zu dieser Folge findet ihr auf unserer Seite spektrakulaer.de.

Sprecherin: Heute mit Jan-Philipp Zymny, Autor und Comedian mit AUDHS. Und Leah Zymny, Orga-Maus und Schwester mit autistischem Brudi.

0:01:22

Begrüßungsmoderation

Mirjam Rosentreter: Jan-Philipp Zymny, Autor und Comedian mit AuDHS. Leah Zymny, Orga-Maus und Schwester mit autistischem Brudi, Herzchen.

Leah Zymny: Ja. (lacht) Das bin ich. Ich habe kurz überlegt, ob ich I-Helferin schreibe und dachte dann…

Jan Philipp Zymny: Als I-Kraft?

Leah Zymny: Das ist zu gemein!

Jan Philipp Zymny: I-Kraftwider Willen. (beide lachen) Also aus Versehen I-Kraft geworden.

Mirjam Rosentreter: Inklusionskraft meint das, ne?

Leah Zymny: Ja. (lacht)

Mirjam Rosentreter: Unser heutiges Thema kommt schon voll durch: Wie hat Jan Philipp Zymny Humor durchs Leben geholfen. Und was hat seine Schwester damit zu tun?

(Beide Geschwister lachen)

Jan Philipp Zymny: Und ich lache viel über sie.

Marco Tiede: Und umgekehrt anscheinend.

Leah Zymny: Ja, ja. Das ist keine Einbahnstraße.

Marco Tiede: Interessant ist: Ich glaube, unsere letzten Handvoll Gäste sind alle im AuDHS- Spektrum.

0:02:12

Jan Philipp Zymny: Ja, je nachdem, in welche Studien du so reinguckst. Liegt die Komorbiditäts-Rate irgendwo zwischen 20 und 80 Prozent. Und scheint sich irgendwie um die 50 einzupegeln. Das heißt, da sind eine ganze Menge. Aber da muss wohl noch ein bisschen mehr Forschung passieren. Bis man da eine verlässliche, genaue Zahl hat.

Marco Tiede: Relativ neu gibt es ja auch eine Studie über neurobiologische, genetische Übereinstimmung von Autismus-Spektrum und ADHS. Insofern auch nicht überraschend, dass zunehmend Menschen im AuDHS-Spektrum hier unterwegs sind.

Mirjam Rosentreter: Also herzlich willkommen ihr beiden. Hallo, noch mal offiziell mit offenem Mikro, Marco.

Marco Tiede: Ja, moin.

Leah Zymny: Moin!

Marco Tiede: Ich bin auch immer noch völlig geflasht von deiner Show gestern.

Jan Philipp Zymny: Danke. Danke, dass wir hier bei euch sein dürfen.

Leah Zymny: Wir freuen uns.

Mirjam Rosentreter: Und für alle unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, die dich, Jan Philipp, vielleicht doch noch nicht kennen. Und gerade schon das Internet befragen. Auf ein Wort stößt man im Zusammenhang mit dir immer ziemlich schnell: Bärenkatapult.

Jan Philipp Zymny: (lacht)Das ist wahr. Tatsächlich geht das auf eine ganz, ganz alte Nummer von mir zurück, noch aus meiner Poetry Slam-Phase. Damit habe ich so angefangen. 2010 habe ich angefangen, bei Poetry Slams mitzumachen. Und dieser Text. Den habe ich dann irgendwann mal, ich glaube, im Rahmen des Nightwash Talent Awards. Also da gibt es ja schon ewig diese Nightwash-Comedy-im-Waschsalon-Kiste. Und die haben auch so einen Talent Award gemacht mit jungen Leuten. Und da habe ich den Text vorgetragen. Und ich glaube, heute hat das YouTube-Video über zwei Millionen Aufrufe oder irgendwie sowas. Und das war dann auch so: Im Jahr danach habe ich dann angefangen, Soloshows zu spielen und so weiter. Dass das so richtig eine berufliche Perspektive geworden ist.

Mirjam Rosentreter: Und einer deiner allerersten Auftritte war ja hier bei uns in Bremen!

Jan Philipp Zymny: Stimmt, das war das Slammerfilet!

0:04:08

Mirjam Rosentreter: Da warst du 18. Mit so einem zerknitterten DIN-A4-Zettel oder auch zweien. Handschriftlich geschrieben und ganz viel durchgestrichen. Warst du da schon mit dabei, Leah?

Leah Zymny: Ne, da war ich noch nicht mit dabei. Also, ich war viel mit auf Poetry-Slam-Veranstaltungen. Immer, wenn ich konnte eigentlich, bin ich auch mitgekommen. In Bremen aber leider nicht. Da habe ich immer nur die Sachen machen können, die halt auch in der Nähe sind.

Jan Philipp Zymny: Vor allem: Wenn ich 18 war, musst du 16 gewesen sein. Das heißt, du warst besser in der Schule! (lacht)

(beide lachen)

Leah Zymny: Vielleicht. Ich war nicht so oft da. Aber ich hab trotzdem Abitur gemacht. Hatten die nicht als Preis so eine, ähm, aufgerollte Fisch…. Wie heißt das?

Jan Philipp Zymny: Entweder Sardellen oder Sardinen, irgendwie sowas.

Marco Tiede: Rollmops?

Leah Zymny: Eher so eine Büchse. Wo so ein ganz ekliger Fisch drin ist.

Jan Philipp Zymny: So eine ovale, eher so ein Rechteck mit abgerundeten Ecken. Und dann halt mit so einer Lasche, wo man das so aufziehen konnte. Und dann ist da, weiß ich nicht, was da drin ist.

Marco Tiede: Also ein echter Fisch, nicht stilisiert.

Jan Philipp Zymny: Nee, nee, es waren nur die Dosen. Die haben das ausgewaschen.

Marco Tiede: Ach so!

Jan Philipp Zymny: Vor allem haben die das… Das war auch eine Unsitte, die sich bei vielen Poetry Slam-Veranstaltungen durchzog: Haben die das mit Goldspray angesprüht. Und dann aber hinterher nicht noch mal lackiert. Also nicht noch mal so einen Klarlack drübergemacht. Damit du das auch anpacken kannst. Das heißt, du hattest dann, wenn du relativ erfolgreich beim Poetry Slam warst, hattest du zu Hause so 15 Nippes-Dinger, die alle klebten. Weil dieses Goldspray sich ablöste! Und dann hattest du das an den Fingern. Oder in deinem Rucksack, wenn du von der Tour zurückkommst. Das war richtig scheiße.

Mirjam Rosentreter: Kannst du dich eventuell noch erinnern, bei welchem Moment an dem Abend du gedacht hast, jetzt habe ich mit meinem Katapult einen Treffer gelandet?

0:05:49

Jan Philipp Zymny: (lacht) Das ist ja eine furchtbar süße Frage! Ich erinnere mich nicht mal mehr so genau an den Abend, um ehrlich zu sein. Aber ich habe das Gefühl, du bist da gewesen.

(beide Geschwister lachen)

Mirjam Rosentreter: Ich habe nur das Internet befragt und mir das angeguckt. Das Ende war so, dass da die Leute, glaube ich, mit so einem Geräusch von der Bühne gejagt werden. Also man muss ja beim Poetry Slam, bei dieser Kategorie immer, ich glaube, nach fünf oder sechs Minuten fertig sein. Und dann haben die so ein penetrantes Möwenkreischen reingebracht. Und du hast mir dann in dem Moment echt leidgetan. Also es wirkte fast so, als hättest du da überhaupt nicht mit gerechnet. Und dann: Wheee, wheee! Und du hast dann nur gesagt: „Boah, dieses Geräusch nervt total. Ich höre jetzt einfach auf.“

(beide Geschwister lachen)

Leah Zymny: Das klingt nach dir!

Jan Philipp Zymny: Das klingt, wenn ich ehrlich sein soll, nach etwas, was ich mir vorher überlegt habe. Was ich dann Cooles sagen kann, in der Situation.

Mirjam Rosentreter: Echt? Ist die Schlagfertigkeit, die bei dir durchkommt, oft vorher überlegt?

Jan Philipp Zymny: Früher ja. Also, früher habe ich irgendwie spitzgekriegt, dass es so ein paar Situationen gibt, die immer wieder auftauchen. Und habe mir dann da Sachen für vorbereitet. Du hast so gewisse Routinen, die du auch manchmal abspulst. Wenn Situationen ähnlich sind. Das ist schlussendlich ganz normales Grundhandwerkszeug von auftretenden Menschen im Prinzip.

Inzwischen hat sich das aber ein bisschen verlagert. Also, klar habe ich auch immer noch so ein paar Routines. So ein paar Sachen, die man immer mal wieder verwendet. Aber inzwischen habe ich ganz viel Angst ablegen können. Und ganz viel Selbstzweifel ablegen können. Und das ist für Schlagfertigkeit echt wertvoll und echt förderlich. Weil, ich habe irgendwann verstanden. Dass solange ich selbstbewusst und souverän bleibe und irgendwas sage, ist das schon die halbe Miete. Also ist schon das meiste eigentlich gewonnen an der Stelle. Und ob das dann en Detail dann perfekt ist oder so. Oder ob es nicht noch eine bessere Pointe gibt, das ist überhaupt nicht so wichtig an der Stelle. Solange man irgendwie was sagt. Und das einigermaßen selbstbewusst rüberbringt. Dann passt das mit der Schlagfertigkeit schon. Aber dafür darf man dann halt da nicht sitzen und nervös werden, das klappt dann halt nicht.

0:08:05

Mirjam Rosentreter: Wie du das geschafft hast: Diese Nervosität und Angst abzubauen. Darüber wollen wir heute auf jeden Fall sprechen. Also da hat, glaube ich, ja Humor, den du schon in der Kindheit erlebt hast, zu beigetragen.

Ihr seid zusammen in Wuppertal aufgewachsen. Du bist heute 32 Jahre alt, Jan Philipp. Du 30.

Leah Zymny: Ja, korrekt.

Mirjam Rosentreter: Und ihr lebt mittlerweile, du in Bochum, du auch in Bochum?

Leah Zymny: Ich auch in Bochum, ja.

Mirjam Rosentreter: Und du organisierst die Touren von Jan Philipp mit.

Leah Zymny: Ja, genau. Also, ich bin Teil eines vierköpfigen Tourteams quasi. Also, wir teilen uns die Termine unter vier Personen auf. Ich bin nicht nur mit Jan Philipp auf Tour. Ich bin auch noch mit dem „Lumpenpack“ auf Tour. Und hab auch noch einen Bürojob. Den ich auch noch nebenher mache. Aber meistens bin ich eigentlich mit Jan Philipp bei den Terminen in NRW mit dabei. Und weniger außerhalb NRWs. Aber das ist dieses Jahr dann auch ein bisschen anders. Da werde ich dann auch eben längere Touren weiter weg mitmachen.

0:09:13

Mirjam Rosentreter: Du hast bei unserem kurzen Telefonat als Vorgespräch, hast du mich gefragt: „Ist das in Ordnung, wenn meine Schwester mitkommt? Die begleitet mich gerade auf der Tour.“ Und ich habe begeistert gesagt: Ja!

Jan Philipp Zymny: Jetzt hast duden Salat!

(beide Geschwister lachen)

Mirjam Rosentreter: Jetzt kommen wir, jetzt kommen wir völlig durcheinander. Ich hoffe, wir können uns trotzdem fokussieren. Denn das Tolle daran ist ja, dass ihr beide zusammen auch einen Podcast macht. Und den habe ich mir natürlich angehört. Der hieß erst „Tour de Skurril“. Und mittlerweile heißt er „Zufällig verwandt“. Also, ihr beide habt das ab 2020 gemacht. Das Jahr 2020 war insgesamt für dich eine Zäsur.

Jan Philipp Zymny: (schmunzelt) Ja.

Leah Zymny: (lacht)Ziemlich.

Mirjam Rosentreter: Du strahlst. Also, es war eine gute Zäsur?

Jan Philipp Zymny: Ja, auf jeden Fall! Also, das Jahr 2019 war wahrscheinlich so mit das dunkelste Jahr meines Lebens. Beruflich lief es ganz gut. Aber alles andere lief gar nicht gut. Und 2020 war dann ein Riesenumbruch. 2020 – klar: Nicht nur Corona. Sondern halt auch vor allem meine Autismus-Diagnose. Im Sommer 2020 war das. Und das war ja, hat ja da nicht… Ich bin ja nicht in der LWL-Klinik in Dortmund aufgeploppt. Und dann haben die mich angeguckt und gesag: Stempel auf die Stirn „Autismus“. Das ist ja voll der lange Prozess.

Und danach konnte ich dann aber halt anfangen, mich um mich zu kümmern. Und mich um meine Psyche zu kümmern. Und mich so ein bisschen um mein Leben und wie ich das gestalten möchte zu kümmern. Weil, davor war nur immer… Irgendwas war falsch. Und lief schief. Und ich wusste aber nicht was. Und da hatte ich dann auf einmal so ein bisschen den Schlüssel zu mir selber. Und konnte mich endlich dann daran machen, mit mir umzugehen. Und das sinnvoller zu gestalten. Und – schwieriger Gedanke jetzt als nächstes, aber: Deswegen bin ich auch ein ganz klein bisschen… Nur für mich persönlich, jetzt alles andere mal außen vor gelassen. Aber, nur für mich persönlich ein ganz klein bisschen dankbar auch für Corona. Weil, ich glaube nicht, dass ich sonst in einem anderen Szenario so über drei Jahre hinweg die Zeit gehabt hätte. Mich so intensiv mit mir auseinanderzusetzen. Und mir die Zeit dafür zu nehmen, mich um meine Diagnosen und um mich selber und um Therapie und so weiter zu kümmern. Das wäre in der Form nicht möglich gewesen. Das soll jetzt nicht Corona schönreden. Ich werde versuchen, das differenziert zu betrachten.

Ich glaube, wenn da der normale Tourbetrieb weitergegangen wäre, wäre ich jetzt nicht so weit, wie ich es jetzt bin.

Mirjam Rosentreter: Marco, das haben uns schon einige Leute erzählt. Und hast du auch immer wieder berichtet. Dass für viele autistische Menschen die Corona-Zeit eigentlich auch ihre sehr angenehmen Seiten hatte.

0:12:26

Marco Tiede: Ja, auch. Ich habe aber auch gegenteilige Stimmen gehört. Für die die Corona-Zeit einfach der Entzug aller vorhandenen Routinen war. Und deswegen eben auch umso schwerer war. Klar, gab es eben auch die, die gesagt haben: Endlich mal Ruhe. Endlich mal für mich sein und keiner geht mir auf den Nerv.

Mirjam Rosentreter: Leah, habt ihr da zusammengewohnt, in der Zeit noch?

Leah Zymny: Äh, da gerade nicht mehr.

Mirjam Rosentreter: Shit, sonst wärt ihr ja quasi… Wie nannte man das noch? Erste… Erste…

Marco Tiede: Infektionsgemeinschaft? (Lachen)

Mirjam Rosentreter: Aber es gab ja so eine Regel: Nur mit den engen Familien. Und darüber hinaus nur zwei weitere Kontakte. Oder wie war nochmal die Regel? Aber, du hast das trotzdem eng miterlebt, diese Phase? Wo die Diagnose dann schwarz auf weiß kam?

0:13:14

Leah Zymny: Na klar!

Jan Philipp Zymny: Du warst ja auch Teil des diagnostischen Prozesses.

Leah Zymny: Ja, genau. Also, ich war bei dem Diagnose-Gespräch quasi. Kann man es nennen. War ich dabei. Und wir haben da quasi gerade nicht mehr zusammen gewohnt. Aber, wir waren trotzdem noch Nachbarn.

Jan Philipp Zymny: Ja, du bist eine Straße weiter.

Leah Zymny: EineStraße weitergezogen, ja.

Jan Philipp Zymny: Mit unserem besten Freund zusammengezogen.

Leah Zymny: Genau. Da in eine WG. Und ich erinnere mich noch sehr, sehr, sehr genau. Dass, als Jan Philipp um die Ecke kam und gesagt hat: „Ich glaube irgendwie, keine Ahnung, können wir mal so einen Test machen?“ Und dann haben wir so einen aus dem Internet. So einen sehr ausführlichen Autismus-Diagnosetest.

Marco Tiede: Baron Cohen oder welchen Test?

Leah Zymny: Das weiß ich gar nicht mehr.

Marco Tiede: Von Baron Cohen. Diesen Autismus-Quotienten und Systematisierungs-Quotienten und emotionalen Quotienten. Das sind so drei Tests. Die dann schon so erste Marker sein können. Wo man merkt: Okay, das könnte man mal vertiefen. Und mal zum Arzt gehen.

Jan Philipp Zymny: Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, welcher das war. Es ist jetzt auch schon einige Jahre her. Aber die, die du aufgezählt hast, hab ich auf jeden Fall auch in der Diagnostik alle gemacht. Sollen wir das vielleicht kurz auffächern an der Stelle? So wie das so passiert ist, meine Diagnostik?

0:14:26

Mirjam Rosentreter: Ja, mach das.

Jan Philipp Zymny: Ich habe im Prinzip zweimal die Diagnostik durchgemacht. Und auch unterschiedliche Formen.

Ich habe erst in einer psychologischen Praxis in Bochum. Autismo heißt die. Die halt speziell auf autistische Menschen spezialisiert ist. Und ich weiß gar nicht, wie der heißt. Die haben aber da auch diesen Test gemacht, wo man so: Hier ist so ein Wimmelbild von so einem Urlaubsressort. Und beschreiben Sie mal, was auf dem Bild zu sehen ist! Oder ziehen sie mal aus diesem Beutel drei Gegenstände und erzählen Sie mir eine Geschichte damit. Und da gab es dann auch noch so ein dreistündiges Gespräch mit meinen Eltern. Und diverse Fragebögen, die ich ausfüllen musste.

Und dann habe ich im Prinzip danach die Diagnostik nochmal gemacht. An der LWL-Klinik in Dortmund. Die haben da eine Autismus-Ambulanz. Und da gab es dann nochmal andere Fragebögen. Und nochmal so Kurztests zur biologischen und verbalen Intelligenz. Und da gab es halt auch noch so ein halbstündiges Gespräch mit einem Facharzt. Wo die im Vorfeld gesagt haben: Bringen Sie jemanden dafür mit, der sie besonders gut kennt. Bringen Sie am besten die Person mit, die sie am besten kennt. Und da dachte ich: Also, das ist keine Frage. Das ist eindeutig meine Schwester!

Und, äh, das Lustige war, wir haben da gesessen im Wartezimmer.

Leah Zymny: Mhm.

Jan Philipp Zymny: Und dann du so: „Ich muss mal grade aufs Klo.“ In dem Moment, als du auf dem Klo warst, geht die Tür auf und dieser Facharzt kommt raus und sagt: „Herr Zymny?“ Und ich so: „Ja.“ Und total Reh im Scheinwerferlicht. (Leah lacht) Große Augen und so. „Ja, dann kommen Sie mal rein.“ Und ich so: „Meine Schwester ist noch auf dem Klo.“ – „Muss die dabei sein?“

Und dann war ich schon schachmatt gesetzt. Weil, du kannst mir nicht im Vorfeld sagen: Bringen Sie jemanden mit. Und dann, wenn ich die Person mitbringe, dann willkürlich sagen: Muss sie denn dabei sein? Das sind für mich schon widersprüchliche Informationen. Und was dann bei mir passiert. Das hat wahrscheinlich sehr viel mit Autismus zu tun. In dem Moment, weil, ich nehm ja… Also, der Facharzt ist ja Teil von diesem Ganzen. Das heißt, die Information, die vorher von dieser Ambulanz zu mir kommt. Da geh ich natürlich davon aus, dass der Facharzt das weiß. Der hat ja den Ablauf da tausendmal… Der wird ja auch gesagt haben: Hey, wir müssen da jemanden dabeihaben, der die Person kennt. Wir brauchen da noch einen anderen Menschen. Das heißt, das kann für den keine neue Information sein! Dass ich hier jemanden mitgebracht habe. Und wenn der dann aber sagt: „Muss die Person dabei sein?“ Widerspricht der sich schon. Und in dem Moment ist für mich alles möglich!

Weil, jetzt ist ja nicht mehr von dem zu erwarten, dass er sich stringent und logisch verhält. Das heißt, es kann jetzt ganz viel ungutes Zeug passieren. Und dann bin ich furchtbar nervös geworden. Und war so: „Ja, ähm“ War schon halt komplett: „Ähm, also“ Komplett überfordert mit der sozialen Situation. Und, ähm, war dann so: „Ja, aber Sie haben doch gesagt, ich soll die mitnehmen!“ – „Ja, soll die dabei sein oder nicht?“ Ich so: „Ja, dann soll die dabei sein.“

Leah Zymny: Da war aber auch schon Panik.

Jan Philipp Zymny: Dann haben wir halt gewartet, bis du wieder kamst.

Leah Zymny: Und dann hat er ja auch so viele Fragen an mich gestellt! Also, es hat ja wirklich vorne und hinten keinen Sinn ergeben. Dass er da so: „Äh, muss die dabei sein?“ Und dann wollte er aber sehr viel von mir wissen. Also, ähm, über alles Mögliche, was Jan Philipp anging. Und dann hab ich auch…  Also, hab ich auch am Ende gedacht: Der war einfach… Also, wahrscheinlich musste er das irgendwie sein. Aus irgendwelchen Gründen. Aber, ich bin da rausgekommen und hab gesagt: „Boah, ist der kacke!“ Wirklich!

Jan Philipp Zymny: Tatsächlich war das für mich so eine sozial so schwierige Situation. Dass ich auch überhaupt nicht masken konnte in dem Moment. Der hat von Anfang an, von Sekunde eins meine Knöpfe so sehr gedrückt. Dass ich gar nicht masken konnte! Ich konnte dann überhaupt keinen Augenkontakt mehr aufbauen. Ich habe auch so ein bisschen so angefangen, so vor und zurück zu wippen. Und so „Manierismen“. Das war alles…

Mirjam Rosentreter: So an den Fingern spielen, meinst du?

Jan Philipp Zymny: Ja, bei mir sind es häufig die Ellenbogen.

Leah Zymny: Ja, genau, du hast immer so an deinem Arm gerieben. Genau so.

Mirjam Rosentreter: Und du kneifst die Haut, ja.

Jan Philipp Zymny: Das Lustige ist. So in der Fachliteratur wird das dann so als „Manierismus“, also als überflüssige, nicht zielgerichtete Handlung hingestellt. Das ist Self-Soothing Behavior! Das ist dasselbe, als wenn man sich selber streichelt, um sich zu beruhigen.

Mirjam Rosentreter: Dein Wort dafür?

Marco Tiede: Stimming. Also, das ist ja das, was ich auch auf sämtlichen Fortbildungen, die ich gebe, erstmal ziemlich weit voranstelle. Und ich sage: Leute, dieses sogenannte „stereotype, repetitive“ Verhalten ist überlebensnotwendig! Also, Gee Vero, eine Künstlerin, die auch im Spektrum ist und auch autistische Kinder hat, die hat das mal genannt: Das Stimming ist mein Rollstuhl. Und ohne geht nicht.

Mirjam Rosentreter: Eine Form der Selbstregulation.

Jan Philipp Zymny: Ja, man gibt sich selber einen vertrauten, regelmäßigen Impuls. Also, eine vertraute, regelmäßige sensorische Erfahrung. Und das hilft halt einfach, dein Nervensystem zu beruhigen. So. Das ist nicht… Also, das ist weit von überflüssig entfernt eigentlich. Und auf der einen Seite ist es natürlich gut, dass der das geschafft hat, sofort all meine… Ne, mich in eine Situation zu bringen, wo ich nicht mehr maskieren konnte. Und er mich quasi im Full-Autism-Mode sozusagen beobachten konnte. Das hilft ihm natürlich auch, seine Diagnose zu stellen. Aber mittlerweile frage ich mich, ob man das nicht auch sanfter mit den Leuten machen kann.

Ich hab an dem Tag sehr schmerzhaft den Unterschied zwischen Psychologe und Psychiater gelernt. So, halt: Psychologen, die achten so ein bisschen darauf, wie es dir geht. Und ein Psychiater ist ein Arzt. Der will eine Diagnose stellen. Das heißt, der baut dich im Zweifelsfall auseinander. Und dann kannst du zu Hause gucken, wie du emotional damit klar kommst.

0:20:25

Mirjam Rosentreter: Der hat ja noch einen anderen Knaller zu dir gesagt. Den man auch im Internet findet. Weil du ihn in dein letztes Programm mit übernommen hast. Er meinte ja auch: „Comedian und Autist? Das geht nicht!“

Jan Philipp Zymny: Ähm, ja, also, äh, im Sinne der Wahrheit: Ich weiß gar nicht mehr, ob der es exakt so gesagt hat. Wie ich das da in dem, in dem Clip sage. Ähm, es geht eher so um, das Gefühl, was in dem Moment passiert ist. Weil, der hat sich… Der hatte schon sehr doll die Vorstellung, dass das nicht zusammenpasst. Vor allem weil, A: Einmal, weil man vor fremden Menschen sprechen muss. Und B: Weil man ja auch, improvisieren muss, spontan reagieren muss. Und das können ja autistische Menschen angeblich nicht. Und dann hat er halt ganz viel mit mir darüber gesprochen. Weil er rausfinden wollte, wie ich das denn hinkriege. Augenscheinlich, spontan zu reagieren. Und, ähm, dann hab ich dem natürlich auch so, von so den Sachen wie den Routines und vorbereiteten Sachen erzählt.

Und was er tatsächlich gesagt hat, war: „Ah, jetzt versteh ich auch, wie Sie das machen! Sie reagieren gar nicht spontan. Sondern Sie sind vorbereitet und spielen dann die Sachen ab.“ Und das stimmt zu einem gewissen Punkt. Das machen aber alle Comedians, jemals! Und der Umstand, dass autistische Menschen im Rahmen ihres Spezialinteresses… Oder in Situationen, wo sie sich wohlfühlen, auch außerhalb vom Spezialinteresse… Durchaus spontan und witzig sein können. Das ist halt so noch nicht zu den Leuten vorgedrungen, irgendwie. So.

Marco Tiede: Ja, natürlich können sie spontan sein! Und natürlich können sie auch ironisch sein. Also, das ist mir auch nochmal in deinen Büchern aufgefallen an manchen Stellen. Zu dieser Geschichte mit dem Arzt und der Kommunikation, die nicht stimmig war: Also so ein Kommunikationsbruch, so ein Logikbruch, den du da sehr klar aufgliederst. Das ist ja das, was bei vielen Leuten im Spektrum, die ich auch in Therapie erlebe, tagtäglich passiert.

0:22:22

Jan Philipp Zymny: Es gab mein Leben lang ganz viele Anzeichen. Also, es gab… Als ich ein kleiner Junge war auch schon. Auch in dem klassischen Alter, wo das theoretisch anfängt aufzufallen. So drei, vier Jahre. Gibt natürlich viele, viele Leute, die deutlich später diagnostiziert werden. Aber da gab es bei mir auch fast schon, also die fast schon „stereotyp-autistisch“ sind, Verhaltensweisen.

Ich hatte einen ganz ausgeprägten Zehenspitzengang, Den meine Mutter auch nicht aus mir rausbekam. Und den ich auch teilweise heute noch habe. Weswegen ich eine ganz krasse Wadenmuskulatur habe. (Lachen)

Ähm, und, ähm, was noch? Ich konnte überhaupt nicht auf andere Kinder zugehen. Ich musste immer zum Spielen eingeladen werden. Also, ähm, es ist dann so… Das war auch so in einem Diagnosegespräch mit meinen Eltern so. Das haben die dann so erzählt. Dass ich dann auch auf dem Spielplatz so am Rand stand. Und erst, wenn die anderen Kinder gesagt haben: „Hey, komm, willst du nicht mit uns spielen?“ Erst dann konnte ich mitmachen. Aber von mir selber bin ich nicht auf die Leute zugegangen. Und, ähm, auch so, ähm…

Leah Zymny: So sensorische Sachen.

Jan Philipp Zymny: Sensorische Sachen.

Leah Zymny: Pullover, die du nicht tragen wolltest. Weil irgendwas dran gebimselt hat. Oder die gekratzt haben.

0:23:40

Jan Philipp Zymny: Die mich wahnsinnig gemacht haben!

Leah Zymny: Ja, genau. (lacht)

Jan Philipp Zymny: Und das waren häufig die Pullover, die sonntags zum Kirchgang angezogen werden.

Leah Zymny: (lachend) Ja, stimmt.

Marco Tiede: Wahrscheinlich die mit ganz komischen Fasern drin. Die dann auch so ganz eklig auf der Haut sind, oder?

Jan Philipp Zymny: Also ja, ja. Also der schlimmste Pullover. (beide Geschwister lachen) Der schlimmste Pullover, den es gab, war auch einer für den sonntäglichen Kirchgang. Das Material war schon an sich Kacke. Das war so eine ganz eklige Mischung. Der fühlte sich an wie Bauschaum. Als würdest du so einen Pullover aus Bauschaum tragen. (Lachen) Ich hatte auch das Gefühl, der klebte. In meiner Vorstellung klebte der. Der klebte nicht wirklich. Aber, das ist halt dann so Reizüberflutung. Das äußert sich dann manchmal so, ne? Manche sagen so: „Ey, die Farbe tut mir in den Zähnen weh!“ Hab ich, ich hab schon autistische Menschen gehört, die sowas gesagt haben. Also, da geht dann, werden die Sachen manchmal komisch miteinander verknüpft. Dann war das ein Rollkragenpullover.

Mirjam Rosentreter: Oh nein!

Jan Philipp Zymny: Das heißt, ich hatte die ganze Zeit Gefühle, als ob mich so eine sehr schwache Person erwürgt. (Lachen) Die das einfach nicht hinkriegt. Ähm, dann war der so ähnlich wie Cord, der so Rille-Ralle. Der hatte so Rille-Ralle.

(Leah Zymny lacht)

Leah Zymny: Rille-Ralle!?!

Jan Philipp Zymny: Wo ich dann den ganzen Tag. Wo ich dann in der Kirche die ganze Zeit da sitzen muss. Und so Rille-Ralle, Rille-Ralle, da immer da dran rumspielen muss.

Mirjam Rosentreter: (Lachend) Das war ja gleichzeitig aber wieder eine Chance, mit dem Pullover irgendwie fertig zu werden.

Marco Tiede: Stimming-Tool so.

Jan Philipp Zymny: Ja, da hatte ich aber das Gefühl, dass der Pullover mich dazu zwingt, das zu machen. (alle lachen) Und die Krönung, der der krönende Abschluss des Ganzen war: Der hatte einen Reißverschluss! Reißverschlüsse sind an sich schon schwierig, aber der hatte einen Reißverschluss diesen Rollkragen hoch. Und du hattest das Ende von dem Reißverschluss, das bimmelte immer unter deinem Kinn. Und ich hab, ich wär… überhaupt nicht. Ich hab nicht eine Botschaft verstanden, die Jesus für mich hatte.

(alle lachen) Ich war viel zu sehr mit dem Pullover beschäftigt.

Marco Tiede: Bist du denn letztlich auch abtrünnig geworden, oder kannst du jetzt, ich weiß nicht, obwohl..

Jan Philipp Zymny: Als ich aus dem Pullover rausgewachsen bin, hab ich dann zuhören können. Und dann gemerkt: Das ist nix für mich. (Lachen)

Marco Tiede: Gut, dass du das noch feststellen konntest. (lacht)

Jan Philipp Zymny: Nee, aber da gab’s so ein paar „stereotype“, fast schon „stereotype“, Verhaltensweisen. Und, ähm, äh, auch Probleme mit meiner Grundschullehrerin. Missverständnisse. Und mir wurden Sachen deutlich schlimmer ausgelegt, als ich sie jemals gemeint hatte.

Und dann, als ich so in der Unterstufe, Mittelstufe war, gab’s bei uns in der Familie so den Running-Gag. Mein Papa hat mich seinen „kleinen Sozial-Autisten“ genannt. Was natürlich doppelt gemoppelt ist. Mhm. Ähm, und, ähm, was halt auch so ein Hinweis darauf ist, dass es da bei uns in der Familie so ein bisschen an Psycho-Edukation gemangelt hat. So, ähm… Und was dann natürlich auch erklärt, warum ich erst so spät diagnostiziert worden bin. Ähm…

Mirjam Rosentreter: Du hast…  Entschuldigung, führe noch den Gedanken zu Ende.

Jan Philipp Zymny: Im Prinzip war ich fertig.

Mirjam Rosentreter: Okay. Du hast in einem Interview mit dem Autismus-Magazin, mit Karena Beissert, die selbst auch im Spektrum ist…

0:26:54

Jan Philipp Zymny: Ja, und voll cool! Liebe Grüße an der Stelle.

Mirjam Rosentreter: Gehen raus.Wir haben da demnächst auch einen Artikel drin. In der März-Ausgabe, Marco und ich. Kleiner Werbeblog.

Ihr habt das so auseinanderklamüsert, was deine Eltern richtig gemacht haben. Und was vielleicht auch nicht so ganz richtig. Da meintest du: Einerseits haben sie dir vermittelt, dass sie stolz auf dich sind. Kannst dich stundenlang konzentrieren, war so ein Punkt. Und gleichzeitig hat das der späteren ADHS-Diagnose irgendwie widersprochen.

Jan Philipp Zymny: In der Vorstellung meiner Eltern wohlgemerkt.

Mirjam Rosentreter: Ja, also okay.

Jan Philipp Zymny: Das Ding war so. Es gab halt auch deutliche Anzeichen dafür, dass ich ADHS haben könnte. Da hatten sogar meine Eltern die Vermutung, dass das sein könnte. Ähm, weil sie davon auch schon mal mehr was mitbekommen hatten. Und, ähm, das haben sie dann aber ausgeschlossen. Beziehungsweise nicht weiterverfolgt. Weil ich mich ja auch stundenlang auf eine Sache konzentrieren konnte. Die wussten halt nicht, was Hyperfokus ist.

Da mangelt es so ein bisschen an Psycho-Edukation. Ich, ähm… Wenn ich versuche, so aus heutiger Perspektive da so ein bisschen wertfrei und realistisch draufzugucken. Ich würde sagen, die haben ihr Bestes getan. Mit den Möglichkeiten, die sie hatten. So. Und, ähm, die nachträglich dafür in die Pfanne zu hauen. Dass die ein Wissen nicht hatten. Bringt niemandem was. Das bringt, macht mein Leben nicht besser. Das macht das nicht ungeschehen. Und das macht deren Leben auch nicht besser. So. Ähm, das ist schade. Aber zum Glück sind wir jetzt in einer anderen Position. Und können anders damit umgehen. So. Und was man auch vergisst, häufig… Nicht nur in dem ganzen Neurodivergenz-Zusammenhang. Sondern im generellen Eltern-Kind-Zusammenhang… Meiner unqualifizierten Meinung nach: Eltern haben auch ihre eigenen Probleme! Die haben auch noch ihr eigenes Leben. Was parallel zu den Kindern. Die ja aus rein wie die Wirklichkeit funktioniert und aus rein biologischen Sachen super abhängig von denen sind. Das heißt, die müssen 100 Prozent Verantwortung übernehmen. Für halt ein Wesen, das so super von ihnen abhängig ist. Und gleichzeitig ist da aber auch noch deren eigenes Leben. Das heißt, die führen quasi zwei Leben auf einmal. Das ist nicht einfach. So. Und natürlich ist es total berechtigt, auch sauer zu sein. Und sich zu ärgern über Sachen, die schiefgelaufen sind. Ähm, die wären aber nicht nachträglich richtig gelaufen, wenn ich jetzt meine Eltern verprügele. (beide Geschwister lachen)

Mirjam Rosentreter: Trotzdem. Vielleicht, um den Punkt abzuschließen: Du hast da in dem Gespräch gemeint, dass du dir gleichzeitig mehr Verständnis für deine Probleme gewünscht hättest. Und mehr Struktur und mehr Führung. Quasi mehr Druck so in eine bestimmte Richtung, die dir guttut.

0:29:45

Jan Philipp Zymny: Ja, ja klar. Du kennst ja als kleiner Knirps sowohl dich als auch die Welt um dich herum nicht. Das heißt, da wünscht man sich… Also, auch unabhängig, wie gesagt, von Neurodivergenz… Eine elterliche Hand, die sagt: „Komm, wir gehen da hin. Und schauen mal, wie es uns dann geht, wenn wir da sind.“

Ich bin aber… Ah, das ist auch ein bisschen schwierig. Ich bin aber schnell gut darin geworden, mir nichts anmerken zu lassen. Das muss man halt auch dazu sagen. Das ist halt auch Teil der Wirklichkeit. Und dann werden halt die Chancen von den Eltern auch schmaler. (Leah lacht) Wenn ich mir dann Mühe gebe, alle meine Probleme zu verstecken. Auch von mir selber wohlgemerkt. Dann haben die halt auch weniger Chancen, sich darum zu kümmern. Also, ist schwierig, schwierig das einzuordnen.

Mirjam Rosentreter: Und du hattest deine kleine Schwester. Die hat dich an die Hand genommen.

Leah und Jan Philipp Zymny: (gleichzeitig)Ja, schon.

Jan Philipp Zymny: Und auch viel den Scherbenhaufen hinterher zusammengekehrt.

Leah Zymny: Genau! Viel den Scherbenhaufen hinterhergekehrt. Aber, ich musste gerade so dran denken… Also, klar habe ich viel in deinem Leben unterstützt. Und das war ja auch so in dem Gespräch mit dem Psychiater. War der so: „Aber Sie haben doch Abitur gemacht. Und Sie haben doch studiert. Sie haben doch jetzt einen Beruf. Und Sie leben in einer Wohnung. Und so, wie kann das denn sein?“ So nach dem Motto. Und ich saß so daneben, war so: „Ja, hallo? Ich habe das gemacht! So. Ich habe mich irgendwie gekümmert, mit Vermietern gesprochen, einkaufen gewesen. Und so weiter…

Jan Philipp Zymny: Rechnungen bezahlt.

Leah Zymny: Rechnungen bezahlt.

Jan Philipp Zymny: Briefe geöffnet.

Leah Zymny: Genau, geguckt, wie es dir geht. Hast du was gegessen und so. Ähm .. Also, da hab ich ja, ähm… Ja, einfach sehr viel… Ne, wie ich am Anfang den Witz gemacht hab: Ich hätte gerne auf die Tafel Integrationskraft geschrieben, Äh, Inklusionskraft, Entschuldigung. Weil das ja auch so ein bisschen mein Job gewesen ist. Ohne dass ich das aber auch selber wusste. Dass das…

Also, ich kannte das ja auch nicht anders. Für mich war das ja einfach…

Leah und Jan Philipp Zymny: (gleichzeitig)Normal.

Leah Zymny: Ich kannte das nicht anders, ne, irgendwie. Ich hab, glaub ich, mehr als unsere Eltern geblickt, dass Jan Philipp mit vielen für mich sehr einfachen Dingen sehr große Probleme hat. Und dann halt immer schon gedacht: Na, wenn mir das so leichtfällt. Dann kann ich das ja einfach machen!

Also, ich liebe es, in viel zu großen Einkaufsläden zu gehen! Eine Auswahl zu haben, die wirklich alle Menschen überfordert. Find ich megageil! So, da geh ich richtig drin auf. Je größer der Einkaufsladen, desto besser. Und, ähm, so. Hab aber ja auch mitgekriegt, wenn ich, ähm, mit Jan Philipp einkaufen geh: Und dann sind die Gewürze nicht mehr da, wo sie vorher standen. Dann steht der da zehn Minuten und kommt nicht da weg. Und sagt: „Hier standen die Gewürze.“ Und für mich war das dann… Also, ich hab das natürlich nicht so richtig nachvollziehen können, weil ich so dachte: Ist doch egal! Jetzt stehen sie halt da hinten. So. Aber, ich bin halt natürlich nicht so auf Jan Philipp zugegangen und hab gesagt: Hey, ist doch scheißegal! Jetzt komm doch endlich! Sondern hab mich halt daneben gestellt. Und mit irgendwie geguckt. Und versucht, da irgendwie, ähm, ruhig eine Art und Weise zu finden, das so abzumoderieren. Dass wir dann jetzt wirklich zu den Gewürzen gehen können.

Ähm, war aber eher so eine, ja, so eine intuitive Sache. Dass ich so dachte: Okay, ich kenn Jan Philipp einfach irgendwie am besten. Und kann ihm halt bei den Dingen, die ihm schwerfallen, helfen. Weswegen das ja dann auch weiterhin so lange nicht aufgefallen ist. Also irgendwie, dann bist du Ende 20 gewesen bist, gebraucht hat. Wo wir dann nicht mehr in einer WG gewohnt haben. Ähm, und dann irgendwie war, war das Problem viel größer. Aber, ich muss sagen: Als wir grade so da über die Kindheit und was es da so für Anzeichen gab… Ähm.

Da hab ich mir auch viel abgeguckt! Also, Jan Philipp hatte ein ganz, ganz großes Problem damit, ähm, wenn er gefragt hat: Warum ist das jetzt so? Egal bei was. Und unsere Eltern dann gesagt haben: „Wir diskutieren jetzt nicht. Weil ich das sage!“ So, ne? Und das ist Jan Philipp total schwergefallen. Weil da halt dann einfach irgendwie so: „Häh? Aber warum? Das ergibt gar keinen Sinn!“ So, und mir war der Sinn total egal. Aber ich wusste… Also, ich hab mir da so abgeguckt, Sachen nicht einfach auf sich sitzen zu lassen. Also das sind natürlich zwei völlig unterschiedliche Dinge. Für dich musste das Sinn ergeben. Für mich war das so: Ich lass das nicht mit mir machen! Warum sagt mir jemand: Ja, das ist jetzt so. Auf gar keinen Fall! Ich hab hier auch ein Recht! Und ich wehr mich jetzt. Und so.

0:34:23

Jan Philipp Zymny: Oh, das war mir gar nicht so klar! Dass du da diese Lektion für dich rausziehen konntest. Das finde ich voll schön!

Leah Zymny: Weil ich ja nicht wusste, was dein Sinn dahinter ist. Und dachte, der lässt gar nichts auf sich sitzen. Das ist so toll.

Jan Philipp Zymny: Unddu hast dann den Sinn darin gefunden, der für dich Sinn ergab.

Leah Zymny: Genau.Für mich selber einzustehen.

Jan Philipp Zymny: Ah, wie geil!

Leah Zymny: Da soRechte einzufordern.

Jan Philipp Zymny: Das ist megaschön.

Marco Tiede: Und beide habt ihr Selbstfürsorge füreinander betrieben.

Leah Zymny: Ja, total.

Marco Tiede: Also du für dich, weil du das nicht auf dir sitzen hast, und du, weil es für dich einen logischen Sinn ergeben musste. Beides ist selbstfürsorglich. Und zu dieser Intuition merke ich… Begegnet mir auch immer wieder. Wenn ich zu diversen Beratungen – ich bin viel im Schulkontext unterwegs – gerufen werde. Da gibt es auch immer mal wieder Kolleginnen, die auch sehr nah an den Kindern sind. Und sehr viel intuitiv richtig machen. Und dann immer mit sehr viel Respekt denken, weil dann irgend so ein Typ wie ich kommt. Der dann da von anderen als Experte benannt wird. Und ich sage: „Ey, ich bin kein Experte! Ich kenne ein paar Leute und habe ein paar Dinge mitbekommen. Es geht mir um Austausch. Und ich stelle nur fest: Du machst hier intuitiv vieles richtig. Und das ist gut, was du hier machst. Und da musst du nicht tausend Bücher gelesen haben. Habe ich auch nicht. Sondern dich deiner vergewissern. Dass du es richtig machst.“ Das nur nochmal kurz zur Intuition.

Aber schön, dass ihr da auch nochmal feststellt, dass ihr beide quasi eure Selbstfürsorge für euch entdeckt habt.

0:35:46

Jan Philipp Zymny: Ja, und wie man jetzt gerade in dem merkt: Wir sind halt eine Bereicherung füreinander. Teilweise auf einem Level, was uns gar nicht klar ist. Oder zumindest was mir häufig gar nicht so klar ist. Ich will nichts darüber sagen, was… Ich will nicht davon reden, was dir klar ist. Und was nicht. Aber dass wir halt – ja, vielleicht auch auf einem intuitiven Level – wir eine Bereicherung füreinander sind.

Und ich glaube, der ganz wichtige Punkt dabei… Und weswegen ich auch, also das ist jetzt nur so meine Vermutung. Weswegen ich auch glaube, dass dir manchmal dann so LehrerInnen begegnen, die da intuitiv viel richtig machen: Wir akzeptieren uns gegenseitig. Wir gehen nicht mit irgendwelchen Vorstellungen, du hast so und so zu sein. Sondern, wir gehen miteinander um. Du bist so, wie du bist. Und ich versuche, ich bin neugierig und versuche, dich nachzuvollziehen. Und dich zu unterstützen.

Und ich weiß auch, ich bin mir halt bei meiner Schwester so sicher: Wenn die irgendwas macht, was bei mir was Negatives auslöst, das hat in den seltensten Fällen was mit mir zu tun. Das ist… Häufig ist das was ganz, was… Da steht überhaupt keine böse Absicht dahinter. Das ist häufig überhaupt nicht persönlich gemeint. Sondern, das hat häufig viel eher was mit ihr zu tun. Und das fällt mir, weil ich halt sie so gut kenne, bei ihr furchtbar leicht. Aber es ist natürlich was, womit alle Menschen, unabhängig vom Neurotyp, mit struggeln. Die Dinge nicht persönlich zu nehmen. Und gerade bei Schulkindern finde ich das so kurios. Dass es erwachsene Menschen gibt, die in diesem Beruf arbeiten. Die denken dann, irgendwas, was die Kids machen, ist persönlich.

Marco Tiede: So wie du gestern in der Show sagtest: Ich als Sechsjähriger habe die Autorität meiner Lehrerin untergraben.

0:37:31

Jan Philipp Zymny: Meine Lehrerin hat echt angenommen, ich würde ihre Autorität untergraben! Ich wollte sie bloßstellen! Das hat die gedacht!

Trennergeräusch

Comedy-Ausschnitt (aus Jan Philipp Zymnys Auftritt mit dem Programm „Illegale Straßentherapie“ am 17. Januar 2026 im Kulturbahnhof in Bremen, freundlicherweise vom Autor selbst ALS Take zur Verfügung gestellt)

Jan Philipp Zymny: Ich glaube, meine Grundschullehrerin konnte mich nicht leiden. Weil, wir haben uns oft gestritten. (Gelächter) Wessen Schuld ist das? (Gelächter) Wessen Schuld ist das, wenn du Streit hast mit nem Sechsjährigen? (Gelächter) Ein Thema, über das wir ernsthaft diskutiert haben, war die Aussprache von Konsonanten. Weil, sie wollte uns weismachen, dass es Lll, Mmm und Nnn ausgesprochen wird. Und ich hatte aber Spitz gekriegt, dass alle Erwachsenen L, M und N sagen, wie normale, vernünftige Menschen. (Gelächter) Und dann habe ich gefragt im Unterricht: „Hey, warum lernen wir das anders als wie die Erwachsenen das machen?“ Und dann meinte meine Lehrerin: „Damit du das beim Schreiben nicht verwechselst. Damit du nicht E-L statt nur ein Lll schreibst.“ Dann habe ich gesagt: „Das mache ich ja gar nicht!“ Dann meinte sie: „Weil wir das so lernen. Als Lll und Mmm und Nnn.“ Und dann habe ich gesagt: „Das ist ein Zirkelschluss.“ Und… (Gelächter, Zymny lacht selbst auch). Und sie meinte: „Wie bitte?!?!“ (Gelächter) Und ich habe gesagt: „Äh, Pokémon!“ (Gelächter)  Mein Lieblings-Pokémon heißt Zirkelschluss.

Und dann ist mir schon damals aufgefallen: Dass das bedeutet, dass wir das ja quasi einmal falsch lernen. Um das danach nochmal zu lernen, und dann richtig. Beziehungsweise so, wie es zumindest gebräuchlich ist allgemein. Und ich fand das ineffizient. Ich finde das heute immer noch ineffizient. Ich habe sie dann gefragt, ob wir das nicht einfach direkt so lernen können, wie wir es dann später gebrauchen. Und dann meinte sie: „Jan Philipp, du bist frech und vorlaut. Bitte bleib nach dem Unterricht noch kurz da.“ Und das ging dann vier Jahre lang so! (Gelächter)

Trennergeräusch

0:39:12

Jan Philipp Zymny: Wie halbgar ist das denn? Also, ich meine: Was für ein unreifer Mensch muss man sein. Dass man denkt, ein zufälliger Sechsjähriger in der Schule, der gar keinen Bezug hat zu ihr als Person. Ich kannte sie ja nur als Funktion, als Lehrerin, so. Ich kannte sie überhaupt nicht persönlich. Aber ich hatte das Interesse daran, sie bloßzustellen? Nee!

Das Ding ist: Ich, wie viele andere autistische Menschen auch, ich denke in Verknüpfungen. Ich habe so ein Spinnennetz im Kopf. Und ich kann mir Sachen besser merken, wenn ich die einordnen kann in dieses Spinnennetz. Das heißt, wenn wir Bezug auf andere Sachen nehmen. Wenn es zum Beispiel eine logische Verknüpfung gibt: Wir lernen das. Und das aus den und den Gründen. Weil wir da und da hinwollen. Fällt mir das viel leichter, das einzubauen. Einfach nur einzelne Fakten fallen durch. Fallen halt durch dieses Netz durch. Weil die mit nichts verknüpft sind. Das heißt, wenn ich frage, warum, frage ich… Oder auch als kleines Schulkind habe ich das mit dem Antrieb gefragt: Ich möchte meine Funktion als Schüler hier gut erfüllen. Ich möchte das lernen. Und ich möchte das nachvollziehen. Aber das empfinden die Leute dann halt als Hinterfragen. Als Angriff auf ihren Selbstwert teilweise. Zumindest auf ihre Funktion, die sie erfüllen in dem Zusammenhang. Das ist ja absolut kurios.

Mirjam Rosentreter: Das ist ein total interessantes Bild mit dem Spinnnetz. Hast du dir das selber… Also ist das so konkret, dass das dein eigenes Bild ist? Oder hast du da irgendwo von gehört und es für dich übernommen?

Jan Philipp Zymny: Ähm, ich hab, äh… Mir war lange Zeit nicht klar, wie ich denke. Weil es mir schwerfiel, den Schritt in die Metakognition zu machen. Und dann mein Denken zu betrachten und: Ah, okay, so funktionier ich. Ähm, ich hab mich, als ich dann mal mitbekommen hab, dass viele autistische Menschen und auch Leute mit ADHS häufig in Verknüpfungen und Zusammenhängen denken. Konnte ich mich dann damit identifizieren. Und, ähm, das mit dem Spinnennetz ist, eine Metapher. Die, ich weiß gar nicht, wo die herkommt. Vielleicht hab ich mir die, also, die selber ausgedacht. Keine Ahnung. Aber die beschreibt ganz schön… Nicht, wie es in meinem Kopf aussieht und wie sich das darstellt. Sondern, ähm, es ist eine Metapher für halt die Verknüpfungen und Zusammenhänge und so weiter, so. Ähm, das ist eher so in den Raum geworfen einfach, um ehrlich zu sein. (lacht)

Mirjam Rosentreter: Ja, aber hilft, sich das vorzustellen. Gerade weil ich eben sofort bildlich dieses Netz vor Augen habe, das irgendwo befestigt sein muss. Und allerdings auch die Spinne im Zentrum sitzen hat. Das, da habe ich mich dann gefragt: Bist du die? Bist du so eine gutmütige Thekla, die dann da in der Mitte sitzt? (Lachen)

Jan Philipp Zymny: Nee, tatsächlich komme ich selber in, also da drin gar nicht so richtig vor.

Mirjam Rosentreter: Habe ich mir schon gedacht.

Jan Philipp Zymny: Das ist eher: Der Aufbau von irgendwie Fakten oder Faktenteilen in meinem Kopf, ist halt spinnennetzartig. Aber dafür braucht es nicht die Spinne. Also, es ist halt in mir drin. Das ist so, als ob das Spinnennetz in der Spinne drin wäre, das ist es halt.

Mirjam Rosentreter: Und deine Schwester zupft manchmal den richtigen Faden. (Lachen)

Leah Zymny: Ich habe gerade überlegt, wie ich denke. Bei mir ist es, glaube ich, so ein Sack. Und da ist einfach alles drin. Und dann kram ich so nach der Sache, die ich brauche. Und dann werfe ich die so auf dein Spinnennetz. Und dann bleibt die so hängen.

Marco Tiede: Das ist wie Hermines Beutel, Harry Potter, alles drin.

Jan Philipp Zymny: Kurze Frage: Du willst dich an irgendeinen Fakt erinnern. Den du mal in der Schule gelernt hast. Der noch so halb präsent ist. Was passiert dann in deinem Kopf? Wartest du quasi einfach bis der auftaucht? Oder gehst du so ein paar Sachen durch?

Leah Zymny: Nee, ich warte.

Jan Philipp Zymny: Du wartest einfach.

Leah Zymny: Also, ich wühle so in dem Beutel, den ich hab. Wo all mein Wissen drin ist. Und dann gucke ich so: Was kommt als erstes hoch?

Jan Philipp Zymny: Ja, aber die Sachen kommen halt quasi von alleine aus diesem Beutel.

Leah Zymny: Ja, ja, ja.

Jan Philipp Zymny: Und das ist bei mir auch manchmal so. Aber im Regelfall habe ich so Herleitungsketten. Deswegen, ich brauche mich nicht an Sachen erinnern. Ich brauche so ein paar Zusammenhänge und Strukturen. Dann brauche ich mich nicht erinnern. Dann leite ich mir das her.

Leah Zymny: Was auch gefährlich ist, muss man sagen. Also, weil häufig leitet Jan Philipp sich Sachen her, die klingen maximal logisch. Total schlüssig. Und man denkt so: Krass, das weiß der alles! Also, das ist wirklich so, dass man dann so denkt: Der haut jetzt hier so Fakten raus. Dann hört man sich das so an. Fängt an sich das zu merken. Und am Ende sagt er: „Ja, aber keine Ahnung. Hab ich mir jetzt so hergeleitet.“ Und es ist so: Warte mal. Stimmt das jetzt? Oder stimmt das nicht? Meistens stimmt’s sogar. Das ist das Mega-Nervige da dran.

Jan Philipp Zymny: Angenommen – konkretes Beispiel, das ist gerade so sehr abstrakt für meinen Geschmack. Konkretes Beispiel: Ich weiß nicht was… Ich kenne das englische Wort „Memory“ nicht. Und ich weiß aber, dass Englisch halt auch sehr vom Lateinischen geprägt ist. Und ich kenne aus dem Latein-Unterricht die Vokabel „Memoria“. Oder irgendwie sowas. Weiß, was das bedeutet. Und kommen dann, es kann eine mögliche Verknüpfung geben. Weil, das „Memory“ klingt so ähnlich wie das. Und ich weiß ja, das ist voneinander beeinflusst. Dann kann es sein, dass Memory im Englischen eine ähnliche Bedeutung hat wie „Memoria“ oder Memoria… Irgendwas in der Richtung im Lateinischen. Und dann äußere ich meine Vermutung, dass das halt irgendwas mit Erinnerung, Gedächtnis, Andenken, irgendwie sowas in der Richtung zu tun hat. Und dann stimmt das gerade gut genug, dass die Leute alle sagen: Oh wow, was du alles weißt!

Leah Zymny: Ja, wirklich.

0:45:16

Jan Philipp Zymny: Und dann hab ich ja… Ich hab also manchmal Glück. Das Ding ist, ähm… Häufig funktioniert ja unsere… Nicht die Realität, aber unser menschliches Zusammenleben. Und menschlich konstruierte Sachen funktionieren ja nach Strukturen. Und wenn du dann weißt, wie Strukturen funktionieren. Und so ein paar Fakten hast. Die man so in den Kochtopf werfen kann. Dann kann man viel davon rekonstruieren. Ohne das erinnern oder lernen zu müssen. Aber es führt einen auch oft aufs Glatteis. Also, das ist echt so nicht die beste Methode, um damit durch die Welt zu laufen.

Marco Tiede: Ja und das Rekonstruieren, das kostet ja auch wieder Energie. Also Denkenergie. Oder ist das für dich was relativ Müheloses?

Jan Philipp Zymny: Das Ding ist: Dadurch, dass ich schon so lange in diesen Strukturen denke, ist das für mein Gehirn der Weg des geringsten Widerstandes. Man sagt ja immer so, das Gehirn – vielleicht  kannst du mich da aufklären in der Richtung. Man sagt ja immer so: Das Gehirn will Energie sparen. Und das Gehirn macht dann das, was am energiesparendsten ist. Ich glaube aber nicht, dass es in der Biologie oder im Gehirn irgendwelche Sachen, die a priori energiesparend sind, (gibt). Also nicht im groben Zusammenhang denken, ist nicht inhärent energiesparender, als in Verknüpfungen und Details zu denken. Sondern da, wo viele neuronale Verknüpfungen gemacht wurden und wo schnell das Gehirn am scheinbar richtigen Ergebnis ist, das ist dann das, was am wenigsten Energie verbraucht.

Das heißt, diese Art und Weise zu denken funktioniert bei mir sehr schnell. Und braucht wenig Energie. Aber weil ich das schon mein Leben lang so mache. Die andere Art und Weise zu denken, die vielleicht für meine Schwester und viele Menschen da draußen Energie sparen würde, ist für mich furchtbar anstrengend. Und kostet viel Energie. Ich glaube nicht, dass es da inhärent was gibt, was energiesparender ist.

Mirjam Rosentreter: War Lea für dich eine Sparrings-Partnerin, um die andere Denkweise besser zu verstehen?

0:47:16

Jan Philipp Zymny: Auf jeden Fall. Ähm, nicht so sehr über unsere… Erst so in den letzten Jahren. Wo ich, wo mir immer klarer und bewusster wird, dass andere Leute teilweise wirklich ganz anders denken als ich. Früher war ich immer einfach nur perplex und verwirrt und überfordert. Aber gerade in den letzten Jahren ist Lea halt für mich ein leuchtendes Beispiel. Ja.

Mirjam Rosentreter: Und habt ihr denn überhaupt früher auch schon so viel miteinander geredet? Wie ihr das jetzt vor dem Mikrofon und wahrscheinlich daneben auch noch macht?

Leah Zymny: Ja. Also phasenweise. Unterschiedliche…

Jan Philipp Zymny: Als wir klein waren, haben wir uns ganz doll gehasst.

Leah Zymny: Ja, stimmt!Boah, ich fand den doof! (lacht)

Jan Philipp Zymny: Wir fanden uns beide ganz furchtbar. Und dann, als ich so 16, 17 in dem Dreh war…

Leah Zymny: Ich so 14, 15…

Jan Philipp Zymny: Da hat es dann auf einmal Klick gemacht. Also, es ist… Ich weiß gar nicht mehr. Es gab kein auslösendes Ereignis. Aber es war wie von einem Tag auf den anderen. Hatten wir einen unglaublichen Draht zueinander. Und da haben wir dann angefangen, ganz viel zu kommunizieren. Du warst dann auch Teil meines Freundeskreises.

Leah Zymny: Ja, ja.Viel mit Jan Philipps Freunden…

Mirjam Rosentreter: Ihr habt doch dann auch Pen & Paper und sowas gespielt zusammen? Kann das vielleicht was verbinden?

Jan Philipp Zymny: Das war dann später.

Mirjam Rosentreter: Okay. Weißt du denn noch, was der Auslöser war? Warum du deinen Bruder auf einmal mochtest?

0:48:35

Leah Zymny: Ähm, also ich meine, mich zu erinnern, dass… Also, ich hab Jan Philipp immer sehr viel so gepiesackt. Er war immer so das, das „Seelchen“. So wurde er genannt. Und ich wurde „Hexe“ genannt. Weil ich so, ähm, halt wirklich, wirklich gemein war.

Mirjam Rosentreter: Von den Eltern?

Leah Zymny: Ja, genau. Eltern, Oma, Opa, alle. Weil ich halt so… Ich hab mich dann selber gehauen. Und dann so laut. Und dann gerufen: „Mama, Jan-Philipp hat mich gehauen!“ Und Jan-Philipp stand da neben mir und war völlig wehrlos.

Jan Philipp Zymny: Ich hab da immer Ärger bekommen.

Leah Zymny: Oh, genau.

Jan Philipp Zymny: Und versuch das mal einem Erwachsenen begreiflich zu machen! Dass die Realität ist, dass deine Schwester sich selbst gehauen hat. Und dann dich dafür hingestellt hat. Das glaubt dir niemand! Ich kann auch nachvollziehen, dass dir das niemand glaubt. (lacht)

Leah Zymny: Das hat mir… Und Jan Philipp hat ja sehr viel immer, ne: „Reiß dich zusammen!“ Und so. Und das heißt, er durfte natürlich, weil er auch größer war, älter war, sich körperlich nicht wehren, also nicht zuhauen. Verbal war ich aber so frech, dass da häufig auch nicht viel Platz blieb.

Und in meiner Erinnerung gab’s so ein Mal. Da hab ich den Philipp so schlimm geärgert, dass er weinend in sein Zimmer gegangen ist. Und da stand ich vor der Tür und hab gedacht: Jetzt hab ich den zum Weinen gebracht. Wie schlimm bin ich eigentlich? So, und hab dann gedacht: Warum ist das nötig? Also ich hatte so richtig so, dass ich so gemerkt hab: Ich fang an, jetzt nicht mehr als Kind zu denken. So impulsiv und irgendwie so triebgesteuert. Sondern da war so auf einmal so ein Reflexionsgedanke von: Warum mach ich das überhaupt? Und da war für mich so, glaube ich, der Punkt. Ich weiß auch nicht mehr genau, wie alt ich da gewesen bin. Dass ich so dachte: Das ist überhaupt nicht notwendig, den jetzt irgendwie so schlimm zu ärgern. Lass das doch. Einfach mal lassen.

Und dann haben wir ja viel über Geschichten erzählen. Und diesen Austausch über auch so sich Sachen ausdenken. Viel irgendwie im Urlaub dann gemeinsam irgendwie Fantasy-Welten erfunden und so. (Jan Philipp schmunzelt) Genau. So ist das dann irgendwie, auch auf emotionaler Ebene sind wir uns dann irgendwie nähergekommen.

Jan Philipp Zymny: Ja.

Leah Zymny: Ja, zum Glück. Und was mir vorhin noch einfiel, dass wenn wir uns heute, also wenn wir heute so in Diskussionen geraten, dass viel der Auslöser ist, dass Jan-Philip sagt, ja, aber das ist doch total logisch, dass das so und so ist. Und ich dann so denke, hä, was, nein? Wie kommt er drauf, dass das total logisch ist? Für mich ist das ganz anders total logisch. Und haben, glaube ich, darüber auch gelernt, richtig gut zu streiten. Also, so zu checken, es ist in einem Streit total wichtig, sich Mühe zu geben, die andere Person zu verstehen. Weil bei uns ja nun mal der Graben wirklich sehr tief ist, wie wir funktionieren und wie wir denken. Und sind ja wirklich zwei völlig unterschiedliche Menschen. Und da habe ich so gelernt: Okay, es ist… Man soll streiten, bitte, bitte. Und das oberste Ziel sollte so sein, wirklich zu verstehen, wie funktioniert diese andere Person jetzt gerade? Warum ist das jetzt aber mega logisch? Und das hat mir auf jeden Fall nicht nur in unserem Diskussions- und Streitverhalten total weitergeholfen, sondern auch bei allen anderen Menschen. Also, da ist der Graben zwischen mir und jemand anders vielleicht jetzt nicht so groß. Aber es ist unfassbar hilfreich, sich Mühe zu geben, zu verstehen. Das war so krass.

Marco Tiede: Ja, das ist gut.

Mirjam Rosentreter: Ich muss mal kurz im Sinne unseres Themas Humor einen Sprung machen. Warst du in deiner Klasse immer der Klassenclown?

0:52:30

Jan Philipp Zymny: Ja. Ich habe, also Humor ist sehr, sehr schnell, irgendwo am Anfang der Grundschule, muss das passiert sein, ist sehr schnell meine soziale Krücke Nummer eins geworden. Und das war auf der einen Seite eine ziemlich gute Wahl. Weil, du kommst mit Humor erstaunlich weit in sozialen Situationen. Wirst halt auch als erstaunlich kompetent wahrgenommen.

Mir beißt das dann den Arsch, wenn die Leute nicht drauf anspringen. Sobald halt irgendjemand keinen Bock auf Humor generell oder auf meinen speziell hat, bin ich sofort in Panik. Weil ich dann nicht mehr weiß, was? Dann ist ja mein, also nicht mein Bewältigungsmechanismus… Aber dann ist das halt weg, womit ich eigentlich die ganze Zeit soziale Interaktion gestalte. Und wenn man böse zu mir ist, würde man auch sagen: Auch die Leute manipuliere, dass die mich mögen. Damit ich keine Angst vor denen haben muss. Damit ich die einigermaßen einordnen kann. Damit ich… Damit die vorhersagbarer werden. Wenn die… Wenn die lachen und mich mögen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die böse zu mir sind und mich hauen wesentlich geringer.

Und da bin ich dann auch, äh, na ja… Ich hab das dann halt die ganze Schulzeit durchgemacht. In der Grundschule. Und ich hatte am Ende in der Grundschule, ich weiß gar nicht mehr, Lea, ob ich dir das mal erzählt habe? Aber ich meine schon. Ich hatte am Ende der Grundschule, mit dem Übergang in die weiterführende Schule, hab ich gesagt: Ich will nicht mehr der Klassenclown sein! Ich hab mich selber so unter Druck gesetzt, jeden Tag irgendwie lustig zu sein. Und ich hab auf dem Weg zur Schule schon immer überlegt, welchen Witz erzähl ich heute meinen Freunden. Damit die mich noch mögen. Also, das war so richtig rechtfertigend auch. Da hab ich mir so viel Druck mit gemacht, dass ich gesagt hab: Ich kann das nicht mehr. Ich will das nicht mehr.

Und in der weiterführenden Schule, ähm, da war dann meine neue Rolle. Also, wie ich dann sein wollte, das war eher der Gedanke, der damals in meinem Kopf war: Wie wollte ich sein? Ich wollte dann so, ähm… Ich hatte irgendwo mal das Wort „Klassenprimus“ aufgeschrieben, Äh, aufgeschnappt. Und so wollte ich dann gerne sein. Ich wollte dann gerne gut in der Schule sein und schlau sein und so. Und da hab ich mir dann halt auch ganz viel Mühe gegeben. Aber trotzdem ist halt das Humorige nie weggegangen.

Weil ich halt auch gemerkt hab, dass das auch besser funktioniert, als halt als Schlaumeier daherzukommen. In einem sozialen Zusammenhang. Und deswegen ist es nie verloren gegangen. Und später auch wieder mehr durchgekommen.

Aber jetzt habe ich so viel geredet, dass ich deine Frage schon wieder vergessen habe, um ehrlich zu sein. Kannst du nochmal?

Mirjam Rosentreter: Die hast du ja vollumfänglich beantwortet! Warst du der Klassenclown? Ja. Aber irgendwann wollte ich es nicht mehr sein.

0:55:20

Jan Philipp Zymny: Ich bin es dann aber trotzdem geblieben. Und jetzt bin ich es vom Beruf. (lacht)

Marco Tiede: Bei mir kommt gerade so ein bisschen die Frage auf, ob das eine, was du so ein bisschen als Bewältigungsstrategie schilderst, aber ja vielleicht auch schon so ein innewohnendes Talent ist. Weil, nicht jeder Klassenclown wird später irgendwann Bühnenkünstler. Oder wie du vorhin sagst, so schön dieses Wort „Humorkünstler“ geprägt hast, dass das so ein bisschen beides ist: Bewältigungsstrategie, aber auch ein innewohnendes Talent oder eine Fähigkeit.

Jan Philipp Zymny: Richtig. Ich liebe das sehr. Ich liebe meinen Beruf ohne Ende.

Marco Tiede: Das seh ich dir an, ja.

Jan Philipp Zymny: Ich liebe auch Humor. Und ich lieb das auch, mit den Leuten Späße zu machen. Ja. Und eine gute Zeit zu haben, das find ich auch schön.

Klar, wie gesagt, wenn man böse zu mir ist, ist das ein bisschen manipulativ. Und jetzt auch nicht… Nee, Quatsch! Ich wollt grad sagen, „das ist nicht authentisch“. Aber das ist authentisch! Das Bedürfnis, dass man mit den Leuten eine gute Zeit haben will und dass sie einen mögen, ist ein sehr normales, sehr menschliches Bedürfnis. Und, ähm, ähm, das ist ja nicht… Also, ich verstell mich ja auch nicht mit meinem Humor. Ich hab ja auch einen relativ speziellen Humor, so. Ich hab auch einen Humor, der bei dem, was man jetzt so ein Mainstream-Publikum nennen würde, auch gar nicht mal so gut ankommt, tatsächlich. Und das ist okay. Ich bin auch nicht der Mund für jede Ohren. Ähm, aber ich, ich mag das. Das ist, also, das ist halt… Ich hab das genommen als soziale Krücke, weil das in mir resoniert hat. Und ich glaube, ich hab den Vorteil… Also, eine Sache, weswegen das gut funktioniert hat, war, dass ich am Anfang, so in der Grundschule: Ich hab einfach nur Witze nacherzählt. Ich hab Otto-Nummern nachgesprochen ohne Ende. Ich hab Witze aus, ich hatte so eine Witze-CD aus der Mickey Mouse, die hab ich einfach nacherzählt. Und das sind dann natürlich Witze, die für die breite Masse gemacht sind. Das heißt, ich hab da schon ganz viel die Erfahrung gemacht: Okay, das Humorige, das kommt an. Wenn ich da schon mit dem, was ich authentisch lustig gefunden hätte, damals… Wobei ich die Sachen ja auch lustig fand. Aber mit eigenen Witzen angefangen hätte… Hätte ich wahrscheinlich eher die Erfahrung gemacht: Oh, das funktioniert gar nicht mal so gut. Und dann wär das wahrscheinlich eher in den Hintergrund gerückt.

0:57:45

Mirjam Rosentreter: Was ist denn das genau, dein eigener Witz?

Jan Philipp Zymny: Mein eigener Witz. Ganz grundsätzlich, die ganz grundlegende Humor-Dichotomie ist: absurd versus nicht absurd. Und nicht absurder Humor, schafft immer, sucht nach überraschenden Gemeinsamkeiten häufig. So was kannst du in ganz  vielen so Late-Night-Shows und sowas. Gerade so Polit-Kabarett und so, findste das. Gerade in Amerika: Was haben Donald Trump und eine Orange gemeinsam? Die Hautstruktur. Oder irgendwie, oder die Hautfarbe und so weiter. Das ist so, wie „Normale-Leute-Humor“ funktioniert, mit Anführungszeichen. Und absurder Humor funktioniert darüber: Was ist das diametrale Gegenteil von dem, worum’s geht? Es geht um… Es ist fast absurd im existenzialistischen Sinne. So ein Beispiel für das Absurde im Existenzialismus ist ja der Mensch, der in den Maschinengewehr, in das Maschinengewehrfeuer reinrennt. Die Suche nach dem Sinn in nem sinnentleerten oder in nem sinnlosen Universum. Und so funktioniert mein Humor. Ganz viel über diesen ironischen Bruch. Diesen, diesen Kontrast an der Stelle. Und über Absurditäten aus dem Alltag. Wo’s ja gar nicht mal so sehr diesen Bruch braucht, nur so ne Dysfunktionalität. Das ist so die eine wichtige Komponente. Und die andere wichtige Komponente ist so ne spielerische, surreale bis dadaistische Freude an Sprache und an Sprachbildern.

Mirjam Rosentreter: Gestern, spontan auf der Bühne: Die Hormone, von den Hormonen zum Hormonologen. Ich weiß nicht, ob das spontan war, oder ob du das dir vorher aufgeschrieben hattest? (Leah Zymny schmunzelt)

Jan Philipp Zymny: Das mit dem Endokrinologen, wo ich dann rauskomme? Das ist aufgeschrieben, das ist geplant.

Mirjam Rosentreter: Okay.

Jan Philipp Zymny: Dass ich danach so viel auf der Ente rumgeritten bin und die auch noch in anderen Sachen wieder auftauchte. Das war sehr spontan tatsächlich. (schmunzelt)

Mirjam Rosentreter: Ja, okay, da meintest du: Das ist jetzt das ADHS, was hier so… Also, ich werd‘ die Ente nicht los. Die ploppt immer, immer…“

Jan Philipp Zymny: Die ploppte ständig überall auf. Und auch ohne wirklich sinnvolle Verknüpfung. Also es waren reine assoziative Verbindungen.

Mirjam Rosentreter: Um euch kurz aufzuklären, auch wenn das natürlich dein Programm spoilert: Du kamst, glaube ich, drauf… Also, der Arzt, der sich um Hormone kümmert, ist der Endokrinologe. Und da hättest du dann immer die Assoziation „Ente“. Und so einen Mann, der sich danach bückt und sie mit Kren, was ein anderes Wort für…

Jan Philipp Zymny und Mirjam Rosentreter: Meerrettich…

Mirjam Rosentreter: …füttert. Du hast aber auf der Bühne gesagt „Meerrettich“.

Marco Tiede: Einkremt.

Mirjam Rosentreter: Und ich wusste, ich glaube in Österreich heißt das Kren. Kann das sein? Dass das so eine… Jedenfalls, so hast du das dann erklärt. Und da waren, glaube ich, einige kurz raus. Die überlegt haben: Wie kommt denn der Meerrettich da jetzt auch noch hin? Aber irgendwoher wusste ich, dass Kren Meerrettich ist.

1:00:56

Jan Philipp Zymny: Das ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie mein Humor funktioniert. Weil mein Humor, neben dem, was ich gerade beschrieben habe, was ja sehr technisch ist, hat häufig so zwei, drei Ebenen. Und es gibt immer eine Quatsch-Ebene. Also, wenn man nicht weiß, dass Kren ein süddeutsches bis österreichisches Wort für Meerrettich ist, dann ist das halt einfach nur total absurd. Da ist jemand, dessen Beruf es ist, Enten mit Meerrettich einzureiben, so. Und auf der Ebene kann man das ja schon genießen, meiner Meinung nach. Und wenn man jetzt aber noch weiß, dass Kren halt ein Wort für Meerrettich ist, dann gibt das auf einer Wortspiel-Ebene Sinn. Ah, „Endo“ klingt so ein bisschen wie „Ente“. Und „Kren“ ist Meerrettich. Ah, dann ist es der „Ologe“, der Enten mit Meerrettich einreibt.

Und bei anderen Sachen, dabei nicht so sehr, gibt es dann aber noch häufig eine dritte Ebene: So eine Aussage-Message-Bedeutungsebene. So: Was will ich eigentlich mit dem? Was ist die Moral von dem Ganzen, würde man noch sagen. Und ich finde das… A, einmal halte ich das persönlich für Kunst. Also, ich glaube, dass das etwas ist, was meinen Humor qualitativ hochwertig macht. Und zum anderen liebe ich es, dass egal aus welchem Winkel, egal wer du bist und wie du auf meinen Humor guckst, du findest was. Egal auf welcher Ebene du das genießen möchtest. Es gibt Leute, die haben halt Bock auf die Quatschebene. Es gibt Leute, die wollen das einfach nur so. Den allgemeinen Vibe spüren. Es gibt Leute, die wollen das auseinandernehmen und verstehen und genießen das, indem sie es dekonstruieren. Und all diese Leute finden irgendwas. Das stimmt. Und das genieße ich.

1:02:38

Mirjam Rosentreter: Hast du eigentlich deinen Bruder auf die Bühne geschubst? Hast du gesagt: „Geh raus, das müssen auch andere Leute hören!“?

Leah Zymny: (lacht)Nee, das hat er ganz alleine gemacht. Und ja auch so super früh. Also, ich glaube, ich hätte gar nicht selber die Kraft gehabt. Also die Kapazität, um zu verstehen, dass es sowas wie Bühne gibt. Und man damit auftreten kann. Weil, ich meine, du standest das erste Mal auf der Bühne, da bist du selbst noch zur Schule gegangen. 16, 15?

Jan Philipp Zymny: Ich war in meinem ersten Poetry Slam, das war 26. März 2010. Da war ich 17. 17.

Leah Zymny: Ja.

Leah und Jan Philipp Zymny: Gerade 17 geworden.

Leah Zymny: Ja. Da war ich entsprechend 15, 14. Da habe ich natürlich nicht irgendwie das so geschubst, sage ich mal. Aber, ich habe immer sehr, sehr profitiert. Also irgendwie auf langen Fahrten in den Urlaub. Und man hat irgendwie schon fünfmal gefragt: „Wann sind wir da? Und ich habe Hunger. Und wie lange noch?“ Und dann hat Jan Philipp halt angefangen, Geschichten zu erzählen. Und das hat sich dann wirklich so über Stunden hinweg, hat sich das gehalten. Ich dann immer wieder nachgefragt: „Oh und was ist dann? Was ist mit dem und dem gewesen?“ Und dann: „Ja, also der! Da kann ich dir aber was erzählen!“ So.

Jan Philipp Zymny: Der Gramgall-Biermeister.

Leah Zymny: Ja, der Gramgall-Biermeister, das war so…

Jan Philipp Zymny: Das war auf einem Familienurlaub in Irland. Da sind wir in Dublin angekommen. Dann Mietwagen. Und dann aber einmal komplett durch Irland durch. Auf die andere Seite, County Cork, wenn ich mich richtig erinnere.

Leah Zymny: Und Mama hatte Migräne.

Jan Philipp Zymny: Mama hatte Migräne. Das heißt, wir durften halt auch nicht Rabatts machen. Papa war am Autofahren so. Und dann ist das furchtbar langweilig. Also, für Kinder jeden Alters und Erwachsene auch. Dann habe ich Lea angefangen, von dieser Insel zu erzählen. Im Atlantik, die niemand kennt. Weil, die haben so ein Unsichtbarkeitsfeld da drum. Und dann war Leas Frage: „Ja, aber was ist denn, wenn Flugzeuge da reinfliegen?“

Leah Zymny: Und Schiffe?

Jan Philipp Zymny: Ja, und Schiffe. Und dann ich so: „Ja, die werden dann von einem, von dem Anfang des Feldes auf die andere Seite teleportiert. Sodass das denen gar nicht auffällt. „Und wer lebt dann da?“ –  „Ja, das sind die Grammgalle.“ Und dann: „Die eine Sache, die die gerne gemacht haben, war Bierbrauen.“ Dann gab’s den „Grammgall- Biermeister“ und so.

Und ich fand, das war total… Also, es hat natürlich auch mir Spaß gemacht, dir das zu erzählen. Aber das war auch superdankbar, wie du das gemacht hast. Weil, du wolltest dann auch wissen: „Nee, das ergibt keinen Sinn! Wie ist das?“ Und das war dann natürlich… Hab ich mich ja auch selber wiedererkannt, so ein bisschen. In dieser hinterfragenden Art und Weise. Und hat mich dann natürlich… Okay, da muss ich mir jetzt schnell was ausdenken. Das war schön.

Leah Zymny: Stundenlang. Das war ne ganze Welt.

Jan Philipp Zymny: Ich weiß gar nicht, wie weit das ist. Es müssen nur 3-4 Stunden gewesen sein. Ich weiß gar nicht, wie breit Irland ist gerade. (lacht)

Leah Zymny: Ich glaub, wir sind so sechs Stunden gefahren oder so.

Jan Philipp Zymny: Möglich, ja.

Mirjam Rosentreter: Aber wenn Leah das nicht war. Du hast, glaube ich, ich weiß nicht, ob jetzt im Gespräch oder gestern Abend erwähnt, dass du eigentlich total Schiss hattest vor der Bühne. Und vor dem Auftreten. Also, dass du da eine Panik vor hattest, als du jünger warst. Also, zumindest, was hat dich denn dann, wie hast du selber diese Schwelle überwunden? Ich gehe jetzt da raus, ich trau mich das jetzt einfach. Die Schwelle…

Jan Philipp Zymny: Mir fehlt gerade der Zusammenhang.

Mirjam Rosentreter: Ja, wir waren ganz woanders.

Jan Philipp Zymny: Nee, wann, wo hab ich das gesagt?

Mirjam Rosentreter: Du in dem Gespräch mit dem Autismus Magazin hast du das, glaube ich, gesagt. Dass du Angst hattest vor den Reaktionen der Leute anfangs. Und dass du am Anfang den Humor und die Geschichten benutzt hast, weil du dich da sicher gefühlt hast. Und dann hast du irgendwann gemerkt: Ich kann mich auch öffnen.

Also ich meine: Der Sinn und Zweck dieser langen Überleitung ist, ich wollte noch mal dahin zurück zu dem Punkt oder beziehungsweise überhaupt mal zu dem Punkt, wo du dich entschieden hast, ich spreche jetzt offen über Autismus in meinem Bühnenprogramm.

1:06:39

Jan Philipp Zymny: Ach so.

Mirjam Rosentreter: Aber wir waren ja vorher noch bei dem Punkt, ich hatte ja gefragt: „Hat sie dich auf die Bühne geschubst.“ Und da hat sie gesagt: „Nee, das war er selber.“ Und du wolltest ja eigentlich gar kein Klassenclown mehr sein. Also wie… Deswegen wollte ich verstehen, in welchem Moment du entschieden hast: So, ich geh jetzt da raus, ich kann das. Also das sind die zwei Seiten. Und so kann ich das unmöglich im Podcast lassen, weil das total durcheinander geht, aber… Und wir gerade noch in Irland waren.

Jan Philipp Zymny: Da gehen auch gerade…

Mirjam Rosentreter: …ganz viele Fächer auf.

Jan Philipp Zymny: Und vor allem Sachen durcheinander.

Mirjam Rosentreter: Ja, das tut mir leid.

1:07:08

Jan Philipp Zymny: Wenn ich mich richtig an das Interview erinnere, und da übernehme ich auch keine Garantie für. Es ging um die Angst davor, das mit dem Autismus und so weiter auf der Bühne zu sagen. Und nicht so sehr die Angst vor dem Auftreten. Ich glaube, vielleicht habe ich dich auch gerade ein bisschen missverstanden. Es klang gerade für mich so ein bisschen so in Richtung, ich hatte Angst auf die Bühne zu gehen. Das hatte ich gar nicht so sehr. Nicht als ich anfing aufzutreten. Ich war da immer relativ furchtlos. Und habe vor allem schnell eine Freude daran entwickelt, die halt jede Angst negiert hat. Weil ich auch sehr schnell… Ich habe gerade gesagt, mein erster Auftritt 26. März 2010, da war ich bei einem Poetry Slam. Da waren fünf Leute insgesamt da oder fünf Leute im Publikum. Und dann sehr schnell danach hatte ich das Gefühl: Oh, deswegen bin ich hier! Deswegen bin ich auf diesem Planeten! Um das zu machen.

Und deswegen, da hatte ich nie so richtig Auftritts… Angst vor dem Auftritt. Ich habe auch bei Soloshows: Ich bin null nervös. Weil ich mich freue darauf, das zu machen und mit den Leuten auf eine Art und Weise zu kommunizieren, die die Leute wertschätzen. Und wo ich den Leuten was geben kann. Und wo ich halt auch unfassbar viel Spaß dran habe. Und ich ziehe sehr viel Sinnempfinden aus dem, was ich tue.

Ich habe bei manchen Auftritten manchmal Angst. Klar, wenn ich zum Beispiel bei Fernsehsachen bin. Wo auch nicht mein Publikum ist, sondern eher so Mainstream-Publikum. Die das dann auch nicht ganz so richtig mögen, was ich da mache. Und alle so furchtbar wichtig sind. Und das ja dann aufgezeichnet wird, das wird ja für die Ewigkeit festgehalten. Das heißt, ich muss ja jetzt perfekt sein. Kann ich ja schon nicht sein. Oh, Angst davor. Oder manchmal so Sachen wie, weiß ich nicht… Vorgestern hatten wir eine Show in Münster mit 460 Leuten im Publikum. Das war das Größte, was wir jemals hatten. Und schon so darüber nachzudenken: Oh, das ist die meiste Anzahl von Leuten im Publikum. Das ist jetzt ganz anders. Ja, da bin ich ein bisschen nervös dann. Aber dann gehe ich raus und merke so: Hey, nee, ist eigentlich wie jede andere Show auch. Und ich kann hier genauso Spaß haben, mit den Leuten kommunizieren.

Die Angst, wo ich glaube, was ich in dem Interview beschrieben habe… Es ging da drum, dass ich mich jetzt auf die Bühne stelle und sage: Hey, ich bin Autist, ich habe ADHS. Ich mache jetzt ein paar Witze darüber und offenbare mich so ein bisschen. Und dann kommen von rechts und links nur die Leute und hauen dir autismusfeindliche, behindertenfeindliche Sachen um den Kopf. Und ich werde dann ausgegrenzt und niemand lädt mich mehr zu irgendwelchen Sachen ein. Und die Leute bleiben fern, weil sie sagen: „Oh, der ist ja jetzt aber komisch.“ Und so weiter. Das, davor hatte ich Angst. Und das hat Überwindung gekostet.

Und das zu machen, das ist halt lustigerweise in einer Phase passiert, wo ich eh so ein bisschen auf dem Weg zu mir selber war. Und authentischer und mutiger zu werden. Und mich Sachen zu trauen. Und das war dann halt eine Gelegenheit, das zu üben. War wahrscheinlich nicht eine der besten Gelegenheiten, um damit anzufangen. Weil, das ist so: „Hey, ich lerne Klavierspielen, womit fange ich an? Ja, Mozart! Das ist doch ein guter Punkt, um damit anzufangen.“ Aber, es war halt das, was mir irgendwie machbar vorkam. Und wofür ich mich ja schlussendlich auch entschieden habe. Einmal, weil ich mich so sicher gefühlt habe in meiner Raison d’Être (schmunzelt), in meiner Kunst. Weil. das ist meine Art und Weise, mit den Leuten zu kommunizieren. Aber ich bin mir auch felsenfest davon überzeugt, auch mein Spezialinteresse.

1:11:07

Mirjam Rosentreter: Wollte ich gerade fragen!

Jan Philipp Zymny: Ja. Und deswegen war das… Diesen wichtigen Teil, diese wichtige Selbsterkenntnis, darüber auch zu kommunizieren. Ja, finde ich gar nicht verwunderlich, dass ich mich dafür entschieden habe. Ich glaube, jetzt haben wir das so ein bisschen, das Knäuel entworren.

Mirjam Rosentreter: Vielen Dank dafür.

Jan Philipp Zymny: Ach, gerne.

Mirjam Rosentreter: Ist die selbstbewusste, in sich ruhende Person, Jan-Philipp Zymny, auf der Bühne auch jemand, der quasi diese Maskierung, also die Maske, gleichzeitig positiv und negativ… Wie soll ich sagen… Gleichzeitig nach innen und nach außen trägt? Und es tut niemandem weh, sondern ist nur in dem Moment für alle gut?

Jan Philipp Zymny: Ich, äh, auf der Bühne, mach ich mir furchtbar wenig Gedanken über die Maske. Ich hab, die Feststellung gemacht: Am besten laufen die Shows immer, wenn ich sehr im Moment bin und wenig bis gar keine Metakognition da ist. Wenn Metakognition anfängt, weiß ich: Oh, irgendwat läuft hier nicht so gut. Deswegen kann ich dir gar nicht sagen, wie viel da Maske ist. Ich glaube, dass das sehr authentisch ist. Das ist jetzt nicht inhaltlich alles 100% stimmig, ja. Aber, die Leute aus den Fluch-der -Karibik-Filmen sind auch keine echten Piraten. (Lachen)

Natürlich, das ist halt, das ist Storytelling. Das ist Humor. Das ist, auch vieles von dem ist humoristisch aufbereitet, aber es ist authentisch. Auf die Art und Weise, dass ich ich selbst bin. Und mir keine Gedanken darüber mache: Wie bin ich? Wie nehmen die Leute mich wahr? Wie kann ich das hinkriegen, dass die Leute mich mögen? Und so weiter. Sondern ich bin einfach in dem Moment. Ich hab auch das Gefühl, ich verschwinde so ein bisschen. Es gibt eigentlich nur noch die Handlung und diesen kleinen Raum.

Außerhalb davon existiert nichts mehr. Und das ist authentisch. So, das ist, ähm, deswegen, ähm… Weiß ich, kann ich dir nicht sagen, ob da eine Maske ist. Ich glaube nicht. Aber es ist halt auch die Situation, wo ich mich mit am wohlsten fühle. Und wo es mir gelingt, so im Moment zu sein.

In einer Situation im Alltag, wenn ich im Supermarkt bin zum Beispiel, dann, ähm, maskiere ich sehr doll. Weil in der Situation authentisch zu sein, wäre, zu schreien und zu weinen und wieder nach Hause zu gehen. So, und da bin ich, bin ich recht ambivalent, was das angeht. Weil Masking ist scheiße! Das tut unfassbar weh. Das kostet viel Energie. Und ich bin, wie gesagt, ich bin kein Facharzt: Ich vermute, dass das auch dich langfristig furchtbar depressiv macht. Und gleichzeitig ist es aber halt auch ein Tool, das man einsetzen kann. Um seinen Wocheneinkauf hinzukriegen zum Beispiel. Um mit dem Bürgerbüro klarzukommen. Das, die wollen irgendwas von dir. Wo sie entschieden haben, schon vorher, dass das nötig ist. Dass du das überhaupt machen musst. Was mit dir eigentlich null korrespondiert. Ich habe kein Interesse daran, nen Personalausweis zu haben. Die wollen, dass ich den habe. Und zitieren mich danach hin. Und ich muss mich damit auseinandersetzen, finde ich eigentlich. Aber meine authentische Reaktion ist erstmal: Bullshit! (Lachen)

Wenn ich dann über den größeren Zusammenhang nachdenke, wäre das schon nachvollziehbar und sinnvoll, dass es Personalausweise gibt. Aber könnte man vielleicht auch anders regeln. So, und dann, um damit klarzukommen und sich weiteres Leid der Personalausweislosigkeit zu ersparen, investier ich dann die Energie in Masking und setz mich damit auseinander. Wenn ich die Ressourcen dafür habe. Im Regelfall kommt dann Leah…

Leah Zymny: (schmunzelt)Ja.

1:15:00

Jan Philipp Zymny: …Und hilft mir dabei, das zu bewältigen. Weil, manchmal setzt es dann auch aus. Und Supermarkt und Bürgerbüro sind dann zum Beispiel so Situationen, da komm ich mit meinem Masking auch nur so und so weit. Da ist dann schnell eine harte Grenze erreicht. Die viel auch mit Behinderung und Inklusion zu tun hat.

Leah Zymny: Mhm.

Jan Philipp Zymny: Wo ich dann halt einfach Hilfe brauche, um das zu bewältigen. Vor allem: Ich könnte es machen, aber ich bin halt dann… auch alleine machen, aber ich bin danach zwei Wochen lang depressiv.

Leah Zymny: Mhm.

Jan Philipp Zymny: Weil ich mich so überanstrengt habe. Weil ich so viel Energie ausgegeben habe und so doll maskiert habe. Und wenn ich Hilfe in Anspruch nehme, dann bin ich da vielleicht nur zwei Tage depressiv. Und das ist dann besser. (lacht) Ich find das besser, ehrlich gesagt.

1:15:42

Marco Tiede: Das ist auch wieder ein Teil der Selbstfürsorge. Zu sagen: Okay, will ich das jetzt allein durch und habe dann zwei Wochen was davon in Form von depressiver Episode? Oder schone ich Kräfte und frage Leute um Hilfe. Also das ist ja vielleicht in Ordnung. So ein bisschen diese indirekte Frage, die du gestellt hast, ob das eben auch auf Dauer depressiv machen kann, ist natürlich mit Ja zu beantworten. Also wir hatten ja hier auch in der zweiten Folge Martin zu Gast. Der auch sagte: „Es gibt Leute, die sich auch ins Burnout maskiert haben.“ Und auch er selbst konnte das so berichten. Dass das einfach derartig viel Energie verbraucht, dass du dann ja nur noch in die Lethargie versinken kannst. Und nichts mehr mit der Welt zu tun haben willst.

Insofern fand ich das gestern Abend, als du das so in deinem Programm geschildert hast: Dass du dir das Einkaufen insofern erleichterst, indem du das kommen lässt. Auch sehr nachvollziehbar und eine gute, smarte Lösung. Um dich dann nicht diesem ganzen Kram auszusetzen. Und ich mich dann auch wieder ein bisschen ertappt habe bei dem Gedanken: Ist das eigentlich okay, wenn ich jetzt mit Klienten Einkaufstraining mache? Angesichts dieser Vielfalt, die du da geschildert hast.

Jan Philipp Zymny: Klar!

Marco Tiede: Ja, ich weiß, einerseits schon im Sinne der Selbstwirksamkeit, der Handlungsplanung etc. Aber wenn ich mir da noch mal so vor Augen führe, wie du das gestern geschildert hast. Da sind dann nicht, wie ich dann denke: „Guck mal, da stehen auch die Regalkategorien drüber. Siehst doch alles so, guck, wo du was findest.“ Die sehen nicht die Kategorien. Die sehen jetzt Seitenbacher Müsli, Rewe Müsli, das Müsli, das Müsli, gefühlt 200 Müslisorten.

Jan Philipp Zymny: Ja, vor allem, du denkst: Ich will Müsli. Und du siehst dann halt die Regalkategorie Müsli. Du siehst aber auch die Regalkategorie Hygieneartikel, Gewürze, alle anderen Regalkategorien. Alle Produkte, die um dich herum sind, die Leute, die da rumlaufen, die Musik, die dudelt. Das ist alles gleichzeitig.

Das ist nicht das Problem, dass autistische Menschen das nicht hinkriegen, das Schild zu lesen und dann ihren Weg dahin zu finden. Das Problem ist die Reizfilterschwäche. Das Problem ist an der Stelle, dass du so viel gleichzeitig wahrnimmst, dass dein Gehirn so überlastet ist, dass du keine Energie mehr hast für den eigentlich recht einfachen Zusammenhang: Ich brauche Müsli. Ich will. Da ist das Müsli. Ich gehe da hin. So. Vor allem, weil ja all diese Sachen nicht nur einfach da sind und aufgenommen werden, sondern die auch Sachen auslösen.

Jetzt ist dann zum Beispiel relativ nah ein Typ, der unangenehm ist. Und auf einmal ist das Bedürfnis da, ich will da weg. Und dann ist aber da hinten das Regal mit der Schokolade. Und dann ist auf einmal das Bedürfnis da: Ich will die Schokolade.

Und dann hast du halt nicht nur all diese Informationen, die auf dich einströmen, sondern halt auch noch all die Bedürfnisse, die damit verknüpft sind. Und all die Impulse, die damit verknüpft sind. Und es zerreißt dich förmlich. Du weißt gar nicht mehr, wo du hingehen sollst. Weil du ja auch aufgrund der Reizfilterschwäche halt nicht cool kategorisieren kannst in: Ja, es ist aber wichtiger, das Müsli zu holen, als die Schokolade zu holen. Und vielleicht ist eigentlich am allerwichtigsten, von dem gruseligen Typen wegzukommen. Das kriegst du ja dann… Weil das alles gleich wichtig ist, weil es alles gleichzeitig da ist. Das ist das Problem an der Kiste.

1:18:58

Leah Zymny: Was mir da total Verstehen geholfen hat. Weil, voll häufig hab ich immer so gedacht, ja, dass irgendwie: Was Jan Philips Problem ist, das kenn ich ja auch. Aber das kann ja voll schnell in den Hintergrund rücken. Also so, klar will ich von dem unangenehmen Typ weg. Aber dann geh ich halt von dem unangenehmen Typ weg. So, ist doch nicht so schlimm. Und dann war ich mal mit Jan Philipp bei der Autismus-Praxis in Bochum. Und dann hat sich da… Also dann saß ich da. Und dann war Jan Philips, ja, wir nennen ihn immer beim Namen, darf ich ihn beim Namen nennen?

Jan Philipp Zymny: Ja, ich meine, ich habe ja auch den Namen von der Praxis genannt. Das heißt, die Leute können ja jetzt eh schon googeln.

Leah Zymny: Also wir nennen ihn ganz liebevoll Autismus-Björn. Nicht, weil er Autist ist, sondern weil er halt hilft.

Jan Philipp Zymny: Die Autismus-Förderung.

Marco Tiede: Nicht Sarah, gemäß eurem früheren Muster. (schmunzelt)

Leah Zymny: (lacht)Er hat seinen echten Namen. Und auf jeden Fall saß Autismus-Björn da mit mir und hat gesagt: „So, okay, pass auf. Du sitzt jetzt hier, du spürst die Socken an deinen Füßen. Du spürst aber nicht nur die Socken, du spürst auch die Schuhe drumherum. Dann spürst du auch noch die Hose, irgendwie zwickt die so ein bisschen am Bund. Dann hast du ein T-Shirt an, darüber ist noch ein Pulli, du spürst den Pulli im Nacken. Vielleicht weht dir noch ein Haar im Gesicht. Außerdem, draußen hörst du die Kinder spielen. Genau, die sind laut! Dann summt der Computer.“

Und ich war irgendwann so: „Stopp!!! Hör auf! Ich kann das doch nicht alles gleichzeitig spüren! Lass mich in Ruhe!“ Weil ich dachte so: Oh Gott, ja, ich spüre das alles! Ich will die Socken ausziehen, ich will die Schuhe ausziehen, nimm den Pullover weg, die Haare, alles. Und dachte so: Der Mann hat mir das nur gesagt und ich bin durchgedreht.

Ich hab wirklich gedacht so, also ich saß da wirklich: Ich hab mir die Ohren zugehalten und hab gesagt: „Lass es sein. Ich kann nicht mehr.“ Und der war so: „Ja, und so fühlt sich der Jan Philipp die ganze Zeit!“

Marco Tiede: Sehr schönes Bild, ja.

Leah Zymny: Ja, und ich war so, ich: Nein! Ich will dich retten!

Jan Philipp Zymny: Das Ding ist… Zusätzlich dazu, danke, fantastisch beschrieben, vielen Dank dafür. Zusätzlich dazu: Nein, ich fühle mich nicht die ganze Zeit so. Ich nehme das die ganze Zeit wahr. Aber ich habe nicht die ganze Zeit das Gefühl, das soll aufhören. Das Gefühl kommt dann, wenn diese Sachen zu viel werden und meine Kapazitäten eh schon gering sind. Oder wenn ich in einem Zusammenhang bin, wo ich eigentlich gar nicht so richtig sein möchte.

Auf der Bühne, da merke ich die Sachen dann nicht. Weil ich total dann auch wahrscheinlich im Hyperfokus drin bin. Weil ich auf jeden Fall bei meinem Spezialinteresse bin. Sehr mit mir im Einklang bin. In anderen Situationen fühle ich die Sachen alle. Aber ich habe so viele Ressourcen zur Verfügung, dass das nicht schlimm ist, diese Sachen zu verarbeiten und zu empfinden. Und dass meine Aufmerksamkeit hin und her springt und solche Sachen. Und in manchen Situationen, gerade in solchen, wo ich nicht sein möchte oder die negativ assoziiert sind. Ja, da reicht dann manchmal schon eine von den Sachen zu doll, dass es dann halt das Gefühl auslöst: Nein, das soll aufhören!

Die Sachen sind die ganze Zeit da, das ist der Unterschied. Wie sehr einen das dann belastet, ist eine Frage der Ressourcen, meiner Meinung nach.

1:22:09

Leah Zymny: Das Absurde daran ist aber, finde ich, dass ich… Ich krieg das gar nicht mit. Also ich mein, wir hatten dieses tolle Beispiel im Phantasialand. Da musst du hin.

Jan Philipp Zymny: Da muss ich auch dran denken.

Leah Zymny: Genau, wirklich, ja. Nur Geräusche und Menschen und Gerüche und alles, ne? Und ich, was ich im Phantasialand sehe, sind genau zwei Dinge. Die Gruppe, mit der ich unterwegs bin, und das Fahrgeschäft, wo wir hinwollen. Dass da 30 unterschiedliche Musik dudelt, sich vielleicht Leute streiten, irgendwas riecht, krieg ich alles nicht mit. Das ist alles so, also wirklich, ich nehme das einfach nicht wahr. Und das, was Björn da ja mit mir gemacht hat, war ja einfach nur, mir zu zeigen: Rein theoretisch könntest du das alles wahrnehmen. Du nimmst aber nichts davon wahr.

1:22:56

Marco Tiede: Das zeigt dann diese automatische Filterfunktion, die die meisten neurotypischen Menschen haben. Und neurodivergente Menschen, da ist das eben über den Tagesverlauf sehr unterschiedlich. Mal ist eine Filterfunktion da. So wie du es schilderst, wenn es dir gut geht, wenn du dich sicher fühlst oder wenn dir diese Dinge Spaß machen. Und an häufigen Stellen des Tages ist die Filterfunktion nicht da. Für uns so selbstverständlich. Völlig automatisch. Und für dich, Jan Philipp, dann immer. Entweder es geht dir gut, dann musst du auch nicht drüber nachdenken.

Aber wenn es dir nicht gut geht, dann denkst du schon drüber nach: Okay, was stört jetzt am meisten? Habe ich irgendwas, wo ich mich stimmen kann? Meinetwegen meine Arme kneten oder was Menschen so hilft. Und das ist eben das, was ich auch immer Menschen in Fortbildungen oder Beratungen klar mache, dass es diesen Unterschied gibt. Und dass das über den Tagesverlauf wechselt. Weil die sich manchmal ein bisschen seltsam fühlen, wenn die sagen: „Wieso, gestern konntest du das – heute  nicht?“ Ja, weil ich gestern mich anders gefühlt habe. Und heute fühle ich mich auch anders.

1:23:58

Jan Philipp Zymny: Und das Lustige ist, das ist ja bei neurotypischen Menschen aus anderen Gründen, aber im Endeffekt genauso.

Marco Tiede: Ja, das stimmt.

Jan Philipp Zymny: Du hast auch manchmal den Nerv für Sachen an einem Tag. Und am nächsten Tag, weiß ich nicht, war‘s auf der Arbeit doof. Und dann geht das alles nicht mehr, dann ist das alles halt eine Belastung und zu viel. Aber bei neurodivergenten Menschen ist das alles auffällig und komisch. Und bei neurotypischen Menschen ist das halt normal. Genau.

Leah Zymny: Ich habe noch nie in meinem Leben meine Socken gespürt. Bis zu dem Zeitpunkt, wo mir jemand gesagt hat, spür mal die Socken. Und ich war so: Iuh!

Jan Philipp Zymny: Das meine ich, das meine ich auch nicht so sehr. Was ich meine, ist diese Schwankung in dem, was man aushalten kann. Das ist bei allen Menschen, aus unterschiedlichen Gründen, ist aber bei allen Menschen so. Aber für neurotypische Menschen ist halt, weil viele andere Leute das auch so haben so: Ja, stressiger Tag auf der Arbeit. Ja, natürlich hat er jetzt keinen Nerv mehr dafür, den Schnee zu schippen oder sowas. Wieso, gestern war Schneeschippen, noch überhaupt kein Problem? Ja, gestern hatte ich aber auch keinen stressigen Tag auf der Arbeit.

So, das ist natürlich ein ganz anderes Ding. Aber eigentlich haben alle diese Unterschiede, diese Schwankungen in Fähigkeiten und Kapazitäten und so weiter. Aber, dadurch, dass das eine häufig vorkommt, ist das eine normal. Und dass das andere weniger häufig vorkommt, ist das halt dann das Nichtnormale. Das ist, oh, das macht mich fuchsig!

1:25:28

Marco Tiede: Ja.

Mirjam Rosentreter: Du hast mit deinem Beruf als Comedian, als Bühnenkünstler, als Humorkünstler hast du den idealen Beruf für dich gefunden. Und schaffst es sogar, 70 Termine in einer Tour wahrzunehmen. Also 70 Städte.

Jan Philipp Zymny: Verteilt über ein Jahr.

Mirjam Rosentreter: Ja, mit drei Monaten Pause im Sommer.

Jan Philipp Zymny: Unten einem Monat Pause im Winter. Ja.

Mirjam Rosentreter: Was würdest du denn anderen Leuten im Spektrum raten. Die vielleicht noch ein bisschen jünger sind, ihre berufliche Nische noch nicht gefunden haben. Wie können sie es schaffen, etwas zu finden, wo sie sich so drin wohlfühlen, dass sie quasi so ein Pensum? Oder, es muss ja nicht das gleiche Pensum sein, aber dass sie etwas finden, wo sie Erfüllung finden und das aushalten können.

1:26:25

Jan Philipp Zymny: Schwierige Frage. Man muss sehr genau darauf achten, was für einen funktioniert. Es gibt ganz viel an meinem Beruf drumherum, was eine ganz furchtbare Belastung ist für mich. Ständig, also dieses in Hotels zu übernachten, ständig neue Leute kennenzulernen. Auch so Autogrammstunden. Mache ich eigentlich gerne, halte ich auch für wichtig. Aber es ist eine unglaubliche Belastung für mich.

Ich habe da was gefunden, was für mich nicht nur aushaltbar ist, sondern sogar diese Belastung. Ich nehme diese Belastung bewusst in Kauf, um das machen zu können, was ich da tue. Ich habe irgendwann akzeptiert, alles hat einen Preis, zumindest für mich. Alles ist in irgendeiner Art und Weise eine Belastung, weil mein Gehirn halt leider so funktioniert.

Ich kann dann natürlich sagen: Okay, scheiße, dann mache ich gar nichts mehr. Das möchte ich aber nicht, da habe ich kein Interesse dran. Ich möchte ja Dinge tun, besonders meinen Beruf. Also nehme ich diese Belastung als Investitionen wahr. Als bewusst… Ich nehme das bewusst in Kauf, damit ich dafür das bekomme. Das auf der Bühne sein und dann in dem Moment sein. Und halt meinen Lebenssinn haben. Und so weiter. Und diese Art und Weise darüber nachzudenken, hat mir sehr doll geholfen. Gleichzeitig ist es aber auch furchtbar wichtig, dass ich gucke, wo kann ich Ressourcen einsparen. Also, wo kann ich Energieaufwand vermeiden. Das hat zum Beispiel vor zwei, drei Jahren bedeutet, Zugfahren geht nicht mehr so gut für mich. Auch aus anderen produktionstechnischen Gründen, so mit Merch-Verkauf und so weiter. Aber Zugfahren geht für mich nicht mehr. Autofahren funktioniert besser.

So, wahrscheinlich, wenn ich das eine Weile weitermache, noch, gib mir nochmal zehn Jahre. Dann wird das mit dem Autofahren wahrscheinlich auch schwierig werden für mich. Dann muss ich gucken: Okay, kann ich ein anderes, gibt es eine Möglichkeit, dass ich ein anderes Auto habe? Ein Auto, wo ich mich vielleicht irgendwie, was eher so Tour-Bus-Charakter hat? Wo ich mich ein bisschen hinlegen kann. Wo ich mich mehr ausblenden kann, als wenn ich auf dem Beifahrersitz sitze? Das heißt, ich versuche die ganze Zeit zu gucken, das so zu designen, dass das für mich funktioniert. Und dafür muss man ein Gespür dafür entwickeln: Was in meinem Leben gibt mir so viel Energie, dass ich diese Energie nehmen kann und ausgeben kann. Um Sachen zu machen, die kacke sind. Die aber dann dazu führen, dass ich das machen kann, was mir Energie gibt.

Wie kriege ich das monetarisiert? Ich habe Glück gehabt. Man muss sagen, ich habe Glück gehabt, dass mein Spezialinteresse was ist, was so monetarisierbar ist. Auf einer selbstständigen Ebene. Dass ich nicht im Büro sitzen muss. Und nicht die ganze Zeit mit fremden Menschen, also, zumindest jetzt nicht in so einer Verkaufssituation sein muss.

Wenn jetzt dein Spezialinteresse ist – was nehmen wir? Eine bestimmte Art von Schrauben zu sammeln. Nicht mal Schrauben allgemein, eine bestimmte Art von Schrauben. Da wird es schon deutlich schwieriger, das zu monetarisieren. Dann muss man sehr doll gucken: Was ist nah genug dran, dass man das machen kann. Das ist ein sehr, sehr schwieriger Prozess. Wo ich anscheinend auch gerade struggle, das irgendwie in einer sinnvollen Art und Weise zu beantworten. (schmunzelt)

Und Hilfe ist ganz, ganz wichtig. Ich bin lange Zeit mit einer Vorstellung durch die Gegend gelaufen: Ich bin ja ein erwachsener Mann. Ich muss ja Sachen alleine hinkriegen. Nein, nein, nein! Alle Menschen brauchen Hilfe und Unterstützung! Das ist total normal. Das ist eher so eine gesellschaftliche Konvention. Wahrscheinlich auch eine Kapitalismus-Kiste. Zu sagen: Wir müssen die Leute irgendwie ein bisschen auseinanderdividieren. Du musst deinen Scheiß alleine hinkriegen. Nein, nein! Wir sind schon Gesellschaftstiere. Wir brauchen Community. Das ist der andere Grund.

Ich habe eine Schwester, die mich mein Leben lang unterstützt hat. Wenn ich alleine gewesen wäre: Studium nicht auf die Reihe kriege, Haushalt nicht auf die Reihe kriege, meine Rechnung nicht bezahle. Aber auftreten geht so irgendwie? Ich habe halt Menschen gehabt, die mir mein Leben lang den Rücken freigehalten haben. Also, wenn das irgendwie geht für die Leute da draußen: Nehmt Hilfe an! Das ist in Ordnung.

Selbst hyper-international-erfolgreiche CEOs haben ganz viel Hilfe! Die tun immer so, als ob sie das alles alleine schaffen. Und aufgrund von ihrem Entrepreneur-Mindset und was weiß ich nicht noch alles. Die bezahlen Leute, dass die ihnen helfen! Die bezahlen ganze Firmen, dass die ihnen helfen! Dass die dann halt ihre Aktienanteile haben, die ganz viel Geld wert sind, dass sie davon Kredite aufnehmen können. Entschuldigung, Kapitalismuskritik in Schnelldurchlauf. Auch die haben Hilfe. Die haben Assistenten und Assistentinnen. Die dann nur E-Mails beantworten, Wäsche machen und so weiter.

Es ist in Ordnung, Hilfe anzunehmen. Es ist okay, nicht okay zu sein und Hilfe zu brauchen. Und es ist auch verdammt nochmal okay, Dinge auf eine eigene, sehr individuelle Art und Weise zu machen. So, wenn dein Ding ist, jeden Tag Pfannkuchen zu essen und dann eine Vitamintablette zu nehmen, damit du nicht Skorbut bekommst, dann ist das in Ordnung. Das Leben ist viel mehrdimensionaler, viel facettenreicher, als dieser sehr schmale, gesellschaftliche, neurotypische 0815-Weg. Und es ist okay, davon abzuweichen und Hilfe anzunehmen. Und man selber zu sein und auch dysfunktional zu sein. Und vor allem auch schräg und seltsam und absurd zu sein.

1:32:21

Mirjam Rosentreter: Und wie hat dir Humor da durchgeholfen?

Jan Philipp Zymny: (lacht) Ja, es ist halt das, was mir… Für diese Erkenntnisse, die ich gerade beschrieben habe? Fast gar nicht, um ehrlich zu sein. Durch mein Leben ganz viel. Für diese Erkenntnisse, die ich gesagt habe, was da geholfen hat, ist: Jahre lang Therapie, richtige Medikation, mit den richtigen Leuten reden. Und so weiter. Und vor allem ein gesundes Interesse daran zu entwickeln, dass es einem gut geht. So ein gesundes Interesse für Selbstfürsorge. (lachend) Das zum Beispiel mache ich mit einiger Ernsthaftigkeit tatsächlich sogar.

Mirjam Rosentreter: Und in den vielen kleinen Momenten, wo es irgendwie zu kippen droht. Ist dann Humor ein Ventil?

Jan Philipp Zymny: Manchmal ist Humor gut, damit es dann in einem kurzen Moment nicht mehr ganz so schrecklich ist. Wenn du über Sachen lachen kannst, dann ist das zumindest in dem Moment, wo du darüber lachst, verliert das so ein bisschen seinen Schrecken. Und wenn man Dinge manchmal auch nicht ernst nimmt. Wie das Bürgerbüro oder den Supermarkt oder so. Dann kann einem das schon helfen, damit umzugehen. Aber die langfristige… Also, das ist nur, damit du kurz durchatmen kannst. Und die Energie tanken kannst. Um dich dann mit einer langfristigen Lösung auseinanderzusetzen. Humor ist nicht, löst jetzt nicht all diese Probleme. Sondern halt Therapie, Hilfe, richtige Medikamente, sein Leben so zu gestalten, dass es für einen selber funktioniert.

1:33:54

Marco Tiede: Für mich war nochmal ganz eindrücklich, was du eingangs gesagt hast. Diese Abwägung von dem, wieviel bin ich bereit an Energie zu investieren. Damit ich etwas machen kann, was mir gut liegt. Und das in einer guten Waage zu halten. Oder vielleicht sogar ein bisschen mehr davon machen zu können, was mir gut liegt und mir guttut. Aber eben auch zu wissen und zu akzeptieren: Ein gewisses Maß muss ich reingeben an Unannehmlichkeiten oder annehmen an Unannehmlichkeiten.

Mirjam Rosentreter: Du hast dem Publikum gestern auch eine schöne Botschaft mitgegeben. Die jeder sich so in die Jackentasche stecken konnte: Dass man Situationen gemeinsam lösen soll. Und jeder für das, was er tut, Verantwortung übernehmen kann. Also nicht immer nur auf sich selber zu schauen.

Jan Philipp Zymny: Ja. Das ist ganz, ganz wichtig. Es ist halt wichtig, beides gleichzeitig zu machen. Sowohl auf sich selber zu gucken, als auch das gemeinsam mit den Leuten zu lösen. Das Problem ist eher, dass es da draußen viele Leute gibt, die… Ich glaube nicht, dass die kein Interesse daran haben. Situationen gemeinsam zu lösen und gemeinsam unser Leben zu gestalten. Sondern dass die so sehr mit sich selber beschäftigt sind. Und so sehr mit den Situationen überfordert sind. Jetzt auch aus unautistischen Gründen. Dass es denen schwerfällt, die anderen auch noch mitzudenken in der Situation.

Man braucht die Kapazität für Empathie. Wenn dein Selbstwert angegriffen ist und du so sehr in Panik bist, weil: Ich bin ja jetzt gerade nicht in Ordnung. Dass du gar nicht mehr gucken kannst, was eigentlich die Situation ist. Dann hilft das weder dir noch den anderen. So, das gibt es halt auch. Und da muss man auch einen Blick für entwickeln.

Wann haben die Leute die Möglichkeit, mit dir zusammenzuarbeiten? Und wann sind die so sehr auf ihre Rolle, auf ihren eigenen Selbstwert oder auf sich selber fixiert, dass eine Zusammenarbeit nicht möglich ist? So, das ist das, was ich meinte.

Lea und ich akzeptieren uns gegenseitig. Wenn ich mich ihr gegenüber artikuliere, wie es mir geht, dann kann sie das vielleicht nicht nachempfinden. Weil sie anders funktioniert. Aber sie akzeptiert das und gibt sich Mühe, das zu verstehen. Und deswegen weiß ich, dass Zusammenarbeit zwischen uns funktionieren kann. Wenn ich jetzt jemanden anspreche oder meine Schwester reagieren würde mit: Verstehe ich gar nicht. Reiß dich mal zusammen! Dann würde ich nicht dastehen und sagen: Hey, lass uns doch zusammenarbeiten. Das hat keinen Sinn.

1:36:25

Marco Tiede: In der Frage der Akzeptanz… Darf ich nochmal kurz eine? In einem der letzten Folgen habt ihr beide… Also, eures Podcast, wir hatten ihn benannt: „Zufällig verwandt“… Aber, ihr habt eben die Frage besprochen, was du vorhin schon kurz ansprachst: Einer dieser schwierigen Dinge im Tourleben sind eben die Merch-Tisch-Situationen und Handshake. Also Meet-and-Greet-Zeug und so. Und da hast du ja so ein bisschen überlegt: Ja, also jetzt nicht rauszukommen, könnte dann ja rüberkommen, wie „Ja, der brauch‘s nicht mehr, arrogant oder irgendwas“. Und da denke ich dann: Wie viel Akzeptanz kann man dem Publikum? Oder den Menschen, die da hinkommen. Und ja für eine ja nicht nur ausschließlich für sie designte Leistung, die sie bezahlt haben. Akzeptanz erwarten.

Dass du selbstfürsorglich entscheidest: Ich bin jetzt auch durch für heut. Ich gönne mir jetzt gerne mal Pause. Und gucke jetzt mal eine halbe Stunde die Decke an. Und gehe nicht raus. Also, nicht im Sinne von: Die sind mir egal. Sondern, es ist mir… Ich brauche das gerade. Ich kann gerade nicht anders. Und wenn es mal an bestimmten Abenden anders ist, ist? Schön, dann freuen die sich.

Aber, jetzt habe ich auch meinen eigenen Faden… Willkommen im Club! (schmunzelt)

Mirjam Rosentreter: Merkst du das manchmal, Leah, an Abenden. Und sagst du: Heute mal nicht. Heute mal nicht an den Stand?

Leah Zymny: Ähm,also, bei Jan Philipp hab ich das noch nie gemerkt. Also, und ich würde sagen, ich hab schon… Also, meine Antennen, wie’s Jan Philipp grade geht, springen an, bevor Jan Philipps Antennen.

Jan Philipp Zymny: Oft, sehr, sehr oft.

Leah Zymny: Da merk ich schon so: Der ist schon drüber. Und eigentlich ist jetzt auch mal Schluss. Und das dauert dann immer noch so ein bisschen. Aber nach Shows ist häufig die Euphorie und die Energie relativ hoch. Ähm, bis zu einem gewissen Punkt, den man dann merkt. Also, wenn dann so eine halbe Stunde mit „Ja und cool und danke, dass du da bist. Und ein Foto und ein Autogramm. Und danke, dass du mir die Geschichte noch erzählt hast.“ Da merkt man dann irgendwann so, wenn das zu lange so geht, dann fängt’s an zu kippen. Und dann ist das eher so ein bisschen hysterisch alles. Also, dann ja auch von beiden Seiten.

Jan Philipp Zymny: Mhm. Man schratert sich so an.

Leah Zymny: Ja, genau.

Marco Tiede: Und dann die Leute so: „Ich will auch noch, ich will auch noch!“

Leah Zymny: Und es ist irgendwie alles so anggekreischt: „Und ach, das wollte ich dir jetzt auch noch erzählen!“ Und so, und ja, das merkt man dann schon. Und da ist ja aber zum Glück dein Team und ja auch ich dann eher so in die Richtung: Jetzt müssen wir auch mal langsam zum Ende kommen. Und häufig sucht man sich ja dann auch irgendwelche Ausreden, ne? Also dann jetzt „Der Veranstalter hat gesagt, wir müssen jetzt mal hier zum Ende kommen“ oder so. Obwohl der überhaupt gar nichts gesagt hat.

Mirjam Rosentreter: Das Fünf-Gänge-Menü ist im Nebenraum für uns aufgebaut.

(alle lachen)

Leah Zymny: Was ich aber beobachtet habe: Seit Jan Philipp auf der Bühne darüber spricht „ich bin Autist, ich habe ADHS und das sind auch meine Schwierigkeiten“… Wenn man dann sagt: „Ich weiß nicht, ob Jan Philipp noch kommt, um Fotos zu machen.“ Dann ist so: „Ah, okay, nee, gar kein Problem!“ Also, wenn die vorher in der Show gehört haben, hier „ich bin Autist, es fällt mir schwer“, dann sind die so: „Okay, alles klar, das ist gut.“

1:39:39

Jan Philipp Zymny: Und das ist der wichtige Punkt. Diese Vorstellung, die du angesprochen hast, dass: Oh, ich könnte der arrogante Künstlerarsch sein, der es nicht mehr nötigt hat, sich mit den Leuten auseinanderzusetzen. Das ist meine Vorstellung. Das ist gar nicht in den Leuten drin. Die reagieren so wie Leah das da gerade beschrieben hat. Wenn sie nicht so reagieren, sind sie häufig ziemlich scheiße, aber…

Marco Tiede: Das sind dann die Arschlöcher.

Jan Philipp Zymny: He, he, ja!

Leah Zymny: Ich hatte gestern einen.

Jan Philipp Zymny: Ja?

Leah Zymny: Ja, ja! Der kam dann an so einen Tisch: „Ja, kommt der noch?“ Und ich so: „Ja, hängt immer ein bisschen davon ab, wie es ihm gerade so geht.“ – „Der soll sich mal nicht so anstellen!“ Und dann hab ich gesagt: „Das hab ich jetzt mal besser nicht gehört, in deinem Sinne. Es ist besser, dass ich das nicht gehört hab.“ Und der war so: „Ja, ja, nee, nee, nee, nee.“ Und ist dann auch gegangen. Aber da hab ich so gedacht: Boah, noch ein Wort und ich spring dir hier über den Tisch!

Jan Philipp Zymny: Das ist insofern besonders lustig, als es ja auch in der Show eine Nummer darüber gibt. Dass „stell dich mal nicht so an“ so einer der Sätze ist, die ich überhaupt nicht leiden kann.

Marco Tiede: Da bist du nicht alleine mit. Also, das habe ich glaube ich auch schon mal erzählt. Einer meiner Klienten, der das auch immer wieder gesagt bekommen hat. Und der auch so viel Struggle hat in der Schulzeit und so weiter. Und da immer wieder gehört hat: „Stell dich mal nicht so an!“ Der sagte: „Würde man das auch zum Rollstuhlfahrer sagen? Stell dich nicht so an, jetzt lauf mal!“ Nee, würde man nicht. Weil das ist sichtbar. Aber, bei mir ist es nicht so.

Jan Philipp Zymny: Ich glaube man würde zum Rollstuhlfahrer sagen: „Jetzt stell dich doch mal an! Jetzt komm aus dem Rollstuhl raus und stell dich mal an!“ (Lachen)

Marco Tiede: Stell dich den Tatsachen!

Jan Philipp Zymny: Weil die Leute natürlich immer das sagen, was für die jeweilige Person gerade das Beschissenste ist. Da haben die eine traumwandlerische Sicherheit. Also, wenn du ein Problem damit hast, dass du struggelst: „Oh, hoffentlich leiste ich genug!“ Dann sagen die Leute so: „Ja, hier, mach mal! Mach mal mehr!“ Und wenn du ein Problem damit hast, dass du zu viel leistest und sagst: „Oh, ich mach echt zu viel.“ Dann sagen die Leute zu dir so… Also, die Leute sagen immer genau das, was du nicht hören solltest.

Mirjam Rosentreter: Ja, so wie am Anfang die Fans bei dir standen und sagten: „Kann das sein, dass du Autist bist?“ Als du‘s selber noch nicht wusstest. Und jetzt stehen sie da und sagen: „Es kann nicht sein, dass du Autist bist!“

1:41:44

Leah Zymny: (lacht) Ja!

Jan Philipp Zymny: Ja, das sind aber unterschiedliche Leute. (lacht)

Marco Tiede: Das ist anzunehmen.

Jan Philipp Zymny: Die, die früher sagten: „Kann das sein, dass du auch Autist bist?“ Die sind heute da und sagen: „Ey, danke, dass du darüber redest. Und ich kann mich mit dir identifizieren. Und voll schön.“ Die Leute, die sagen: „Ach, das ist ja Quatsch!“ Das sind die, die von vornherein schon entschieden haben, dass sie das überfordert mit dem Autismus. Und dass das ja auch Modediagnose ist. Und so weiter. Dass sie sich ohnehin schon nicht damit auseinandersetzen wollen. Das sind die, die das dann sagen.

Mirjam Rosentreter: Wenn von denen hier ein oder zwei hier zuhören heute. Was würdest du denen gerne jetzt noch versöhnlich mitgeben? Damit sie vielleicht was… Oder auch nicht: Hau drauf!

(beide Geschwister lachen)

Jan Philipp Zymny: Gar nichts!

Mirjam Rosentreter: Gar nichts.

1:42:32

Jan Philipp Zymny: Warum soll ich mich mit denen auseinandersetzen? Die haben ja gar kein Interesse daran, dass es mir irgendwie gut geht. Oder dass man sich in irgendeiner Art und Weise begegnet auf einer Ebene. Und das ist (atmet schwer aus) natürlich eine doofe Haltung. Und ich wünschte auch, die hätten eine andere Haltung. Aber ich kann da nix dran machen. Ich kann deren Haltung nicht ändern. Also setze ich mich nicht mit denen auseinander. Die Leute dürfen ein Stück weit auch ihre dumme, falsche Meinung haben.

Und die Frage ist, womit setze ich mich auseinander? Und ich setze mich schon nicht genug mit den Leuten auseinander, die das mögen (schmunzelt) und mich gut finden. Denen schenke ich schon nicht genug Aufmerksamkeit. Dann verschwende ich doch nicht meine geringen Ressourcen auf die Leute, die dann beliebig bescheuerte Ansichten haben. Ich setze mich doch nicht online vor meinen Computer und streite mit jemandem, der sagt: „Impfen löst Autismus aus!“ Was wird gewonnen? Ich glaube nicht, dass ich die Worte in der magischen Reihenfolge sprechen werde, die dafür sorgen, dass diese Person ihre Meinung ändert. Und sagt: „Stimmt. Ja, Philipp, jetzt, wo du mir das logisch erklärt hast, verstehe ich das endlich!“ Nachdem das schon 10.000 Leute vorher logisch erklärt haben.

Die Leute haben das aus einem emotionalen Bedürfnis heraus. Weil sie das überfordert zum Beispiel. Das ist eines von dem, was ich eben gesagt habe. Oder aus völlig anderen Gründen. Die ich nicht mal abschätzen kann. Und das teilen sie auch nicht mit dir. Das wissen die teilweise selber nicht, dass das keine rationale Kiste ist, sondern ein emotionales Bedürfnis. Das kriege ich nicht gelöst. Und ich muss auch nicht jeden auf der Welt retten. Wenn ich bei mir anfange, mich selber zu retten. Dann ist schon voll viel gewonnen!

Und meine große Hoffnung ist, dass ich dann, wenn ich das mit mir geschafft habe, noch zwei, drei andere Leute aus meinem direkten Umfeld mitkriege. (Leah Zymny schmunzelt) Und wenn ich dann noch auf der Bühne ein bisschen darüber spreche, dass dann noch vier, fünf weitere irgendwas daraus ziehen können. Dann ist schon echt viel gewonnen. Und da muss ich dann nicht mal mich mit irgendwelchen skeptischen Heinis auseinandersetzen. So, ja, dann sei skeptisch, was Autismus angeht. Dann hab halt deine schlechte Zeit mit autistischen Menschen. Okay, wir gehen hier rüber und machen unser Ding und haben eine gute Zeit.

Marco Tiede: Das ist ja auch eine Art von radikaler Akzeptanz. Zu sagen: „Das sind Menschen, die kann ich so nicht verändern. Weil, es liegt außerhalb meiner Einflusssphäre. Ich befasse mich mit denen, die mir gern zuhören.

1:45:07

Mirjam Rosentreter: Und du kannst dich ja auch darauf verlassen: Dadurch, dass auch Idioten im Publikum vielleicht sitzen. Und dir immerhin dann da anderthalb bis zwei Stunden zugehört haben. Und dir einfach begegnet sind. Dass die dadurch schon eventuell das ein oder andere für sich mitnehmen. Was dann auch anderen Menschen zugutekommt. Eventuell lernen sie ja ein kleines bisschen daraus.

Jan Philipp Zymny: Und selbst wenn sie nichts daraus mitnehmen. Was auch häufig genug der Fall sein wird. Sind sie mir begegnet! Allein der Umstand, dass ich kurz Teil von deren Leben war, ist schon ein gewisses Maß an Inklusion.

Marco Tiede: Ja.

Jan Philipp Zymny: Weil, richtig übel wird’s dann, wenn wir die Leute halt auch räumlich ausgrenzen. Und, ne? In irgendwelche, in irgendwelche abgetrennten Bereiche verfrachten und die nicht mehr in der Lebensmitte stattfinden. Deswegen: Gut, dann find mich nicht lustig. Dann nimm nichts mit von dem, was ich gesagt hab. Das ist ja auch das Privileg der Leute. Die Leute dürfen mich nicht lustig finden. Absolut erlaubt. Vollkommen fein. Und auch nicht meine Botschaft verstehen. Auch vollkommen in Ordnung. Aber, hey: Cool, dass du da gewesen bist. Und ich halt als Mensch mit Behinderung Teil deiner Lebenswirklichkeit war. Und dann mach ich halt mein Ding weiter. (lacht)

Marco Tiede: Mhh.

Jan Philipp Zymny: Es ist nicht meine Aufgabe, die Leute zu retten! Ich tu, was ich kann, wenn ich irgendwen umstimmen kann. Find ich total cool. Ich werde keine schlaflosen Nächte verbringen, wenn ich das nicht geschafft haben sollte.

Marco Tiede: Ja. Für dieses Meet & Greet-Problem, wenn ich es mal so nennen will. Du tust ja schon zwei Stunden ganz viel auf der Bühne.

Jan Philipp Zymny: Wir lösen das nicht mit den Leuten. Das Problem wird in mir gelöst.

Marco Tiede: Ja, auch…

Jan Philipp Zymny: Das Problem ist, dass ich die Vorstellung habe, dass ich der Arsch bin, wenn ich nicht für die Leute verfügbar bin.

Marco Tiede: Ja.

Jan Philipp Zymny: Und ich glaube, wir können auch… Was ja wichtig daran ist an diesem Meet & Greet, ist ja auch Community. Die haben Kontakt zu mir. Ich bin jemand, der so ist wie sie. Aber auch für mich. Ich hab ja auch Kontakt mit Leuten, die so sind wie ich. Das ist ein Community-Moment. Du ich glaube, wir kriegen diese Community auch anders gelöst, ohne dass wir die Autogrammstunden haben. So zum Beispiel über einen Discord-Server. Zum Beispiel über dezidierte Meet & Greets. Zum Beispiel einmal im Jahr bei einer Premiere oder so was. Oder über Fantreffen oder so was. Also, da gibt’s 1.000 Möglichkeiten. Die Realität bietet mehr Optionen als…

Marco Tiede: Ja, schön. Also, finde ich gut.

1:47:31

Mirjam Rosentreter: Apropos Meet & Greet: Ihr könnt uns auch meeten und greeten! (alle lachen) Ihr könnt Marco und mich dieses Jahr zweimal live erleben. Mit Gästen auf der Bühne.

Leah und Jan Philipp Zymny: (gleichzeitig) Whooo!

Mirjam Rosentreter: Zum Schluss noch ein bisschen Werbung in eigener Sache. Am 2. April, am Weltautismus-Tag, wird es wieder einen Live-Podcast in der Stadtbibliothek in Bremen geben. Veranstaltet von der Stadtbibliothek, von Autismus Bremen und von unserem Verein, dem Martinsclub Bremen.

Leah Zymny: Cool!

Mirjam Rosentreter: Am 16. Juni sind wir bei der Autea-Tagung in Bielefeld. Die geht vom 16. bis zum 17. Juni. Am ersten Veranstaltungsnachmittag machen wir da einen Live-Podcast auf der Bühne. Der erste zweisprachige. Wir haben nämlich zwei Leute zu Gast, die nicht Deutsch sprechen: Maja Toudal, Psychologin und Autistin, und Bo Hejlskov Elvén, auch Psychologe. Mit den beiden werden wir auch über Kommunikation sprechen. Und wie man unaufgeregt miteinander klarkommt. Schon Eltern mit ihren Kindern. Und dann mit den Umfeldern.

Was zieht ihr denn aus der Begegnung heute mit uns beiden hier? War ja auch eine Begegnung, eine spektrakuläre. Da sitzt vor mir der Autist, ich bin es wahrscheinlich nicht, deine Schwester auch nicht. Wie war das für euch?

1:48:55

Jan Philipp Zymny: Also, erstmal habe ich das sehr genossen. Ich bin auch sehr dankbar, dass ich bei euch sein durfte. Was ich eben gesagt habe: Ich versuche halt irgendwie den Leuten zu helfen, irgendwie einen positiven, zumindest einen positiven Effekt auf das Leben von den Leuten zu haben. Und das hier ist halt die Möglichkeit dieses Versuchs. Dafür bin ich euch sehr dankbar für die Einladung. Ich hatte eine hervorragende Zeit.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Das, was ich am meisten mitnehme, war dieser Moment zwischen Leah und mir. Wo ich verstanden habe, dass du aus dieser einen Sache was ganz anderes, aber sehr positives für dich mitgenommen hattest. Als die Situation für mich gewesen ist. Weil, das zeigt mir so, dass ich ein positiver Einfluss sein kann. Zugewinn sein kann. Ohne überhaupt das beabsichtigt zu haben. Ohne aktiv was gemacht zu haben in die Richtung. Und auch: Ich finde das so schön, dass du auch gemäß deinen Bedürfnissen und Vorstellungen positive Sachen aus den Situationen mit mir ziehst. Nicht ich sage: Du musst jetzt diese Lektion lernen! Sondern du entscheidest selber, was du daraus lernen möchtest.

Leah Zymny: Das würde sowieso nicht funktionieren! (lacht) Wenn du sagst: „Du musst jetzt das lernen!“ – „Nein, ich muss gar nix!“

Jan Philipp Zymny: So, das war für mich schon so das Krasseste, was heute passiert ist.

Leah Zymny: Ich glaube, für mich ist so dieses Gefühl von Menschen verstehen, helfen. Ist für mich so unfassbar wertvoll! Also, für mich muss gar nicht irgendwie… Dass jetzt hier, weiß ich nicht, irgendein großes Learning oder sowas mitgenommen wird.

Aber was ich halt auch so ganz häufig eben bei Shows höre ist so: „Ja, mein Sohn, der ist auch Autist.“ Oder „Meine Tochter, die ist auch Autistin.“ Und die sagen immer: „Ich verstehe ja Jan Philipp so gut! Der sagt immer das, was ich denke.“ Und dann sind die Eltern so: „Aha, ich kann das auch verstehen.“ Und haben irgendwie so eine Brücke, um irgendwie, ja, sich untereinander besser zu verstehen. Und das ist sowas. Wenn ich jetzt auf irgendeine Art und Weise dazu beigetragen habe, dass irgendjemand zuhört und denkt: Ah, okay. Ah, so ist das. Boah, das macht mich so ganz wohlig! Das finde ich so ganz schön. (Jan Philipp schmunzelt)

Marco Tiede: Ja.Diese Wohligkeit überträgt sich auch. Also, gerade auch nicht nur euch in eurem Podcast zuzuhören. Sondern auch euch heute hier zugehört zu haben. Auch mit diesem Moment, den du beschrieben hast, Jan Philipp. Als du sagst, was du da aus so einer Situation für dich gezogen hast. Aber auch, wie ihr beide bestimmte spezifische Situationen schildert. Auch du: So ganz plastisch mit diesem Pullover und den Socken. Was dir der Autismus-Björn gesagt hat. Also, das ist nochmal so nachvollziehbar schön geschildert. Dass sich das, glaube ich, auch Menschen vorstellen können, die… Oder hoffentlich vorstellen können. Wir wissen es ja nicht, ob wir sie beeinflussen können in der Hinsicht. Die außerhalb dieser ganzen Neurodivergenz-Community sind.

Aber, ich bin jedenfalls sehr froh, so ein bisschen unmittelbarer Zeuge dieser Geschwisterliebe, Geschwisterschaft gewesen zu sein. Und eben auch nochmal so schön plastische Bilder bekommen zu haben. Von Situationen, die ihr so erlebt. Ja, und schön, dass ihr hier seid. Ich bin sehr froh.

1:52:33

Mirjam Rosentreter: Ja, vielen Dank.

Leah Zymny: Danke.

Mirjam Rosentreter: Danke euch fürs Zuhören. Und wir hören uns wieder am nächsten, letzten Dienstag im Monat. Hört uns auf allen Plattformen. Und guckt auf unserer Homepage nach. Da könnt ihr auch alles noch mal nachlesen. Und die ganzen Shownotes finden, die wir für euch zusammenstellen.

Marco Tiede: Und vielleicht noch die ein oder anderen Videos, die wir mit angesprochen haben. So Bärenkatapult, Bremen-Auftritt, sowas.

Mirjam Rosentreter: Also, macht’s gut, tschüss für heute.

Leah und Jan Philipp Zymny: (gleichzeitig) Tschüüüss!

Marco Tiede: Ciao.

1:53:03

Outro

Musik: Joss Peach: Cherry On The Cake, lizensiert durch sonoton.music

Sprecher: Das war Spektrakulär – Eltern erkunden Autismus.

Mirjam Rosentreter: Unsere Kontaktdaten und alle Infos zu unseren Folgen findest du in den Shownotes auf unserer Seite spektrakulaer.de.

Sprecher: Der Podcast aus dem Martinsclub Bremen.

Musik-Ende

Sprecher: Gefördert durch die Heidehof-Stiftung, die Waldemar-Koch-Stiftung und die Aktion Mensch.

Sprecherin: Redaktion und Produktion: Mirjam Rosentreter. In Zusammenarbeit mit Selbstverständlich – Agentur für barrierefreie Kommunikation.

Ende

Quellen

Hinweis: Für externe Links übernehmen wir keine Gewähr

Infos und Links zu Jan Philipp Zymny

Seine Webseite, Soziale Medien und Infos zur aktuellen Tour „Illegale Straßentherapie“
https://www.zymny.tv/

https://www.instagram.com/janphilippzymny/?hl=de
https://www.zymny.tv/live

Bücher, DVDs und CDs
https://www.lektora.de/jan-philipp-zymny/?p=1

Die Geschwister als Podcaster und Podcastgäste

„Zufällig verwandt“ – von beiden zusammen
https://zufaellig-verwandt.podigee.io/episodes

Berufepodcast „Willkürliche Passanten“ zusammen mit Patrick Salmen

https://willkuerliche-passanten.podigee.io

Leah Zymny – zu Gast im Podcast „Die Unsichtbaren“

Auschnitte aus frühen Auftritten

Einer der ersten Auftritte: Als Achtzehnjähriger am 26.05.2011 in Bremen

NightWash Talent Award 2013

Nehmen Sie Awesome! (a.k.a Bärenkatapult!!!)

Begriffe, Medien und Bücher

Poetry Slam
https://de.wikipedia.org/wiki/Poetry-Slam

https://www.unesco.de/staette/poetry-slam-im-deutschsprachigen-raum

L.A.R.P. Live Action Role Play / Pen And Paper

Was ist LARP?

https://de.wikipedia.org/wiki/Live_Action_Role_Playing
https://www.pen-and-paper-schmiede.de/einstieg-und-grundlagen/pen-and-paper-anfaenger-systeme/

https://de.wikipedia.org/wiki/Pen-%26-Paper-Rollenspiel

Interview autismus magazin mit Karena Beissert

https://autismus-dialog.de/magazin/02-2025
https://autismus-dialog.de/magazin

Zur befreundeten Band „Lumpenpack“, die ebenfalls 2016 einen Preis beim Prix Pantheon erhielt

https://www.pantheon.de/programm/prix-pantheon/prix-pantheon-uebersicht.html

Fanpatenschaft über Patreon

https://de.wikipedia.org/wiki/Patreon
https://praxistipps.chip.de/patreon-was-ist-das-einfach-erklaert_47099

Autismus und Geschwister
https://www.autismus.de/was-ist-autismus/geschwisterkinder.html

https://www.geschwisterkinder.ch/fileadmin/images_geschwisterkinder/01_Kompetenzzentrum/01.02_Infoplattform/202207_Masterarbeit_Geschwisterkinder_von_Kindern_mit_Autismus_Dominique_Z%C3%A4pfel.pdf
https://selbsthilfeforum.aspies.de/forum/index.php?thread/6203-geschwister-von-menschen-mit-as

Autismus Screening/Selbsttest

https://autismus-kultur.de/autismus-tests

Simon Baron Cohen
https://www.autismresearchcentre.com/people/simon-baron-cohen/

Diagnostik im Allgemeinen

https://autismus-kultur.de/autismus-diagnose-bei-kindern
https://www.gesundheitsinformation.de/wie-wird-autismus-festgestellt.html
https://www.autismus.de/was-ist-autismus/diagnostik.html

Autismo Bochum

https://autismo.de


„Maniersmen“ vs Stimming

Stimming – repetitive oder stereotype Verhaltensweisen bei Menschen im Autismus-Spektrum

Gee Vero zur Bedeutung von Stimming

https://www.autismusspektrum.info/post/stimming-was-das-ist-und-wie-es-autisten-helfen-kann
https://www.genialokal.de/Produkt/Gee-Vero/Autismus-meine-andere-Wahrnehmung_lid_51932708.html

ADHS im Allgemeinen und im Erwachsenenalter

https://www.quarks.de/gesellschaft/psychologie/adhs-ads-aufmerksamkeitsdefizit-hyperaktivitaetsstoerung
https://ergo-life.at/adhs-traumsuse-hans-guck-in-die-luft-zappelphilipp-und-co-2
https://www.adhs.info/fuer-erwachsene/adhs-im-erwachsenenalter

Hyperfokus

https://de.wikipedia.org/wiki/Hyperfokus
https://www.adhspedia.de/wiki/Hyperfokus

Prävalenz im Laufe der Zeit

https://www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/autismus-neurologie-trend-101.html
Die Epidemiologie des Autismus

Lern-/Denktypen im neurodivergenten Sprektrum

Was ist autistisches Denken?

http://autistische-faehigkeiten.de/de/thinkingtypes-cluster.html

http://autistische-faehigkeiten.de/de/thinkingtypes-autistic.html

Meta-Kognition

https://de.wikipedia.org/wiki/Metakognition

Energie-Manmagement im Autismus-Spektrum

https://neurodinge.de/energiemanagement

zum Masking/Maskieren

https://neurodinge.de/masking-bei-autismus

Coping-Strategien/Masking-Strategien

im Autismus-Spektrum bzw. im neurodivergenten Spektrum https://ellasblog.de/autismus-und-masking-der-preis-von-anpassung-und-die-realitaet-des-nicht-maskieren-koennens/

Masken ab: Über Autismus und das Verstecken des wahren Ich
https://www.zeit.de/zett/2020-07/masking-menschen-im-autismus-spektrum-erzaehlen-vom-stress-sich-im-alltag-anpassen-zu-muessen

zur Episode 2 mit Martin Koliwer  „Man kann sich durchaus ins Burnout maskieren.“
https://spektrakulaer.podigee.io/5-new-episode

zur Sinnesverarbeitung / Reizfilterung / sensorische Verarbeitung im Autismus-Spektrum und ADHS

https://autismus-kultur.de/wahrnehmung-autistischer-menschen
https://autismus-kultur.de/wahrnehmung-praxistipps
https://neurodinge.de/reizverarbeitung-bei-autismus
Sensorik bei Autismus und ADHS
https://de.wikipedia.org/wiki/Reizfilterung

Thema Humor und Psyche

https://www.psychologenakademie.de/magazin/trotz-allem-wie-resilienz-und-humor-durch-krisen-tragen
https://www.deutschlandfunk.de/schicksalsschlaege-laesst-sich-mit-humor-das-leben-besser-100.html

https://www.geo.de/wissen/gesundheit/humor–wie-sich-lachen-auf-den-koerper-auswirkt-33918550.htmln. Deshalb dürfen sprachliche Ungenauigkeiten bleiben.

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