Talkgast Bente

Folge 24

Ich bin leicht reizbar, aber freundlich und fair – und eine Quasselstrippe.

Autismus-Talk mit der zehnjährigen Autistin Bente und ihrer Mutter Antje Cathrin Stolz.

Vorweg ein paar Hinweise: In unserem Podcast reden wir über Dinge, die vielleicht bei euch etwas anstoßen. Bitte beachtet:

Unsere Gespräche geben persönliche Erfahrungen wieder und erfüllen keinen wissenschaftlichen Anspruch. Das Hören oder Lesen unseres Podcasts ersetzt keinen Besuch in einer Praxis oder Beratungsstelle. Fühlt euch ermutigt, offen auf Menschen in eurem Umfeld zuzugehen. Oder sprecht Fachleute in eurer Nähe an.

Rückmeldungen könnt ihr über hallo@spektrakulaer.de an uns richten. Oder ihr kontaktiert uns auf unserem Instagram-Kanal @spektrakulaer_podcast. Gerne versuchen wir auf Themen einzugehen, die Euch interessieren. Persönliche Fragen zu Diagnostik oder Therapie können wir leider nicht beantworten.

Im folgenden Abschnitt haben wir für euch unsere Sprachaufnahme transkribiert, also verschriftlicht. Das Manuskript entspricht nicht einem journalistisch überarbeiteten Interview.

Dieser Podcast ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt.

Wenn ihr uns oder unsere Gäste irgendwo zitieren wollt, bleibt fair: Achtet auf den Gesamtzusammenhang und denkt bitte immer an die Quellenangabe.

Im Zweifel gilt die schöne alte Regel: Lieber einmal mehr nachfragen.

Vielen Dank für eure Neugier und euer Verständnis.

Mirjam & Marco

Hinweis der Autorin zur Transkription: Als Text aufgeschrieben ist gesprochene Sprache nicht immer ganz korrekt und eindeutig verständlich. Ich habe den Text behutsam redaktionell überarbeitet. Ziel ist es, das spontane Gespräch möglichst natürlich wiederzugeben. Deshalb dürfen sprachliche Ungenauigkeiten bleiben.

Damit sich der Text leichter lesen lässt, ist die Zeichensetzung angepasst. Sie berücksichtigt Sinneinheiten und Pausen, wie sie fürs Mündliche typisch sind. Das heißt: Statt langer Bandwurmsätze gibt es öfter mal einen Punkt. Oder auch drei. Wenn jemand kurz nachdenkt. Oder nach den richtigen Worten sucht. Dann kann ein angefangener Satz auch mal einfach ab…

Und nun, viel Freude beim Lesen!

Mirjam

Transkript

„…“

Autorin: Mirjam Rosentreter

0:00:00

Warmup

Sprecherin: Ey, nen Zehnjährigen hattet ihr hier?

Mirjam Rosentreter: Ne Zehnjährige, ein Mädchen.

Sprecherin: Echt? Wann das?

Mirjam Rosentreter: Per Telefon.

Sprecherin: Häh, weshalb war die hier?

Mirjam Rosentreter: Weilsie Autistin ist.

Sprecherin: Ah!

Mirjam Rosentreter: Und sie macht ein Projekt für die Schule, wo sie über Autismus recherchieren wollte. Und da wollte sie mit uns sprechen.

Sprecherin: Ah! Bente heißt sie, ne?

Mirjam Rosentreter: Bente.

Intro

Musik: Joss Peach: Cherry On The Cake, lizensiert durch sonoton.music

Sprecher: Spektrakulär. Eltern erkunden Autismus.

Mirjam Rosentreter: Hallo, mein Name ist Mirjam Rosentreter. Ich bin Journalistin, Mutter eines Sohnes im Autismus-Spektrum. Und ich mache das hier nicht alleine. Bei mir ist Marco Tiede.

Marco Tiede: Ja,Moin. Ich bin auch Vater eines Jungen im Spektrum. Und ich arbeite als Therapeut und auch als Berater.

Mirjam Rosentreter: Es gibt zu dieser langen Version unseres Podcasts auch eine kurze, den Kurz-Pod. Ein Manuskript zu dieser Folge findet ihr auf unserer Seite spektrakulaer.de.

Sprecherin: Heute mit der zehnjährigen Autistin Bente und ihrer Mutter Antje Cathrin Stolz

0:01:03

Begrüßungsmoderation

Mirjam Rosentreter: Herzlich willkommen zu unserer ersten Podcast-Folge mit einem Gast unter 18. Manchmal erreichen einen Angebote, die kann man einfach nicht ablehnen. So wie das von Antje. Mit der ich zusammen zur Schule gegangen bin. Ich habe sie auf einem Klassentreffen unseres Abi-Jahrgangs wiedergetroffen. Und Antje Cathrin erzählte mir da, dass sie unseren Podcast seit längerem hört. Denn sie hätte für ihre beiden Töchter seit Jahresbeginn eine Autismus-Diagnose. Und ein paar Tage nach dem Klassentreffen schickte mir Antje folgende Sprachnachricht…

Antje C. Stolz: (Sprachnachricht)Hallo, liebe Mirjam! Pass auf: Ich weiß nicht so genau, ob es da eine Deadline gibt. Und ich weiß auch nicht so genau, wie Bente sich das vorstellt…

Mirjam Rosentreter: Bente wollte unbedingt mit uns zusammen einen Podcast aufnehmen. Weil sie gerade für die Schule an einem Projekt arbeitet. In dem sie über Autismus aufklären möchte.

Antje C. Stolz: (Sprachnachricht)Aber es war halt so, dass sie sehr süß recherchiert hat. Im Internet, nach Erklärvideos über Autismus für Kinder. Und das gefiel ihr alles nicht. Das fand sie albern, fragwürdig, nicht mehr modern genug aufgearbeitet. Hat sie gesagt: „Mama, da sind ja die Formulierungen auch völlig falsch! Also, man hat ja nicht Autismus, sondern man ist ja Autist.“ Das sind so Dinge, die sie „bei einem Experten wie dir“… Sie hat gesagt: „Sag,  Expertenwissen bräuchten wir von dir.“ Das würde dir schmeicheln. (lacht) Und könnte dich dazu bewegen, das eher zu machen. Aber ich glaube, Kinder interviewt ihr nicht, oder? Ihr interviewt nur junge Erwachsene, oder?

Mirjam Rosentreter: Da konnten wir natürlich nicht Nein sagen und haben Bente eingeladen, mit uns zu sprechen. Nun wohnt die Familie ziemlich weit weg, nämlich in Siegen. Und da sich gerade die Termine so ballten, haben wir beschlossen: Wir machen das einfach per Telefon. Ich habe seit kurzem so eine kleine Bluetooth-Schnittstelle. Damit können wir auch Leute zuschalten zu meinem Podcast-Gerät. Die eben per Telefon mit uns sprechen. Und das haben wir mit den beiden jetzt ausprobiert.

Geräusch (Telefontuten)

Beginn Podcastgespräch

0:03:15

Antje C. Stolz: Hallo Mirjam.

Mirjam Rosentreter: Hallo, Antje.

Marco Tiede: Moin Antje! Hier ist noch Marco mit in der Leitung.

Antje C. Stolz:  Hallo Marco. Schön, dich zu hören.

Marco Tiede: Ja, ebenso.

Antje C. Stolz: Ich mache euch jetzt mal auf Lautsprecher. Dann hört euch die Bente auch.

Mirjam Rosentreter: Ja, hallo?

Antje C. Stolz: So, Bente…

Bente Stolz: (leicht verzerrt)Hallo.

Mirjam Rosentreter: Oh, mit Lautsprecher ist die Qualität nicht mehr so gut.

Bente Stolz: Okay, wir können auch ohne machen.

Antje C. Stolz: Ja.

Mirjam Rosentreter: Wenn du dann das Gefühl hast, da sollte mal lieber meine Mutter was zu sagen. Oder: Ich brauche mal kurz ein bisschen Pause. Und jetzt soll Mama mal reden. Dann kannst du ja das Telefon einfach an deine Mutter weitergeben.

0:03:51

Bente Stolz: Okay.

Mirjam Rosentreter: Und wenn deine Mutter das Gefühl hat: Moment mal, was redet die denn da? (schmunzelt, Antje C. lacht) Dann darf sie dir das Telefon auch aus der Hand reißen.

Marco Tiede: Oder sie darf geduldig zuhören. Und sich sagen: Oh, interessant! Das habe ich so auch noch nicht gesehen. (schmunzelt)

Antje C. Stolz: Ja, ich mache jetzt mal den Lautsprecher aus und gebe Bente das Telefon.

Bente Stolz: Ja.

Mirjam Rosentreter: Hallo, liebe Bente!

Bente Stolz: Hallo?

Mirjam Rosentreter: Ja? Bin ich noch zu hören?

Marco Tiede: Ja, ne?

Bente Stolz: Ja.

Mirjam Rosentreter: Ich finde das ganz toll und Marco auch, dass du Lust hast, mit uns zu sprechen. Deine Mutter hat mir erzählt, dass du ein Projekt für die Schule vorbereitest. Worum geht’s da?

0:04:32

Bente Stolz: Darum geht es, um Autisten.

Mirjam Rosentreter: Und hast du dir das Thema selber ausgesucht?

Bente Stolz: Ja, ich fand es eben wichtig, dass viele Kinder in meiner Klasse das wissen. Weil ich auch selbst Autist bin. Und weil es eben auch wichtig ist, dass alle in meiner Klasse wissen, was Autisten sind. Weil ich es eben auch selbst bin.

Mirjam Rosentreter: Woran hast du das denn festgestellt. Dass die da noch mehr drüber wissen müssen?

Bente Stolz: Also, die meisten Kinder, die wissen nicht so viel darüber. Und es gibt ja auch viele Vorurteile über Autisten. Und deswegen, ich wollte eben sagen, dass die meisten Vorurteile gar nicht stimmen.

Mirjam Rosentreter: Hast du da Beispiele, welche nicht stimmen?

0:05:16

Bente Stolz: Zum Beispiel dieses Vorurteil, dass Autisten keine Freunde wollen. Stimmt nicht. Viele Autisten mögen Freunde. Oder zum Beispiel, dass alle Autisten gleich sind. Stimmt auch nicht. Oder dass Autisten keine Gefühle haben. Das stimmt alles nicht.

Marco Tiede: Finde ich auch wichtig. Da kann ich dir sehr zustimmen. Und was Mirjam gerade noch fragte: Hast du in deiner Klasse gemerkt, dass sie dir manchmal auf eine Weise begegnen, die für dich schwierig war? Die für dich unangenehm war?

Bente Stolz: Also, ich mag es nicht so gern, wenn mich Kinder an bestimmten Stellen am Körper anfassen. Das mag ich nicht. Oder halt eben, wird es halt eben auch schnell zu laut in der Klasse. Dann trage ich halt eben immer Kopfhörer. Und meistens ist es dann auch sehr laut, leider.

Marco Tiede: Ja, das ist oft ein Problem in der Schule, ne?

Bente Stolz: Jepp.

0:06:21

Mirjam Rosentreter: Wie geht es dir denn jetzt gerade? Hast du schon mal ein Interview gegeben?

Bente Stolz: Ich hab’s noch nie so richtig.

Mirjam Rosentreter: Das ist für Marco und mich gerade auch total spannend, mit dir zu sprechen. Wir hatten bislang noch kein Kind bei uns im Podcast zu Gast. Und du bist für uns eine ganz besondere Expertin. Kannst du dir vorstellen, warum?

Bente Stolz: Vielleicht, weil ich halt eben selbst Autistin bin. Und ich halt eben auch sehr jung bin, vielleicht auch. Würd ich doch sagen, dass ich eben nicht der klassische Autist bin. Sondern eher der unklassische.

Mirjam Rosentreter: Wieso meinst du, du bist nicht klassisch?

Bente Stolz: Also, weil manche Autisten haben halt eben auch Schwierigkeiten, die Gefühle von anderen zu verstehen. Ich finde das gar nicht schwer. Ich finde sogar, ich kann das sogar ganz gut. Sich zum Beispiel in die Situation von einem anderen hineinzuversetzen. Oder halt eben auch schnell die Gefühle zu erkennen. Eben zu helfen.

Mirjam Rosentreter: Nimmst du die Gefühle dann manchmal auch so intensiv wahr, dass dich das überfordert?

Bente Stolz: Ich glaube nicht so.

Mirjam Rosentreter: Und was machst du dann. Wenn du merkst, eine Person fühlt irgendetwas, das vielleicht unangenehm ist für das Mädchen oder den Jungen?

Bente Stolz: Also zum Beispiel, wenn ihm irgendwas unangenehm ist? Oder was peinlich ist? Ich glaube zum Beispiel… Wenn jemand irgendwo ausgerutscht ist. Und ihm seine Sachen runterfallen oder sowas. Also ich würde dann zu dem Kind hingehen und ihm helfen. Und ich würde… Also wenn es dem anderen Kind dann peinlich ist. Wenn irgendwas Peinliches passiert. Dann versuche ich meistens, entweder zu ignorieren. Oder ich helfe halt eben. Oder ich ignoriere es irgendwie. Wenn es zum Beispiel wirklich unangenehm ist für mich.

0:08:24

Marco Tiede: Mhm, das ist nachvollziehbar. Ich find’s interessant, dass du diese Unterscheidung machst zwischen ‚klassisch‘ und ‚unklassisch‘. Und als Beispiel benennst, dass du da Menschen helfen würdest. Weil du siehst das ja. Und du kannst Gefühle gut erkennen. Da, in meiner Erfahrung, haben das tatsächlich sehr viele Autisten. Dass sie die Gefühle sehr gut erkennen. Die erkennen sie sogar manchmal besser, als ihnen lieb ist. Also, weil es manchmal zu intensiv wird. Aber du sagst ja, das wird für dich nicht so intensiv, ne? Du siehst das, stellst fest: Okay, Mensch fühlt sich so oder so. Und du gehst entsprechend drauf ein. Wenn du grade da einen Zugang dazu hast, ne?

Bente Stolz: Mhm.

Mirjam Rosentreter: Was hast du denn für Fragen an uns?

Bente Stolz: Wie lange macht ihr den Podcast? Das ist eine Frage.

Mirjam Rosentreter: Den machen wir seit zwei Jahren.

Bente Stolz: Cool.

Mirjam Rosentreter: Und wir haben insgesamt ungefähr mit 25 Menschen Interviews geführt.

Bente Stolz: Gab es auch eine Person, die so richtig berühmt war?

Marco Tiede: Du meinst berühmt…

Bente Stolz: Ich kenne, ich hab zum Beispiel, hab ich auch mal im Projekt… Dass halt eben viele berühmte Menschen es gibt, die Autisten sind. Gab es auch eine Person, die im Podcast war. Die viele kannten oder so?

Marco Tiede: Man muss mal ein bisschen unterscheiden zwischen so einer großen Öffentlichkeit. Also, die über die Leute hinausgehen, die sich sowieso mit Autismus beschäftigen. Da gibt es zum Beispiel einen YouTuber, den wir hier zu Gast hatten. Der heißt Tom Harrendorf. Der, ich weiß nicht, ob du von ihm auch schon mal Videos gesehen hast? Der als erwachsener Autist eben über Autismus spricht. Der war zu Gast hier.

Mirjam Rosentreter: Und dann: Kennst du den Film Die Wochenendrebellen?

Bente Stolz: Ja, den kenne ich. Der ist, glaube ich, auch Autist, oder?

Mirjam Rosentreter: Genau. Und der Junge, den gibt’s ja wirklich. Also der Schauspieler in dem Film ist nicht der Junge. Aber eben der wahre Jason von Juterczenka. Der war bei uns im Podcast zu Gast.

Bente Stolz: Cool. Und suchen die immer noch einen Lieblingsverein für den Jungen?

Marco Tiede: Haben sie glaube ich noch nicht gefunden, ne. Also, inzwischen studiert er ja in Zürich, ne. Ist ja jetzt fertig mit der Schule. Als er gerade bei uns war, hat er gerade seine Abiturprüfung gehabt. Und jetzt ist er schon seit einem Jahr in Zürich. Ich glaube die Folge 7 war das, ne, mit Jason.

Mirjam Rosentreter: Warst du selber schon mal in einem Fußballstadion?

Bente Stolz: Ich war beim Spiel noch nie. Aber ich war schon zweimal in der Allianz-Arena mit meinem Vater. Da haben wir das Museum angesehen und so. Shop und so. Also beim Spiel, da war ich noch nie so richtig.

Mirjam Rosentreter: Wollen wir mal ein bisschen darüber sprechen, wie du überhaupt mit dem Thema Autismus selber das erste Mal in Kontakt gekommen bist?

0:11:22

Bente Stolz: Hm.Ich überlege gerade. Ich glaube… Also, das ist mir schon mehrmals begegnet. Ich… Also, ich glaube, das letzte Mal, woran ich mich erinnern kann, so, war… Da war meine Mutter beim Stammtisch. War das so, glaube ich, oder?

Mirjam Rosentreter: Bei einem Stammtisch für Eltern.

Bente Stolz: Genau da. Und da war halt eben auch eine Mutter. Die hatte eben so besondere Erkennungsmaßnahmen für Autisten bestellt. Und dann hat sie halt eben eine Mutter gefragt, ob sie auch welche mitbestellt für sie. Aus Sonnenblumenband. Also so ein Band.

Marco Tiede: Dieses Sonnenblumenband, was dann erkenntlich macht, dass hier ein Mensch mit unsichtbaren Behinderungen unterwegs ist, ne? Meint ihr das?

Bente Stolz: Ja.

Marco Tiede: Ja. Und da sollten die Merkmale aufgeschrieben werden, oder?

Bente Stolz: Also es gibt zum Beispiel für dieses Ding. Davon habe ich ein paar. Momentan habe ich da einen Spruch. Da steht: „Autist sein, ist die Welt mit anderen Augen zu sehen“.

0:12:21

Marco Tiede: Ja.

Bente Stolz: Das sind eben so Erklärsachen. Eben so kurz. Da sind auch sehr niedliche Bildchen dabei. Da ist ein kleiner Pinguin mit Kopfhörern drauf. Voll niedlich. Ich trage das öfter aufs Reisen so. Wenn wir mal mit dem Zug fahren. Dann trage ich das öfters dann. Damit man erkennen kann, ich bin Autist. Heute hatte ich auch einen. Wir waren in einer Schule, in einer anderen. Da habe ich das getragen einfach.

Marco Tiede: Wurdest du schon mal drauf angesprochen?

Bente Stolz: Ich glaube, es war der Tag, nachdem die Diagnose Autismus gefallen wurde. Hatte ich es in der Schule an. Da haben mich ein paar Kinder auch angesprochen. Ich dann: Das ist ein Erkennungsmerkmal und so.

Marco Tiede: Also, hast du es der Schule sozusagen gleich mitgeteilt, dass du im Autismus-Spektrum bist?

Bente Stolz: Ich glaube, es wissen nicht so viele Kinder in meiner Klasse. Aber meine Freunde, das wissen die. Die respektieren das auch .

Mirjam Rosentreter: Gibt es denn auch Menschen in der Schule, wo du willst, die sollen das auf keinen Fall wissen?

0:13:26

Bente Stolz: Da gibt es schon jemanden. Der mich immer wieder ärgert. Und ich mag den halt eben auch nicht gerne. Also, ich würde nicht so gern eben mitteilen, dass ich so ein bisschen quasi eingeschränkt bin. Das würde ich eben nicht so gerne mitteilen.

Marco Tiede: Wahrscheinlich ist aber genau er der wichtige Ansprechpartner. Weil er nicht versteht. Dass du vielleicht in seinen Augen dich anders verhältst. Als er das vielleicht von anderen kennt. Und denn deswegen dich ärgert. Und wenn er dann wüsste, warum bestimmte Verhaltensweisen anders sind. Hätte er vielleicht nochmal einen anderen Blick. Und würde denken: Oh, ach so.

Bente Stolz: Und er ärgert mich auch wegen meinem Namen. Da sich ja mein Name auch auf Ente reimt.

Mirjam Rosentreter: Oh.

Marco Tiede: Achso, ja gut.

Bente Stolz: Das ist eben sehr fies einfach. Aber ich versuche, ihn einfach zu ignorieren.

Marco Tiede: Ja, ich glaube das ist dann…

Bente Stolz: Oder ich wende die Stopp-Regel an. Wenn man Stopp sagt, dann muss das Kind aufhören. Oder ich gehe zu einem Erwachsenen.

Marco Tiede: Das ist gut. Also, du weißt dir gut zu helfen. Das klingt gut.

Bente Stolz: Genau.

0:14:31

Mirjam Rosentreter: Ich wollte dir noch eben erklären, Bente: Marco spricht da so ein bisschen aus Erfahrung. Er geht oft in Schulen und macht dort so Klassenaufklärungen. Wo er dann den Kindern erklärt, was Autismus eigentlich bedeutet. Und du hast mir ja mal erzählt, Marco, dass du das schon ein- oder zweimal erlebt hast. Dass dann die größten Störer, die vorher gemein waren zu den Kindern, dann hinterher besonders nett zu den Kindern wurden.

Marco Tiede: Ja. Die wurden sehr fürsorglich. Die dollsten Krawallburschen. Die kamen dann zu mir und sagten: „Herr Tiede, Herr Tiede! Hier, unser Schüler hat Schwierigkeiten. Können Sie mal kommen?“ Und vorher waren die immer so nervig. Und haben ihn genervt, haben andere genervt. Und plötzlich war eine ganz andere Stimmung in der Klasse. Und die hatten dann sehr viel Rücksicht genommen auf den. Auch wenn sie vielleicht weiterhin so Rüpelknaben blieben. Also, die auch zu anderen mal hier und da ein bisschen rüpelig waren. Aber ihm gegenüber waren sie dann zurückhaltender.

Ich kann aber trotzdem nachvollziehen, dass du da jetzt nicht besonders Lust drauf hast. Dem Jungen, der dich da immer mit deinem Namen ärgert, das hier zu erzählen.

Bente Stolz: Genau. Da gibt es auch noch einen Jungen aus der Nachbarklasse. Der nervt mich seit ein paar Tagen auch schon.

Marco Tiede: Ja, vielleicht, so wie du das ja schon machst mit dem Ignorieren. Hört er irgendwann auch auf. Weil, wenn man das ignoriert, dann macht es dem anderen ja auch keinen Spaß mehr. Dich damit aufzuziehen, weil…

Bente Stolz: Jepp. Oder ich gehe ihm aus dem Weg.

Marco Tiede: Es macht ja nur Spaß, wenn du darauf reagierst.

0:16:12

Mirjam Rosentreter: Wann geht es dir in der Schule denn richtig gut? Was sind so deine Momente in der Schule, wo du so richtig bei dir bist?

Bente Stolz: Also, wo ich so richtig gut drauf bin?

Mirjam Rosentreter: Mhm.

Bente Stolz: Die große Pause tatsächlich. Weil ich die immer mit meiner besten Freundin verbringen kann. Die geht in ein paar Klassen in der anderen Klasse. Wir in der Schule sind jahrgangsübergreifend. Erste bis vierte Klasse werden in einzelnen Räumen unterrichtet. Sie ist eben in der anderen Klassengruppe. Und wir sind immer in der Pause zusammen. Sie ist auch in der vierten Klasse, genau wie ich. Und wir spielen auch sehr gerne immer. Meistens spielen wir Ponyleine. Manchmal miterhalten wir uns auch einfach. Oder wir haben eine Zeit lang im Saal gesprungen. Wir haben Gummitwist gemacht. Und ein paar andere Dinge.

Mirjam Rosentreter: Ah, das kenne ich auch noch. Das habe ich auch geliebt. Gummitwist ist super.

Marco Tiede: Das hab sogar ich noch in meiner Schule gespielt.

Bente Stolz: Manchmal reden wir. Manchmal spielen wir mit anderen Kindern einfach. An anderen Tagen unterhalten wir uns. Oder andere Dinge machen wir. Wir machen meistens dann, wenn wir plaudern, so längere Spaziergänge. Quasi durch die Schule. Oder eben durch die Schule über den Gang und so.

0:17:26

Mirjam Rosentreter: Wenn du dich beschreiben müsstest selber. Was bist du für eine Type?

Bente Stolz: Also, ich bin leicht reizbar manchmal. Ich bin sehr freundlich, würde ich meistens sagen. Ich bin fair, auf jeden Fall. Ich bin eine Quasselstrippe. Ich will eben immer, dass jeder Regeln respektiert. Ich bin, würde ich sagen, ein guter Mensch.

Mirjam Rosentreter: Sehr schön. Ein gesundes Selbstbewusstsein, Bente.

Bente Stolz: Ich glaube halt eben auch an vieles Gute. Ich glaube auch daran, dass halt eben jeder es schafft. Also ich will einfach sagen, dass ich einfach ein guter Mensch bin. Glaube an mich selbst auch.

Mirjam Rosentreter: Das ist gut. Gibt es noch Erinnerungen an die Kita-Zeit?

Bente Stolz: Mhm.

Mirjam Rosentreter: Bist du da gerne hingegangen?

0:18:26

Bente Stolz: Ich bin sehr gerne in der Kita gewesen. Ich habe gerne draußen gespielt. Gerne mit dem Puppenhaus gespielt. Manchmal habe ich auch Barbie ein bisschen gespielt. Ich habe mir sehr gerne Bücher und Heftchen angeguckt. Ich konnte nicht so gut malen. Da hatte ich immer noch kein Glück.

Mirjam Rosentreter: Und gibt es Momente, wo du jetzt, wo du weißt, dass du autistisch bist, so im Nachhinein denkst: Ach, wenn ich das damals gewusst hätte! Oder: Wenn ich mir selber wie so eine Zeitreisende ins Ohr flüstern könnte: Mach dir keine Sorgen, das ist so und so. Gibt es da so Momente, an die du dich erinnerst?

Bente Stolz: Überlege ich jetzt. Also insgesamt? Und nicht nur Kita?

Mirjam Rosentreter: Insgesamt. Was du in den letzten zehn Lebensjahren, an die du dich vielleicht erinnern kannst, oder neun. Momente, wo du jetzt im Nachhinein sagen würdest: Ach, Bente!

Bente Stolz: Also, ich würde sagen. Schon, nach meiner Einstellung so, da habe ich auch nicht gewusst, dass ich Autistin bin. Ich hätte eben gerne in meiner Vergangenheit mir gesagt so: Halte durch, es wird besser. Weil, ich hatte halt eben auch anfangs in der Schule sehr viele Schwierigkeiten. Ich konnte nicht mal meinen Namen schreiben so richtig. Ich hatte eben auch ganz viele Schwierigkeiten gehabt. Konzentrationsschwierigkeiten und so.

Mirjam Rosentreter: Hast du dann gelernt, um Hilfe zu bitten? Oder um Rücksicht zu bitten?

0:19:53

Bente Stolz: Ich hab auch eine, es gibt eine I-Kraft. Die ist eben auch ein bisschen so meine. Das ist Frau Schröder. Und die hilft mir halt eben bei vielen Dingen.

Mirjam Rosentreter: I-Kraft scheint dann eine Inklusionskraft zu sein. Das I steht wahrscheinlich für Inklusion. Das nennt man in unterschiedlichen Bundesländern anders. Also, hier in Bremen nennt man das Schulbegleitung oder Schulbegleiterin.

Marco Tiede: Inzwischen heißen die auch Fachkraft für Inklusion.

Mirjam Rosentreter: Ach, ja.

Marco Tiede: Also, wahrscheinlich eine Schulbegleitung, ne?

Bente Stolz: Jepp.Ist es.

Mirjam Rosentreter: Du hast das schon erwähnt mit dem jahrgangsübergreifenden Unterricht. Deine Mutter hat mir erzählt, du bist auf ner besonderen Schulform, auf einer Montessori-Schule.

0:20:31

Bente Stolz: Jepp. Und ich bin dort sehr glücklich!

Marco Tiede: Schön.

Mirjam Rosentreter: Warum? Was macht die Schule besonders? Was macht die gut?

Bente Stolz:  Ich war noch nie auf einer anderen Schulform. Aber, ich würde sagen: Unsere Schule ist halt eben so besonders. Dort können Kinder mit Lernschwäche und auch Kinder ohne Lernschwäche. Wir haben da besondere Sachen. Zum Beispiel für Mathe gibt es so besondere Perlenstäbchen. Und die Frau, die das erfunden hat, von der haben wir auch unseren Namen für unsere Schule. Von Maria Montessori. Und deswegen sind wir die Montessori-Schule.

Marco Tiede: Ja, die Maria Montessori hat ja quasi sehr früh schon, vor 100 Jahren oder über 100 Jahren, ja schon ein bisschen die Idee der Inklusion in Schulen vorweggenommen. Da hat man das noch gar nicht so benannt damals.

Bente Stolz: Mh.Zum Beispiel: Jeder arbeitet in seinem Tempo. Und wir haben jeder unterschiedliche Hefte. Nicht die ganze Klasse ist quasi, alle haben die gleiche Seite auf. Es ist eher so ein buntes Gemisch.

0:21:29

Mirjam Rosentreter: Und deine Lieblingslehrerin oder dein Lieblingslehrer. Was macht diese Person anders als andere?

Bente Stolz:  Also die, die die Fächer unterrichten?

Mirjam Rosentreter: Also, was macht einen guten Lehrer oder eine gute Lehrerin aus?

Bente Stolz: Für mich? Also, ich würde sagen, die Lehrerin… Also, ich mag unsere Lehrerin Frau Schneider sehr gerne. Mit der haben wir auch kosmische Erziehung. Da lernen wir halt eben, wie die Welt entstanden ist und so. Das zählt zu meinen liebsten Fächern tatsächlich. Weil ich halt eben auch so, da ist auch ein Talent von mir, würde ich sagen. (Mirjam schmunzelt)

Marco Tiede: In der Astronomie oder im Kosmos?

Bente Stolz: Ja, ich mag halt bei der: Wir reden alles. Über die Welt und so. Also, ich bin nicht so gut in Mathe und Deutsch. Ich bin halt eben nicht super gut oder so. Auf meine eigene Art bin ich gut darin. Aber halt eben z.B. kenn ich mich, mag ich es halt eben gerne… Zum Beispiel darüber reden… Ich mag es halt eben gerne, zum Beispiel irgendwelche Zahlen sagen oder sowas. Oder halt eben: Der Erfinder von das und das war der und der. Oder halt eben, dass der Mensch aus dem Affen entstanden ist. Solche Sachen. Das mag ich ganz gerne. Das sind so meine liebsten Sachen. Ich bin so quasi ein wandelndes Lexikon.

0:22:46

Mirjam Rosentreter: Da bist du ein wandelndes Lexikon?

Bente Stolz: Jepp.

Marco Tiede: Ja, schön.

Antje C. Stolz: (schlecht zu verstehen aus dem Hintergrund) Du kannst aber auch gut erklären.

Mirjam Rosentreter: Was sagt deine Mutter?

Bente Stolz: Ich kann halt eben besonders gut immer erklären.Für die anderen. So dass man es verstehen kann gut.

Mirjam Rosentreter: Oh, dann kommen verschiedene Berufe für dich in Frage. Hast du einen Berufswunsch schon, was du mal werden willst? Das fragt man sich ja eigentlich ziemlich früh.

0:23:10

Bente Stolz: Gibt‘s viele Berufe, die ich gut finde. Ich finde zum Beispiel den Beruf Therapeutin sehr cool.

Mirjam Rosentreter: Oh, warum?

Bente Stolz: Weil Therapeuten halt eben helfen, im Innenleben. Wenn zum Beispiel mal das Innenleben krank ist. Oder halt eben einfach darüber zu reden. Wenn es zum Beispiel einem Kind nicht gut geht. Oder es irgendwie Schwierigkeiten hat. Finde ich halt eben cool.

Marco Tiede: Ja.Kann ich bestätigen. Das ist ein schöner Beruf. (schmunzelt)

Bente Stolz: Oder noch ein paar andere Ideen, die ich gerne machen würde. Zum Beispiel Filmregisseurin.

Marco Tiede: Filmregisseurin? Mh.

Bente Stolz: Also ich würde gerne… Ich würde mal ein paar Filme drehen, veröffentlichen. Am besten Kurzfilme und Zeichentrick. Also, ich hätte auch schon ein paar mehrere Ideen.

Mirjam Rosentreter: Vor unserem Gespräch hier hatten wir mit deiner Mutter drüber gesprochen. Du hast ja versucht, Videos zu finden im Internet. Wo Kindern kindgerecht Autismus erklärt wird. Und deine Mutter meinte, du wärst ganz entsetzt gewesen.

Bente Stolz: Genau. Entweder war die Grafik schlecht. Oder es war irgendwie so… Es hat mir auf eine andere Art nicht gefallen. Ich mag es halt eben gerne, wenn es einfach bescheiden und leicht erklärt wird. Und dann eben so die wichtigsten Fragen. Und ich wollte eben auch, dass keine Lügen reinkommen. Es gibt ja auch viele, wie man das nennt, Fake News. Ja. Also so falsche Sachen. Deswegen…

Mirjam Rosentreter: Wie würdest du denn jemanden, der überhaupt keine Ahnung hat von Autismus, kurz und knapp erklären, was es eigentlich ist?

0:24:43

Bente Stolz: Es ist eine andere Art, die Welt zu sehen. Und es ist nichts Schlimmes. Also, es ist quasi eine andere Art, die Welt zu sehen. Und es ist nichts Schlimmes. Es ist auch keine Krankheit oder sowas. Es ist einfach… Es ist einfach Autismus. Und dafür hat man halt eben als Autist quasi andere gute Talente für andere Dinge.

Marco Tiede: Ich weiß nicht, wir hatten ja gestern uns einen Film anguckt, den hattest du an Antje geschickt.

Mirjam Rosentreter: Mhm. So einen kleinen Film haben wir euch weitergeleitet. Hast du den geguckt?

Bente Stolz: Jepp, das habe ich. Und den fand ich auch… Den fand ich in Ordnung, würde ich sagen. Das war halt eben auch sehr alles kindgerecht und sehr gut erklärt.

Marco Tiede: Gab es da trotzdem Sachen, die dir nicht so gefielen? Weil, ich sag mal so: Wenn du sagst „in Ordnung“, klingt das für mich wie „der war noch nicht super gut“.

Bente Stolz: Also, ich finde den einfach…Also, ich fand ihn einfach gut erklärt und so.

Mirjam Rosentreter: Es gab eine Stelle in dem Film. Das war ziemlich zum Schluss. Da ging es dann darum: Was können denn andere tun, damit es einem autistischen Kind gut geht? Und da haben die da gesagt, positive Kommunikation sei wichtig. Das fand ich ein bisschen abstrakt.

Bente Stolz: Also ich finde es schön, wenn man freundlich darüber redet und so. Wenn man bei Autisten sehr freundlich ist. Das ist eben auch wichtig, irgendwie. Ich habe auch in meinem Projekt dazu etwas gesagt. Wie man Autisten helfen kann: Zuhören, respektieren, wenn sie Ruhe brauchen. Sie so annehmen, wie sie sind.

Marco Tiede: Ja. Und auch ein Verständnis dafür haben, wenn sie bestimmte Dinge anders machen. Als vielleicht andere Schüler.

Bente Stolz: Genau.

Marco Tiede: So wie zum Beispiel Kopfhörer tragen. Wobei das manchmal auch anderen Kindern helfen würde. Sich besser konzentrieren zu können. Wenn sie Kopfhörer tragen können.

Bente Stolz: Genau. In meiner Klasse gibt es sogar extra so eine Stelle. Wo halt eben so… Da haben wir mehrere Gehörschutze. In der Klasse da. Da können sich immer Kinder welche nehmen, wenn sie welche brauchen. Das sind zwar andere, aber trotzdem.

Marco Tiede: Ja, du hast…Hast du richtige Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung? Oder hast du auch eher Gehörschutz?

Bente Stolz: Ich hab so Kopfhörer, so Noise-Canceling-Effekt.

Marco Tiede: Ja ne, genau. Das, glaube ich, ist auch noch ein bisschen wirksamer.

Bente Stolz: Die machen das auch meistens erträglich.

Marco Tiede: Das glaube ich.

Bente Stolz: Manchmal helfen die aber auch nicht so richtig aus.

Mirjam Rosentreter: Wann reicht‘s nicht aus?

Bente Stolz:  Wenn es ganz, ganz laut ist in der Klasse. Die helfen ja, aber nur ein bisschen.

0:27:24

Mirjam Rosentreter: Und was machst du, wenn du so einen super anstrengenden Tag hattest?

Bente Stolz: Dann brauche ich meistens zu Hause einfach nur ein bisschen Ruhe. Zum Beispiel manchmal Entspannung. Dann schaue ich meistens immer eine halbe Stunde Tablet. Oder mache ich irgendwas Ruhiges zum Beispiel. Schau mir manchmal, ich gucke mir Bücher an. Oder ein Hörspiel. Oder ich mache irgendwas Schönes mit meiner Schwester. Aber halt eben nicht so Wildes. Wir spielen manchmal. Und wenn ich einen ganz anstrengenden Tag hatte, dann malte ich manchmal auch was. Oder ich schaue mir einfach Bücher und höre Hörspiele.

Mirjam Rosentreter: Was haben deine Eltern gut gemacht in den letzten Jahren?

Bente Stolz: Sie haben eine richtig gute Schule für mich ausgewählt, eine Montessori-Schule. Sie haben mir eben beigestanden. Sie haben mit mir darüber geredet und so. Es gibt ja auch meine Schwester. Die ist auch Autistin.

Marco Tiede: Ja.

Bente Stolz: Und deswegen ist mir das auch sehr bekannt. Wie das eben ist und so.

Marco Tiede: War das von deiner Schwester schon früher bekannt als bei dir?

Bente Stolz: Ich glaub ja.

Mirjam Rosentreter: Weil sie älter ist, ne?

Bente Stolz: Jepp.

Mirjam Rosentreter: Ganz viele Eltern, Marco und ich machen ja auch einen Elternkreis, erzählen uns, dass so Veränderungen, wenn plötzlich was anders ist am Tag, ihren Kindern ganz viel zu schaffen machen. Wie kommst du denn damit zurecht?

0:28:57

Bente Stolz: Das mag ich dann nicht so richtig. Also es kommt zumindest darauf an, ob es was Gutes oder Schlechtes ist. Wenn ich z.B. mich tagelang darauf freue, dass ich mit einer Freundin irgendwas Gutes mache. Und dann meine Eltern mir an dem Tag, wo es gemacht werden soll, sagen: Hey, es geht doch nicht. Die Freundin ist krank. Oder sowas. Dann mag ich das gar nicht. Oder z.B., es kommt halt eben auch darauf an, was es zum Essen gibt. Das Essen kann mir halt eben auch einen ganzen Morgen oder so vermiesen. Z.B., meine Mutter vergisst, dass ich kein Marmeladenbrot mag. Ich mag eigentlich nur Brötchen oder eben nur so auf Toast. Sonst mag ich eben keine Marmelade auf Brot.

Antje C. Stolz: (lacht im Hintergrund)

Mirjam Rosentreter: Ich höre deine Mutter im Hintergrund lachen.

Marco Tiede: Ist der Tag dann auch gelaufen, ne, erstmal, oder?

Bente Stolz: Also quasi, zum Beispiel, wenn es in der Schule auch eine Süßspeise gibt. Ich mag Süßspeisen. Dann kann dadurch auch der Tag auch schöner werden. Das ist wie so eine kleine Sonne dann.

Marco Tiede: Cool.

Mirjam Rosentreter: Oh, das ist schön. Es gibt ein Buch einer erwachsenen Autistin. Das hat den Titel „Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing“.

Marco Tiede: Weil die sehr gern Wirsing isst. Und zwar immer 12.45 Uhr oder 12.57 Uhr. Also, sie hat einen ganz strikten Zeitplan. Ich weiß nicht, ist das bei dir auch so, dass du sehr strikte Zeitpläne hast. Oder bist du da etwas flexibler? Abgesehen mal von der Schule.

0:30:26

Bente Stolz: Also, ich bin meistens sehr flexibel. Ich habe schon ein paar Routinen am Tag. Die sein müssen.

Marco Tiede: Ja, das ist wichtig, klar.

Bente Stolz: Sonst dreh ich halt eben durch oder werde kirre.Z.B.wenn ich nach Hause komme, ist dann immer meine Tablet-Zeit zuerst. Ganz selten mal nicht. Oder halt eben, dass ich jeden Morgen etwas höre. So ein Radio-Hörspiel, „Der Fahrstuhl zum Schamott“. Ist quasi für mich so eine Art Routine auch morgens.

Mirjam Rosentreter: Und wann hörst du das? Noch im Bett oder während du andere Dinge machst?

Bente Stolz: Ähm,Mama will noch was dazu sagen. Ich geb weiter.

0:31:07

Antje C. Stolz: Das mit dem Radio ist so eine Sache. Wir haben das Radio auch laufen, weil Bente kein gutes Zeitgefühl hat. Und sie weiß dann, wenn diese Comedy-Serie im Radio gelaufen ist, dass dann ein bestimmter Punkt am Tag erreicht ist. Und wir hatten jetzt ganz große Probleme, weil da vorher ein anderes Konzept gelaufen ist. Also eine andere Geschichte. Und als sie das geändert haben, ist hier Chaos ausgebrochen. Weil unser ganzer Tag (schmunzelt) nicht mehr richtig laufen konnte.

Marco Tiede: Ja, das glaube ich.

Antje C. Stolz: Und dann wurde dann von Bente gesagt: „Nein, dann möchte ich lieber CD hören. Ich mag das nicht, das Neue.“ Und dann hat sie aber dann praktisch jedes Zeitgefühl verloren. Und hätte dann also lieber stundenlang morgens CD gehört, anstatt sich fertig zu machen. Und diesem strengen Takt zu folgen, den man morgens hat, bevor es in die Schule geht. Also wir sind hier alles Menschen, die gerne etwas länger schlafen. Und nicht schon drei Stunden vor der Schule wach sind. Aber trotzdem müssen bestimmte Dinge ja morgens erledigt werden. Und das hat uns sehr in Schwierigkeiten gebracht. (lacht)

0:32:29

Marco Tiede: Und dann wird die Taktung schnell mal rigide, ne?

Antje C. Stolz: Richtig, genau. Aber ich gebe mal weiter an die Bente. Die hat sich hier nebenbei schon ein Asterix-Heft genommen, um das jetzt zu blättern.

Bente Stolz: Okay.

Marco Tiede: Deine Mama sagte ja, es gibt so bestimmte Tagesabläufe. Die immer gleich sind. Das ist ja auch wichtig, dass dann da eine Sicherheit entsteht. Welche Möglichkeiten hast du denn noch neben Radio hören? Dass du weißt, wann was dran ist? Wie machst du das dann, wenn du jetzt kein Radio hast?

0:33:05

Bente Stolz: Dann meist durch meine Schwester halt eben. Ich weiß genau, wann ich halt eben kommen muss, wenn meine Schwester halt eben gehen muss, so ungefähr. Dann muss ich nach drüben kommen. Also ins Esszimmer und so. Und ich höre inzwischen auch diese Radiosendung ganz gern.

Marco Tiede: Diese Neue oder die….

Bente Stolz: Genau.

Marco Tiede: Achso, doch.

Bente Stolz: Die war nur am Anfang irgendwie sehr schlecht. Aber inzwischen ist es sehr witzig.

Marco Tiede: Okay.

Mirjam Rosentreter: Hast du dich dran gewöhnt?

Bente Stolz: Ja. Wenn die Werbung angeht im Radio, dann wenn ich gerade frühstücke, dann weiß ich: Oh ja, ich muss mich jetzt beeilen! Muss dann eben Schuhe anziehen, wenn ich gerade beim Frühstück so sitze oder eben damit fertig bin. Das ist quasi auch so ein Zeichen.

Mirjam Rosentreter: Und funktioniert das besser, wenn die Werbung dir sagt: „Jetzt ist Zeit zum Schuhe anziehen“, als wenn das deine Mutter oder dein Vater zu dir sagt?

Bente Stolz: Äh, es geht beides ganz gut. Mama sagt eben meistens dann auch immer so dazu: „So, Schuhe an, Bente, jetzt“. Aber wir kommen meistens sehr oft zu spät. (Mutter lacht im Hintergrund) Also so, sehr spät. Mama, wobei liegt unser Rekord?

Antje C. Stolz: (aus dem Hintergrund): Im Zuspätkommen?

Mirjam Rosentreter: Antje, nimm mal das Telefon bitte kurz an dein Ohr.

Antje C. Stolz: Also ich habe gerade gesagt, richtig verschlafen haben wir, glaube ich, noch nie. Aber, wir hatten hier auch zwei Jahre auf dem Weg zur Schule eine fiese Baustelle. Und da haben wir es doch oft gehabt, dass wir dann auch mal 10 Minuten oder 15 Minuten zu spät gekommen sind. Wobei, ich bringe Bente normalerweise bis zum Schultor. Wenn sie dann natürlich für den Weg vom Tor bis hoch in die Klasse noch andere Dinge hat, die sie unterwegs trifft… (schmunzelt)

0:34:56

Marco Tiede: Die interessant sein können, ja.

Antje C. Stolz: Dann kann das auch noch später, dann kann das auch noch später sein. Wobei ich denke: Seitdem Bente ein Medikament nimmt für ihre Konzentration, ist das besser geworden. Da ist sie inzwischen wesentlich fokussierter. Und das hat sie dann… Morgens nach dem Frühstück nimmt sie das ein. Und dann ist es eigentlich auf dem Schulweg dann schon so, dass da sozusagen die Rakete zündet. (lacht)

Marco Tiede: Ja, das kann helfen.

0:35:30

Mirjam Rosentreter: Gibst du sie mir nochmal, oder gibst du sie uns nochmal zurück?

Antje C. Stolz: Ja, das mache ich gerne.

Mirjam Rosentreter: Bente, bist du wieder da?

Bente Stolz: Jepp!

Mirjam Rosentreter: Hast du noch Fragen an uns? Du wolltest uns ja auch ein bisschen ausquetschen bei diesem Gespräch.

Bente Stolz: Mir fällt gerade keine Frage ein.

Marco Tiede: Mmh, okay.Kannst du denn noch, Bente? Ist es noch okay für dich, zu sprechen?

Bente Stolz: Klaro.

Marco Tiede: Ja, okay, cool. Mhm. Ja, weil es kann ja sein, manchmal erschöpft das ja auch, wenn man länger redet. Aber, du hast ja vorhin dich auch beschrieben als Quasselstrippe. Insofern haben wir da wahrscheinlich einiges gemeinsam. Ich bin das auch.

Und du machst jetzt ja eine Projektarbeit zum Thema Autismus. Weil du ja auch sagtest, dir ist wichtig, dass so bestimmte verbreitete Klischees mal entkräftet werden. Dass du sagst: Leute, das stimmt so nicht!

Bente Stolz: Genau.

Marco Tiede: Und gleichzeitig war ich mir nicht ganz sicher: Ist es dann auch das, wir sagen immer ‚Outing‘ dazu. Ich weiß nicht, ob du den Begriff schon mal gehört hast? Dieses Offenmachen, Offenbaren deiner Diagnose vor der Klasse. Soll es dann auch eine Art Klassenaufklärung über dich sein? Oder ist es eher so ein, ich sag mal, faktischer Vortrag über das Thema an sich?

0:36:54

Bente Stolz: Ja und nein. Also quasi, ich würde eben sehr gerne sagen: So, das ist Autismus. Ich habe halt eben vor, am Ende dann zu sagen: „Und ich kann das am besten sagen, denn ich bin Autist“.

Marco Tiede: Ja, also dann damit offenbarst du dann sozusagen auch deine Eigenschaft als Autistin. Also, die zu dir gehört, ja. Für die ganze Klasse dann sozusagen. Mhm. Cool, also ich finde das immer toll, wenn ich höre, wenn ich mitbekomme, dass Kinder das selbst in die Hand nehmen. Die Klasse darüber aufzuklären. Weil, wie du ja vorhin schon gehört hast von Miriam: Ich komme auch gern in Klassen und gebe da so ein paar Ideen rein, wie man Autismus auffassen kann. Und wie man miteinander gut klarkommen kann. Und manchmal helfen mir dann auch die Schüler, die dort selbst in der Klasse sind. Um die es geht, ne. Die frage ich dann manchmal noch was nach. Aber toll, dass du das so für dich machst. Ja.

Bente Stolz: Also, es fehlt eigentlich… Ich muss nur den Text ein bisschen lernen und so.

Marco Tiede: Wahrscheinlich brauchst du gar keine Tipps. Ich habe noch überlegt, ob ich dir noch erzählen soll, wie ich das mache. Aber, ich glaube, so wie du das besprochen hast mit uns, klingt das schon ganz gut, was du so vorhast.

Mirjam Rosentreter: Du bist ja jetzt in einem Podcast zu Gast. Und den hören mehr Leute als in der Schule. Du kannst jetzt die Gelegenheit nutzen und einen großen Wunsch an die Welt rausposaunen. Also, was wünschst du dir von der Welt da draußen? Damit es im Alltag netter und angenehmer ist so zusammen?

0:38:37

Bente Stolz: Glaubt nicht blindlinks Vorurteilen. Außerdem, bevor ihr einfach daran blindlinks glaubt, fragt lieber erst mal einen Experten. Und viele Vorurteile stimmen erst recht nicht. Also hört niemals blind auf Vorurteile. Weil alle wissen, dass manche Vorurteile gar nicht stimmen. Zum Beispiel, dass alle Deutschen Sauerkraut mögen. (Marco und Mirjam schmunzeln) Oder alle Menschen am Nordpol und Südpol leben in Iglus.

Marco Tiede: Ja, das sind schöne Beispiele.

Mirjam Rosentreter: Wie würdest du denn selbst, wenn du mal erwachsen bist, eigentlich gerne leben?

Bente Stolz: Also, ich würde auf jeden Fall… Also, ich würde gerne auf jeden Fall in eine Ehe gehen, ja. Mit einem Mann. Und ich würde halt eben auf jeden Fall auch vielleicht… Entweder würde ich selbst ein Kind bekommen. Oder ich würde eins adoptieren. Und ich würde halt eben auch ganz gerne für mein Kind da sein, sehr oft. Und ich würde, glaube ich, auch mir wünschen, wenn ich einen Ehemann hätte, dass der gut kochen könnte. Und ich halt eben die Sachen mache. Und er zum Beispiel Wäsche wäscht oder den Abwasch macht. (Antje lacht) Dann hin und wieder.

Marco Tiede: Das ist eine gute Idee, ja.

Mirjam Rosentreter: Bente, das kriegst du bestimmt hin.

Marco Tiede: Ja, ich glaube auch.

0:39:54

Mirjam Rosentreter: Vielen Dank für deine Zeit, das war total spannend, mit dir zu reden.

Bente Stolz: Jepp.

Marco Tiede: Wollen wir jetzt noch ein paar abschließende Worte mit Antje sprechen?

Mirjam Rosentreter: Ja, also du darfst gerne…

Bente Stolz: Ich wollte noch sagen: Danke, dass ich dabei sein durfte beim Podcast.

Marco Tiede: Ja, schön.

Bente Stolz: Vielen Dank.

Marco Tiede: Toll, dass du das dir gewünscht hast.

Bente Stolz: Ich geb‘ mal weiter an Mama.

0:40:15

Antje C. Stolz: Hallo.

Mirjam Rosentreter: Ja, wie war das für dich?

Antje C. Stolz: Interessant. Aber, ich habe die ganze Zeit gedacht: Ihre Schwester war ja sehr eifersüchtig, als sie gehört hat, dass Bente hier angerufen wird. Und hat gesagt: „Da möchte ich aber auch so gerne dabei sein!“

Marco Tiede: Achso.

Antje C. Stolz: Und die ist ja noch in der Schule. (lacht) Und die hätte aber sicherlich viele Fragen nochmal ganz anders beantwortet. Und vielleicht auch noch intensiver. Weil die doch noch ne intensivere, andere Sicht auf die Dinge hat.

Marco Tiede: Mh, also…. Ich wär dafür offen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, Mirjam?

Mirjam Rosentreter: Ja.

Antje C. Stolz: Dann könnt ihr euch ja sonst überlegen, ob ihr uns nochmal anrufen wollt. Und dann mal mit der anderen sprecht. (lacht)

0:41:05

Bente Stolz: Außerdem will ich noch jemanden grüßen.

Marco Tiede: Ja, mach das.

Antje C. Stolz: Duwillst jemanden grüßen?

Bente Stolz: Meine Freundin Lynn und meine Schwester Inga.

Marco Tiede: Gut.

Antje C. Stolz: So. Das musste sein. (schmunzelt)

Marco Tiede: Ist Inga die Schwester, die auch gerne mit uns gesprochen hätte?

Antje C. Stolz: Ja, ja, genau. Es gibt nur die eine. Es ist tatsächlich so, dass Bente immer Schwierigkeiten damit hat, dass sie zu schnell und zu leise spricht. Und ich musste jetzt auch ein paar Mal dafür sorgen, dass sie nicht die ganze Zeit die Hand vor dem Mund hält. Oder sich irgendwie so an den Lippen rumknibbelt oder irgendwas. Weil ich Sorge hatte, dass das Verstehen noch mehr erschwert. Also, das ist zum Beispiel auch ein Punkt in ihrem Förderplan in der Schule: „Ich spreche langsam, laut und deutlich“. Da ist sie auch manchmal ein bisschen wischiwaschi.

Marco Tiede: Aber wenn sie dann erstmal ins Erzählen kam und offenbar keine Hand vorm Mund hatte, dann war sie ja klar zu verstehen.

Mirjam Rosentreter: Ja.

Antje C. Stolz: Ja, ja, genau. Und es war auch so: Man hat auch gemerkt, je weiter das Gespräch voranging, dann war das vielleicht nicht mehr ausreichend interessant für sie. Oder… Ich weiß nicht genau, wie ich das sagen soll. Aber, nachdem wir das erste Mal das Telefon getauscht hatten, sozusagen. Da hatte sie sich ja erst das Asterix-Heft genommen. Und hinterher noch ein anderes Comic, was hier lag. Und hat also konsequent auch darin geblättert. (lacht)

Also sie liest ja ohnehin nicht. Aber, sie hat dann halt intensiv geblättert. Und das war so… Ich weiß nicht, ob sie das gebraucht hat, um sich weiter zu konzentrieren. Ich nehme das an.

0:42:54

Marco Tiede: Ja, das höre ich immer mal wieder. Dass Leute sich dann nebenbeschäftigen, um sich besser zu fokussieren. Also ein Extrem, das erzähle ich immer mal gern wieder. In der Corona-Zeit haben wir dann Therapie per Video gemacht. Und dann hatte ich da auch einen meiner Klienten. Bei dem ich in der Brille sehen konnte, dass er nebenbei auf einem anderen Bildschirm gezockt hat. Und ich sag: „Sag mal, zockst du nebenbei, während du mit mir sprichst?“ – „Ja, ja. Weil, sonst könnte ich dir nicht zuhören. Ich höre nämlich die ganze Zeit auch meine Familie rumrappeln. Und dann versuche ich immer darüber nachzudenken, was die jetzt wollen. Oder was die sagen. Deswegen spiele ich nebenbei.

Antje C. Stolz: Das war ja bei uns tatsächlich auch so, dass wir bei Bente schon vom Kindergarten an immer solche Hinweise hatten: Irgendwas ist da nicht in Ordnung. Irgendwas ist da. Sie ist irgendwie entwicklungsverzögert. Was ist es denn? Und bei Inga waren diese Vorzeichen viel subtiler. So dass man gar nichts unternommen hat in der Zeit. Also in der Kindergartenzeit. Während wir bei Bente also schon in der Kindergartenzeit geforscht haben sozusagen. Woran es denn liegt. Und dann diese ganzen Dinge gemacht haben: Ins SPZ gehen. Und was weiß ich was. Und zum Pädaudiologen. Und dies das. Also, diese ganzen Dinge. Und das war bei Inga halt alles ein bisschen anders. Aber als wir dann mit Inga in der Diagnostik waren und dieses ADIR-Gespräch hatten, dieses Interview, was man dann führt. Da sind mein Mann und ich aus diesem Interview rausgegangen, haben uns draußen angeguckt vor der Tür und haben gesagt: „Wir haben noch so eine zu Hause sitzen.“ Wir wussten genau in dem Moment: Jetzt wissen wir auch, was mit Bente ist. (lacht)

0:44:48

Marco Tiede: Ja, das ist oft so. Wenn man das bei dem einem Geschwisterkind erkennt.

Antje C. Stolz: Das war wirklich so ein Aha-Moment, so ein Aha-Erlebnis. Dass wir gesagt haben: Das gibt’s doch nicht! Also, so viele Jahre haben wir… Ich sag jetzt mal Fachleute, dachte man, die das begutachtet haben. Und es hat aber keiner gesehen. Also, zumindest hat es nie einer gesagt.

Marco Tiede: Jaja, jaja. War das dann in dem Moment eine Erleichterung für euch, das festzustellen?

Antje C. Stolz: Ja!Also, für mich auf jeden Fall. Das war auch so dieses: Oh Gott, ja! Ich habe nichts falsch gemacht. Und ja, mein Gefühl hat mich nicht getrogen. Und ich hatte ja auch nie einen Vergleich, dass die Kinder irgendwie anders sind. Weil sie ja beide in vielen Dingen sich ähnlich sind. Und dann hat man ja nur so seine eigene Blase und seine eigene Ansicht.

Marco Tiede: Und interessant, dass das dann bei Bente noch nicht gleich erkannt wurde. Obwohl es da andere Auffälligkeiten gab als bei Inga. Weil, letztlich ist es ja oft so, dass es bei Mädchen und bei Frauen schwieriger erkannt wird. Weil ja die ganzen Diagnostik-Kriterien ja auf Jungs angelegt sind. Und dann müssen die Fachleute erstmal ein bisschen dahinterkommen. Und sich das auch nochmal aus weiblicher Perspektive bedenken und einordnen. Dass es sich da eben auch häufig anders zeigt.

0:46:18

Antje C. Stolz: Also in 2022 hat das erste Mal eine Therapeutin zu mir gesagt: „Ich sehe autistische Züge an ihrem Kind.“ Und da habe ich nur gesagt: „Hä? Ich sehe die nicht!“ (lacht) Aber ich hatte mich zu dem Zeitpunkt auch noch nicht mit der Thematik befasst. Und kannte nur solche Stereotypen, wie man sie vielleicht aus Filmen, Fernsehen oder wo auch immer her kennt. Rain Man oder vielleicht frühkindliche Autisten. Und da habe ich gedacht: Nee, da passen meine Kinder überhaupt nicht dazu. Oder auch Inga gerade vor allem passt da gar nicht dazu.

Marco Tiede: Ja, und das ist ja oft das Problem. Wenn wir dann halt als Bezugsquelle zum Beispiel Rainman haben. Dann passt ja vieles nicht so. Zumal ja Rainman auch viel mehr ein Savant-Phänomen als ein Autismus-Phänomen war.

Antje C. Stolz: Ja, ja, genau.

Marco Tiede: So gut der Film vielleicht gemeint war, so viel hat er dann auch eigentlich erschwert. Für die Bekanntmachung von Autismus in seiner Vielfalt. So wie ja auch Bente richtigerweise sagt: Es gibt da so viele Vorurteile.

Antje C. Stolz: Tatsächlich hat die Inga gesagt, sie möchte bei Bentes Präsentation in der Schule nicht, dass Bente das erwähnt, dass sie auch betroffen ist. Und als es darum ging, ob man im Podcast darüber sprechen dürfe oder nicht, hat sie gesagt: „Das hört ja keiner von den Leuten, die ich nicht mag. Oder von denen ich nicht will, dass die das wissen. Das hören ja nur solche Leute wie zum Beispiel von deinem Stammtisch. Und die wissen das ja ohnehin.“ (lacht)

Marco Tiede: Interessant, ja.

Antje C. Stolz: Bei uns ging es eben der Großen einfach darum, dass sie zum Beispiel auch in der Schule Leute hat, vor denen sie sich nicht offenbaren möchte. Ich habe das schon ein paar Mal angeregt. Aus den gleichen Gründen, wie du das, Marco, vorhin auch schon, Bente, erklärt hast. Dass ich gesagt habe: Es kann dir helfen. Wenn jemand anders weiß, warum du so bist, wie du bist. Dass derjenige dann das besser akzeptieren kann. Aber sie geht eben ganz stark davon aus: Dass, wenn sie dem Ganzen einen Namen gibt, dass es dann einen Grund mehr gibt, sie zu hänseln. Oder zu mobben, sozusagen.

0:48:42

Marco Tiede: Ja, die Möglichkeit besteht natürlich leider oft. Aber, meine Erfahrung ist tatsächlich, dass es sich eher umgekehrt hat, ins Gegenteil. Aber, ausschließen kann man es natürlich trotzdem nicht.

Antje C. Stolz: Meistens ist es ja auch so, dass diejenigen, die am lautesten schreien, selbst eigentlich diejenigen sind, die…

Marco Tiede: …sehr bedürftig sind.

Antje C. Stolz: Da eine eigene Aufmerksamkeit benötigen würden.

Marco Tiede: Naja, das sind die armen Würstchen.

Antje C. Stolz: Und ich versuche, das auch immer meinen Kindern zu vermitteln. Oder vor Augen zu führen: Dass das eben vielleicht Kinder sind, denen es nicht so gut geht wie ihnen. Die eben niemanden haben, der sich um sie kümmert. Oder der nach ihnen schaut. Oder wie auch immer.

Marco Tiede: Ja, ist dann vielleicht für Kinder noch nicht immer ganz greifbar. So wie für uns, die wir dann vielleicht schon ein bisschen mit ein bisschen Lebenserfahrung drauf gucken. So, wobei Bente ja auch sehr reflektiert klingt in vielen Dingen.

Antje C. Stolz: Ja, Inga ist dann noch ein ganzes Stück krasser. (lacht) Ich weiß nicht, ob das die zwei Jahre sind. Oder der Charakter. Oder beides. Aber, also, die kann auch ihre Gefühle immer so gut einordnen. Das ist unglaublich.

Marco Tiede: Ich meine, das ist ja nicht nur für autistische Kinder, sondern auch für neurotypische Kinder dann nicht immer so einfach, mit 10 nachzuvollziehen: Was wollen die jetzt von mir wissen? Die mich jetzt hier was fragen.

Mirjam Rosentreter: Was hat das denn mit dir und deinem Mann für euch selbst bedeutet? Seid ihr ins Grübeln darüber gekommen, ob ihr selbst auch im Spektrum seid?

0:50:24

Antje C. Stolz: Ja, wir grübeln. Aber, es ist noch kein leidvolles Grübeln. Oder kein forschendes Grübeln. Also, es gibt ja viele, die auch viel Struggle haben. Und das ist bei uns eigentlich nicht der Fall. Wir haben schon solche Ideen, dass wir betroffen sein könnten. Aber, das ist zumindest jetzt nicht so, dass wir jetzt sagen: Wir sind an einem Punkt, wo wir diesbezüglich Hilfe bräuchten oder so.

Ich denke, eine Diagnose braucht man, wenn man nicht zurechtkommt in seiner Welt. Oder wenn man so einen Culture-Clash hätte. Aber wenn man da angepasst ist. Oder wenn man das ja gelernt hat. Oder das ganze Leben ja schon so ist, wie es ist. Und das nicht schlimm ist und keinen Leidensdruck verursacht. Weiß ich nicht unbedingt, ob das dann sein muss.

0:51:34

Marco Tiede: Ja, ich glaube, das ist auch wichtig, das zu erkennen oder zu wissen. Ich glaube, ohne Leidensdruck brauchst du nicht zwangsläufig eine Diagnose. Und wenn man sich damit verbunden fühlt und sagt: Ja, bestimmte Phänomene kommen mir bekannt vor. Wahrscheinlich bin ich da auch irgendwo im weitesten Sinne unter dem großen Schirm der Neurodivergenz. Manchmal hilft es vielleicht zur eigenen Selbstgewissheit im Sinne von: Ich bin nicht blöd oder so. Das war so der Satz meines Sohnes nach der Diagnose. Er sagte dann: „Okay, dann bin ich gar nicht so bescheuert.“ Also weil der immer wieder vermittelt bekommen hat. Oder viel in Schwierigkeiten kam. Dass er dann dieses Selbstbild entwickeln konnte.

Antje C. Stolz: Also ich muss auch sagen: Rückwirkend ist das ja sowieso so, dass man nach einer Diagnose plötzlich alles neu bewertet. Also wenn ich jetzt so verschiedene Entwicklungsschritte von den Kindern sehe. Trotzphase ist sowas. Wo ich bei der Großen dann gedacht habe: Oh, das ist aber eine intensive Trotzphase! Heute weiß ich, dass das regelmäßige Meltdowns nach der Kindergartenzeit gewesen sind.

Marco Tiede: Jaja.

Antje C. Stolz: Die hat sich jeden Tag oder einmal wöchentlich entladen. Und hat geschrien, getobt und gewütet bis zur Besinnungslosigkeit. Oder wirklich, bis sie eingeschlafen ist. Wo mir das dann auch Leute gar nicht geglaubt haben. Und wo ich dann zu dem Mittel gegriffen habe, dass ich das gefilmt habe. Weil das nur mit mir alleine zu Hause passiert ist.

Mirjam Rosentreter: Und für wen hast du das dann gefilmt?

Antje C. Stolz: Ja, das habe ich zum Beispiel für meinen Mann gefilmt. Oder für meine Schwiegereltern oder so. Weil das sich immer keiner vorstellen konnte. Wenn ich dann gesagt habe: Oh, die ist heute wieder so ausgeflippt! Und ich weiß gar nicht, warum. Dass ich einfach mal… Um zu beweisen sozusagen, dass ich da jetzt mir nichts ausdenke oder so.

Marco Tiede: Weil dann auch alle anderen Außenstehenden wieder: Wie, die soll autistisch sein?

Antje C. Stolz: Ja, genau, genau! (lacht)

Marco Tiede: Und sagen: Die ist doch ganz friedlich. Was so ein bisschen immer so ein Dilemma ist. Einerseits könnte man sich ja freuen, dass das Kind sich in deiner Umgebung so sicher fühlt, dass es dann auch mal das Ventil aufmachen kann, ablassen kann. Und andererseits ist das natürlich für alle Seiten sehr stressbelastet.

0:54:10

Antje C. Stolz:  Und für mich ist es natürlich auch immer schwierig. Ich verstehe natürlich meine Kinder. Also ich habe ja auch Inga zum Beispiel schon verstanden als Inga… Also die war, ich möchte jetzt nicht sagen ‚nonverbal‘. Aber die war Spätsprecher, Late Talker sozusagen. Und die hatte dann aber phasenweise halt ihre eigene Art und Weise zu kommunizieren. Und das habe ich tatsächlich auch hier immer am besten verstanden. Na gut, ich habe halt auch die meiste Zeit mit ihr verbracht. Ja, sind so auch so ganz typische Sachen. Wo wir damals ja auch noch nicht genau wussten, was dahintersteht. Und wo es auch dann so war, dass… Wir hatten damals so einen Kinderarzt. Das war so ein kurz vor der Pensionierung stehender Mensch. Der so der Meinung war: Was er nicht diagnostiziert hat, das gibt es auch nicht.

Marco Tiede: (schmunzelt)Sehr selbstbewusst, ja.

Antje C. Stolz: Ja, genau. Das ist eher so ein Dorf-Land-Kinderarzt halt hier. Und der hat halt gesagt: „So, so. Ach, machen Sie sich keine Sorgen! Ah, das verwächst sich noch, ne.“ Und dann ist man vom Kindergarten hingeschickt worden. Und dann: Ja, irgendwie hört das Kind nicht richtig. Woran könnte das denn liegen? Und man sollte vielleicht mal zur Logopädie gehen, die spricht ja auch gar nicht richtig. Und dann: „Nee, Logopädie? Nein, das schreibe ich Ihnen nicht auf! Das ist nicht notwendig.“ Schreibt aber dann gleichzeitig ins U-Heft ‚sprachliche Entwicklungsrückstände‘. (lacht)

Marco Tiede: Seltsam, ja.

Antje C. Stolz: Wir haben aber nie eine Verordnung für Logopädie bekommen, zum Beispiel. Und das war ja bei Inga wirklich so, dass wir da lange auch dieses Ausmaß gar nicht gesehen haben. Wobei Inga aber auch jemand ist, die ultra maskieren kann. Das ist tatsächlich auch einer der Hintergründe, weshalb ich meinen Mann auch im Spektrum sehen könnte. Der ist intensiver Zocker. Und ist sehr glücklich damit, dass man inzwischen heutzutage auch auf dem Handy zocken kann. Und da nicht mehr dazu verbannt ist, irgendwo stationär an einem Rechner zu sitzen. Er macht das wirklich bei entspannenden Dingen nebenbei. Aber, es gibt auch noch viele andere Dinge, die bei ihm durchaus dafürsprechen. Aber wie gesagt, es scheint mir nicht, dass er Leidensdruck hätte. Und von daher.

Also ich habe immer so gesagt: Den ADHS-Anteil, den haben sie von mir. Ziemlich eindeutig. Da sehe ich mich schon sehr. Aber…

0:56:55

Marco Tiede: Also das haben sie tatsächlich auch als Diagnose beide, oder?

Antje C. Stolz: Ja, ja, ja, genau.

Marco Tiede: ADHSdazu, ja.

Antje C. Stolz: Es ist praktisch bei beiden so: Dass Inga als a-typischer Autist diagnostiziert ist, mit ADHS dabei. Hat vorher eine auditive Wahrnehmungsverarbeitungsstörung mal diagnostiziert bekommen. Das ist aber wahrscheinlich ein Nebenprodukt des Autismus, würde ich jetzt heute sagen. Dann haben beide Schwierigkeiten, was Lesen, Schreiben und Grafomotorik angeht. Und auch Mathematik. Also Inga hat ihre ganz eigene Art zu rechnen. Und die haben auch beide ein Problem mit dem Kurzzeitgedächtnis-Arbeitsspeicher oder so.

(zu Bente) Ja, du kannst gleich was zu essen haben, Schatz.

Also die haben beide ein Problem mit diesem Kurzzeitspeicher. Wo geguckt wird, wie viele Items man sich nacheinander merken kann. Und da ist bei beiden, bei drei eigentlich, also bei drei Items Ende. Vier wird schon schwierig. Und dann ist es natürlich aber schwer, wenn man alles im Kopf rechnet. Und sich dann im Tausenderbereich oder höher….

Marco Tiede: Ja, da wird’s schwer.

Antje C. Stolz: …bewegt. Dann kann man ja sowas gar nicht leisten. Also das sind dann viele Dinge. Die sind dann so selbsterklärend irgendwie. Witzig ist ja auch immer bei uns: Dass wir hier ja tatsächlich, obwohl wir ja in so provinzieller Gegend sind, im Nachbardorf ein Autismuszentrum haben! Ein Autismus-Therapie-Zentrum. Und ich gehe auch seit zwei Jahren schon regelmäßig jetzt… Oder sogar drei Jahre glaube ich schon, gehe ich da zu der Elterngruppe. Und heute Abend haben wir auch gerade wieder Elterngruppe.

Marco Tiede: Schöne Grüße aus Bremen.

Antje C. Stolz: Das richte ich gerne aus, ja.

Mirjam Rosentreter: Ja, dann jetzt ein gutes Mittagessen, verspätetes.

Antje C. Stolz: Die Bente will nur einen Snack. Die hat Mittag gegessen in der Schule eigentlich. Aber das ist halt auch schwierig. Selbst wenn man weiß, was es gibt. Aber das ist ja dann, man ist halt sehr beschränkt. Also deswegen fand ich das vorhin auch so lustig, dass sie irgendwie übers Essen gesprochen hat. Und über das Marmeladenbrot. Sie ist wirklich in vielen Dingen sehr beschränkt in ihren Wünschen. Oder in dem, was sie isst. Und wenn man dann schon… Also ich versuche dem wirklich immer nachzukommen. Aber manchmal ist es dann eben leider so, dass wir keine Brötchen und kein Toastbrot und nicht mehr die richtigen Cerealien dahaben. Und dann habe ich ihr eben einmal erdreistet, ein Marmeladenbrot anzubieten.

Marco Tiede: Die Quittung haste gekriegt.

Antje C. Stolz: Das wird mir jetzt nachgetragen bis in alle Ewigkeit, genau.

Marco Tiede: Das wird jetzt immer wieder aufs Brot geschmiert. (lacht)

Antje C. Stolz: (lacht) Genau, richtig! Im wahrsten Sinne des Wortes.

Mirjam Rosentreter: Und da funktioniert dann das Gedächtnis wunderbar.

Antje C. Stolz: Ja, ja, genau. Das ist ja dann aber auch Langzeitgedächtnis.

Marco Tiede: Gleichzeitig, das ist dann so diese… Was wir dann wählerisch selektiv nennen, ist ja dann auch eine Art von Sicherheit. Aber es kann natürlich auch sein: Marmeladen haben natürlich sehr unterschiedliche Konsistenzen. Da habe ich so gestaunt, dass mein Sohn damals mit fünf schon sagte: „Die Konsistenz…“

Antje C. Stolz: Das ist tatsächlich nicht die Schwierigkeit. Weil, die Marmelade ist tatsächlich eine selbst gekochte Marmelade. Ich glaube, das ist einfach diese Kombination. Es war ein sehr dunkles Brot. Und das mit Süß. Das war für Bente nicht vereinbar.

Marco Tiede: Und das kann vielleicht auch sein, ja. Es gibt immer irgendwelche Schwierigkeiten durch sowas, wie du beschreibst. Dunkles Brot, süßes Zeug drauf. Oder die Mischkonsistenz, die Marmeladen manchmal haben. Die so glibberig sind und dann einfach noch Stücken drin haben.

Antje C. Stolz: Ach ja. Aber jedenfalls, früher habe ich das immer so als Kompliment gesehen. Habe immer gedacht: Wie toll, meine Kinder essen am liebsten bei mir. Also nicht mal die Oma konnte es ihnen recht machen. (schmunzelt) Selbst wenn… meine Schwiegermutter hat mich gefragt: „Wie kochst du dies? Wie kochst du das?“ Dann hat sie es versucht, ganz genau so nachzukochen. Und trotzdem haben es die Kinder nicht bei ihr so gern gegessen wie bei mir. Und das ist ja so. Ja, da hat meine Schwiegermutter, glaube ich, echt drunter gelitten. Und ja, heute weiß ich jetzt ja. Woher es kommt. Und denke so: Naja, also das ist ja dann kein so großes Kompliment mehr.

1:01:49

Marco Tiede: Darfst du trotzdem als Kompliment nehmen. Weil, du gibst ja wahrscheinlich auch noch die Sicherheit dazu. Und die Wärme, die es braucht, um da das Essen genießen zu können. Das darfst du trotzdem als Kompliment aufnehmen. Und auch wenn es nichts mit nicht vorhandenen Kochkünsten deiner Schwiegermutter zu tun hat. Aber bei dir stimmt eben alles. Also das, wie du es gekocht hast. Das gesamte…

Antje C. Stolz: Paket.

Marco Tiede: Das Gesamtpaket. Das Sicherheitspaket-Mama sozusagen. Weil, du gibst Sicherheit.

Mirjam Rosentreter: So, vielen Dank, Antje, noch mal auch für deine Zeit.

Antje C. Stolz: Sehr gerne.

Mirjam Rosentreter: Und dass du so spontan mit uns noch deine Sicht als Mutter geteilt hast.

Und euch vielen Dank fürs Zuhören, wir hören uns wieder am nächsten, letzten Dienstag im Monat. Wir sind ja neuerdings jetzt immer am letzten Dienstag im Monat. Früher war es jeder Dritte. Aber irgendwie kann man sich den letzten Dienstag besser merken.

Marco Tiede: So wie auch unser Elternkreis immer am letzten Dienstag stattfindet.

1:02:51

Mirjam Rosentreter: Und wir hoffen, mit dieser kleinen Veränderung kommt ihr alle zurecht.

Marco Tiede: Ja, und danke nochmal an euch, Antje und Bente.

Antje C. Stolz: Sehr gerne.

Mirjam Rosentreter: Mach’s gut, Antje.

Antje C. Stolz: Tschüss.

Marco Tiede: Tschüss.

1:03:05

Outro

Musik: Joss Peach: Cherry On The Cake, lizensiert durch sonoton.music

Sprecher: Das war Spektrakulär – Eltern erkunden Autismus.

Mirjam Rosentreter: Unsere Kontaktdaten und alle Infos zu unseren Folgen findest du in den Shownotes auf unserer Seite spektrakulaer.de.

Sprecher: Der Podcast aus dem Martinsclub Bremen.

Musik-Ende

Sprecher: Gefördert durch die Heidehof-Stiftung, die Waldemar-Koch-Stiftung und die Aktion Mensch.

Sprecherin: Redaktion und Produktion: Mirjam Rosentreter. In Zusammenarbeit mit Selbstverständlich – Agentur für barrierefreie Kommunikation.

Ende

Quellen und Links zu weiterführenden Infos

Hinweis: Für externe Links übernehmen wir keine Gewähr

Autismus und Gefühle – aufräumen mit Vorurteilen

Georg Theunissen: Menschen im Autismus-Spektrum. Verstehen, annehmen, unterstützen (2014)

https://elibrary.kohlhammer.de/book/10.17433/978-3-17-025394-0

Intense-World-Theory

Autismus verstehen – Intense World Theory
https://autismspectrumnews.org/the-other-side-of-autism-intense-world-theory

Autismus – kindgerecht erklärt

Animationsfilm „Erstaunliche Dinge geschehen“ („Amazing Things Happen“)

ZDF tivi – stark! „Yannis – Autist und hochbegabt“ (2020)

WDR DieMaus „Autistin Luzi“ (2022)

https://www.wdrmaus.de/filme/sachgeschichten/autistin_luzi.php5

Spektrakulär-Episode 13 mit Tom Harrendorf

https://spektrakulaer.podigee.io/27-spektrakular-folge-13-ich-war-wie-eine-ratte-im-labyrinth
https://spektrakulaer.podigee.io/28-spektrakular-folge-13-als-kurzpod-ich-war-wie-eine-ratte-im-labyrinth

Spektrakulär-Episode mit Jason von Juterczenka

https://spektrakulaer.podigee.io/16-spektrakular-folge-7-alle-anderen-sind-auf-dem-falschen-planeten
https://spektrakulaer.podigee.io/17-spektrakular-folge-7-als-kurzpod-alle-anderen-sind-auf-dem-falschen-planeten

Sonnenblumenband – Sonnenblumen-Symbol, auch: Sonnenblumen-Lanyard

Was ist das Hidden Disabilities Sunflower und wofür steht es?
https://www.fasd-deutschland.de/sonnenblumen-schluesselbaender-als-sichtbares-signal-einer-unsichtbaren-behinderung

Inklusionskraft, Schulbegleitung

https://web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/134902

Montessori-Pädagogik

Bundesverband Montessori Deutschland

https://www.montessori-deutschland.de
https://www.pedocs.de/volltexte/2025/33541/pdf/Redecker_2025_Inklusionspaedagogik_mit_Montessori.pdf
https://www.montessori-material.de/blog/inklusion-bei-montessori

Diskussion um Maria Montessori vor dem historischen Kontext (Eugenik/ Faschismus)

Ein Kinofilm und zwei Bücher zu Maria Montessori führten 2024 und 2025 zu einem großen Medienecho und Diskussionen in der Bildungsszene. Diese möchten wir über die folgende Sammlung von Links für euch zugänglich machen.

Film „Maria Montessori“ von Léa Todorov (2024)

https://maria-montessori-film.de

Bücher von Sabine Seichter „Der lange Schatten Maria Montessoris. Der Traum vom perfekten Kind“ (2024) und (als Hrsg.) „Maria Montessori – die Unantastbare? Warum der Mythos Montessori zerbröckelt“ (2025)

https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/produkte/details/51994-der-lange-schatten-maria-montessoris.html
https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/produkte/details/55246-maria-montessori-die-unantastbare.html

Medienecho

https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-dunke-seite-der-maria-montessori-102.html
https://www.ndr.de/kultur/buch/Ideen-von-Maria-Montessori-Die-weisse-Rasse-als-Idealmensch,seichter100.html
https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/streitbare-figur-das-bild-von-bildungsikone-maria-montessori-bekommt-risse
https://taz.de/Eugenik-Diskussion-um-Maria-Montessori/!5991727

Reaktionen aus der Bildungsszene und aus dem Montessori-Bundesverband

Montessori in der Diskussion
https://www.socialnet.de/rezensionen/31951.php
https://www.bel-montessori.at/blog/montessori_in_der_diskussion
“Größtenteils haltlose Vorwürfe”: Warum die Debatte um Maria Montessori wenig neue Erkenntnisse bietet – ein Gastbeitrag
https://www.montessori-deutschland.de/ueber-montessori/montessori-in-der-diskussion/interview-zu-montessori-und-mussolini

Gehörschutz und Geräuschunterdrückung (Noise Cancelling)

Besuch des autistischen Planeten: Noise-canceling Kopfhörer
Kopfhörer und Autismus – nach der Theorie des prädikativen Gehirns (predictive coding)
https://www.dw.com/de/sind-noise-canceling-kopfh%C3%B6rer-sch%C3%A4dlich/a-71939778
https://www.mackhagood.com/podcast/irv-teibels-environments-ai-audio-and-the-future-of-listening-w-machine-listening

Bentes „Rahmenprogramm“ zum Frühstück 😊

WDR 2 Comedy-Serie: „Fahrstuhl zum Schamott“ https://www.ardaudiothek.de/sendung/wdr-2-fahrstuhl-zum-schamott/urn:ard:show:ec951b26f2f8cbe2/

Flexibilität im Autismus-Spektrum
https://butterblumenland.wordpress.com/2015/07/30/flexibilitaet/

Flexibilität muss von dem Autisten / der Autistin ausgehen
https://selbsthilfeforum.aspies.de/forum/index.php?thread/12560-flexibler-werden-als-autist

Essen und Autismus

Buch „Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing“ von Nicole Schuster* (2007)

https://dianakuenne.de/p/schuster-ein-guter-tag-ist-ein-tag-mit-wirsing

Buch: „Trinken und Essen im Autismus-Spektrum. Wahrnehmungsbesonderheiten nutzen – Genuss ermöglichen“ von Ulrike Funke (2023)

https://shop.kohlhammer.de/trinken-und-essen-im-autismus-spektrum-44770.html#147=19
https://www.ulrike-funke.de/Trinken-und-Essen.html

Diagnostik in Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ)

Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V.

https://www.dgspj.de/institution/sozialpaediatrische-zentren
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/foerdern-unterstuetzen/sozialpaediatrische-zentren-spz

Diagnostik bei Auffälligkeiten der Sprachentwicklung

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/entwicklungsschritte/sprachentwicklung/frueherkennung-sprachstoerung

ADI-R-Test für Autismus

https://autismus-kultur.de/adi-r-test-autismus
ADI-R Test

Film „Rainman“ in der Kritik

Rain Man & Autismus
Kein Rain Man – Über Autismus berichten
https://selbsthilfeforum.aspies.de/forum/index.php?thread/8797-rain-man-uns%C3%A4glicher-film

Autistische Mädchen und Frauen

https://autismus-kultur.de/autismus-bei-frauen
https://neurodinge.de/adhs-bei-frauen
https://www.aerzteblatt.de/news/autismus-bei-madchen-ahnlich-haufig-wie-bei-jungen-4f9e7a21-15ba-4b39-8c6c-30a3482ea546
https://www.beltz.de/sachbuch_ratgeber/produkte/details/55105-die-welt-autistischer-frauen-und-maedchen.html
Der Rote Knoten – Frauen im Autistischen Spektrum

Autismus und Beziehungen

Bindung, Beziehung und Verbundenheit bei Autist:innen
https://www.chemnitz.de/fileadmin/chemnitz/media/aktuell/aktuelle-themen/autismuswoche_vortrag_freundschaft_preissmann.pdf

Autismus, Legasthenie, Dyskalkulie

https://autismus-kultur.de/lernstoerung-oder-autismus
Autismus Legasthenie – Gemeinsamkeiten im Blick
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